Montag - 14. Okt. 2019


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Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


Was war los im Außerfern im Jahr 1936



Ein Erdbeben erschüttert am 22. April das Außerfern, es werden leichte Schäden an Häusern und Wohnungen gemeldet

Am 1. September erfolgt die Aufhebung der 1000-Mark-Sperre, zu einer Belebung des Fremdenverkehrs führt diese Maßnahme zu jenem Zeitpunkt jedoch noch nicht


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1936

Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 11. Juli 1936
Im Zuge der Kanalisierungsarbeiten in Reutte wurden mehrere Gegenstände mit historischem Werte ausgegraben, die nach fachmännischer Ueberprüfung im Bezirksmuseum zu Reutte ausgestellt werden. Ganz nahe beim alten Patrizierhaus der Zeiler (Zeiller) wurde von einem Arbeiter in einer Tiefe von anderthalb Meter ein Dolch aus der Ritterzeit ausgegraben. Er ist zirka 30 Zentimeter lang und weist am Ende des Heftes einen Silberring auf, der mit zahlreichen Verzierungen und Blumengravuren versehen ist. Von der äußeren Hülle des Griffes ist nichts mehr zu sehen, vermutlich bestand sie aus Holz, das im Laufe der Jahrhunderte dem Zersetzungs-, bzw. Verfaulungsprozeß anheimgefallen ist.

Weiters förderte die durch die Kanalisierung notwendige Ziehung eines Grabens eine Anzahl von Hufeisen aus einer Tiefe von 1 bis 2 Meter an das Tageslicht. Zwei Arten, bzw. Gruppen von solchen Eisen wurden gefunden. Sämtliche sind mit einer starken Rostschicht versehen und reichlich zersetzt, was bei der Schotterlagerung und dem hohen Alter dieser Gegenstände natürlich ist. Die erste Gruppe besteht aus Militärhufeisen, wie Fachmann Pacher einwandfrei feststellte. Denn die Hufbeschläge der Zivilpferde früherer Jahrhunderte zeigen bei weitem nicht so elegante und vollendete Schmiedekunst wie die der Militär-, bzw. Kampfpferde. Die Hufeisen sind durchschnittlich kleineren Formates, ihre Größe beträgt ungefähr die Hälfte unseres heutigen Pferdebeschlages, dafür aber sind sie sehr breit. Dies sowie verschiedene andere Umstände lassen darauf schließen, daß sie aus der Zeit der Schmalkaldischen Kriege oder aus einer früheren in der Umgebung Ernbergs kampfumtobten Zeit stammen. Eine solche Ansicht bestätigen auch die Ergebnisse einer zufälligen Grabung an den sogenannten "Roßschlägen" bei Pinswang im Jahre 1908. Damals fand man Eisen gleicher Größe und Qualität wie in, Reutte, nur mit dem Unterschiede, daß sie in Viererform aufgefunden wurden, was die Vermutung aufdrängt, die damaligen Kampfpferde seien begraben worden. An den Roßschlägen war vor Jahrhunderten ein Fort, das zu Beginn der Neuzeit und auch schon früher oft blutige Scharmützel erlebte. So das letztemal beim Schmalkaldeneinfall. — Merkwürdigerweise fand vor einigen Jahren ein Pflacher Bauer auch auf dem naheliegenden Grenzberg Säuling auf einem für Tiere sonst ganz unzugänglichen Platz drei solcher Hufeisen.

Die zweite Gruppe der Hufbeschläge, die sich unter dem Steinpflaster des Marktes befanden, bilden die Ochsenhufeisen. Sie sind wahrscheinlich höheren Alters als die obgenannten. Denn die Ochsenfuhrwerke wurden in der Salzzeit zur Beförderung des Salzes benützt. Das Salz wurde von Triest, später, als der Haller Salzberg in Geltung kam, von dort über den Fernpaß gebracht, in Lermoos in Salzstädeln gelagert, mit Ochsengespann weiter nach Reutte transportiert, wo beim gegenwärtigen Weberhaus ein Salzstadel stand. Von hier überquerten die Fuhrwerke das Lechbett, wobei oft die ganze Fracht zugrunde ging (die Lechbrücke wurde erst um 1600 erbaut). Die Salzfrachten nahmen den Weg Nesselwängle, Tannheimer Tal, Oberjoch, Lindau und wurden im Rhein eingeschifft.

Es vertritt allerdings in Reutte ein Heimatforscher die Ansicht, diese Beschläge stammen aus viel früherer Zeit, sie seien tausend Jahre alt, doch die Meinung der Schmiedesachverständigen teilt diese Ansicht nicht. Wenn all diese Funde auch keinen ausgesprochenen historischen Wert darstellen, so bieten sie doch der Geschichtsforschung Außerferns einen wichtigen Behelf.




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