Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


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Was war los im Außerfern im Jahr 1927



Gleich zum Jahresbeginn wird die neue Ski-Sprungschanze Ehrenberg eröffnet. Mit dem Bau der Sprungschanze, am steilen Nordhang des Schloßbergs unterhalb der Ruine Ehrenberg gelegen, wurde unter der Federführung des Direktors Riezler bereits im Jahr 1925 begonnen. Letztlich wurde diese Schanze jedoch in den darauf folgenden Jahren auf Grund der örtlichen Verhältnisse zu Gunsten jener von Lähn aufgegeben

Am 2. Jänner ereignet sich bei Zürs, östlich des Trittkopfes, ein Lawinenabgang, welcher insgesamt 9 Touristen sowie den Skilehrer Strolz aus Lech verschüttet. Bei der Nachsuche werden 1 Deutscher und eine Engländerin lebend geborgen, 8 Personen fanden den Tod

Im Metallwerk Plansee kommt es am 14. Jänner zu einem Betriebsunfall, bei welchem der Arbeiter Rudolf Felber in einen Füllschacht stürzt und in dem Molybdäntrioxyd-Pulver erstickt

Ende Februar zerstört ein Feuer die Sulzlbach-Mühle bei Stockach

Neubau der Brücke zwischen Reutte und Lechaschau

Im neuen Krankenhaus Kreckelmoos beginnt man mit der Arbeit

Außferner Bote vom 14. April 1927
Steeg. 11. April. Am 6. ds. M. nachmittag wäre der Lech für unsere Gemeinde bald zu einer Katastrophe geworden. In Hinterellenbogen ging eine Lawine vom sogenannten Bimig los und füllte den Talkessel in einer Breite von 300 Metern und 15m Höhe aus. Auch das Lechbett wurde vollständig verschüttet, sodaß der Lech seinen Weg durch die Hinterellenbogener Felder nehmen mußte, wo er zirka 4000 Quadratmeter Feld zerstörte. Um nun den Lech wieder in das alte Bett zu leiten, wurde die ganze Gemeinde aufgeboten und die Lawine durchbohrt. Diese Arbeit war schon ziemlich vollendet und ein Teil des Wassers nahm schon den Weg durch den ausgeschaufelten Kanal. Zirka 50 Personen, teils durch Notseile gesichert, welche noch oberhalb des Kanales arbeiteten, wären beinahe durch die plötzlich am Kanal einstürzenden Schneemassen begraben worden. Nur der Geistesgegenwart des Straßenwärters Rach und des Hilfsarbeiters Scheidle, welche rechtzeitig die Gefahr erkannten, ist es zu danken, daß unsere Gemeinde von einem ungeheuren Unglück verschont blieb.

Anfang August geht bei Tannheim vom Kugelhorn eine Steinlawine zu Tal - die dabei aufgewirbelte Staubwolke hält sich eine halbe Stunde in dem Talschluss

Am 6. August bricht in der Nacht im Holzgauer Gasthof 'Zum Hirschen' ein Brand aus. Die aus dem Schlaf gerissenen Gäste sprangen zum Teil in Panik aus dem ersten und zweiten Stock des Anwesens und verletzten sich dabei schwer. Zwei Bedienstete und ein Gast wurden während der späteren Branduntersuchungen schließlich als 'völlig verkohlte [...]Leichen' entdeckt...

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Außferner Bote vom 11. August 1927
Lech-Aschau. (Brand). In der Nacht vom 8. auf den 9. August, in den ersten Morgenstunden, brach im Kalkofen in Hinterbichl ein Brand aus, wodurch der gesamte Holzvorrat und die Holzbaulichkeiten total vernichtet wurden, ebenso ein gebrannter Kalkvorrat durch Begießung bei den Löscharbeiten der Feuerwehr Lech-Aschau. Wirkungsvoll griff die Motorspritze der Feuerwehr Reutte bei der Löschaktion ein. Der Materialschaden ist bedeutend.

Vils begeht am 10. und 11. September die 600-Jahr-Feier zur Stadterhebung. Die Vorbereitungen zu der Festivität werden mit und unter der Leitung von Ignaz Dengel vorangetrieben

Nachdem die DAV-Sektion Regensburg mit ihren vorläufigen Hüttenbauplänen am Roßkarsee letztlich doch ins Stubaital abgewandert waren, trat die Sektion Wartburg-Eisenach in dieser Sache die Nachfolge an um hier ihre 'Eisenacher Hütte' zu errichten

Der Besitzer des Alpenhotels Ammerwald - Gottfried Bunte - erwirbt die Plansee-Hotels Forelle, Seespitze und den Gasthof Fischer am See (Heiterwang) mit dazugehöriger Motorschifffahrt


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1927

In Ehrwald bildet sich eine Aktiengesellschaft, die zu dem knapp 1700 Meter hoch gelegenen Seebensee von Ehrwald aus eine Seilschwebebahn errichten will

Im südlich von Stockach gelegenen Sulzltal brennt Anfang März die Sulzlalm nieder

Außferner Bote vom 17. März 1927
Lechaschau, 11. März. (Unfall). Am 9. d. M. ereignete sich im Lech-Aschauer Steinbruch, in welchem die Gemeinde für die Lechbauten arbeiten ließ, ein schwerer Unfall. Von der anscheinend ganz sicheren Wand löste sich plötzlich ein mächtiger Block los und traf im Falle 2 Arbeiter: den Steinbrecher Josef Brenneis und den Meßgehilfen Wilhelm Wörle. Herr Brenneis kam unter den Steinblock zu liegen, der nur mit Hilfe zweier Handwinden entfernt werden konnte. Die Untersuchung des Bedauernswerten, der im Unterleib alle Bewegungs- und Empfindungsfähigkeit verloren hatte, ergab die Wahrscheinlichkeit schwerer innerer Verletzungen. Herr Wörle war mit einem Bruche des rechten Unterschenkels davongekommen, Herr Dr. Sonnweber in Lech-Aschau leistete als Arzt die erste Hilfe. Beide Verletzte wurden mittels Auto ins Spital der Barmherzigen Brüder nach Kreckelmoos gebracht. Der Zustand des Herrn Brenneis ist sehr ernst.

Außferner Bote vom 28. April 1927
Ehrwald, 26. April. Der bekannte Pilot Udet hat ein motorloses Flugzeug, ein sogenanntes Segelflugzeug, auf die Zugspitze bringen lassen und unternimmt jetzt am Plattferner, wo das Segelflugzeug im schützenden Schneebett eingegraben ist, Flugversuche. Das Segelflugzeug hat unter Führung Udets am Sonntag unter Ausnutzung eines günstigen Ostwindes in einer Höhe von 2700 Meter zwei kurze Flugversuche unternommen. Udet wartet bis zur Stunde auf einen günstigen Ostwind und will dann den großen Versuch wagen, auf der Zugspitze zu starten und weit hinaus ins Bayrische Tiefland motorlos fliegen.

Nachdem im Bereich der Daurachalpe bei Vils mehrfach ein unbekannter Mann gesichtet wurde, findet ein Einheimischer im Juli die Hütte schließlich eingeäschert vor. Mit aufgefunden wird die verkohlte Leiche des vorgenannten Mannes

daurachalpe verkohlte leiche 1927

Außferner Bote vom 4. August 1927
Wängle, 30. Juli. (Ertrunken) In Niederwängle ertrank in einem unbewachten Augenblicke das zweijährige Knäblein des Fabrikarbeiters Josef Thurner im Dorfbrunnen. Das Kind befand sich bei dessen Tante in Kost und Pflege. Mütter, beaufsichtigt eure Kinder!

Der pensionierte Steueramtsverwalter Walser plant in Reutte eine Teigwarenfabrik zu eröffnen

Sechshundert Jahre Bauernstadt Vils
"...Wenn man die außerhalb der geschlossenen Siedlung stehende Zementfabrik außeracht läßt und von der geschlossenen Bauweise im Mittelpunkte des Ortes absieht, gewinnt man bei Betrachtung des Städtchens den Eindruck, daß man es mit irgend einem Tiroler Bauerndorfe zu tun hätte: man findet keinen Anhaltspunkt für die Vermutung eines städtischen Gemeinwesens...

...Was die Geschichte von Vils besonders merkwürdig macht, ist der Umstand, daß sich die Siedlung seit Verleihung des Stadtrechtes durch Jahrhunderte gar nicht vergrößert und in ihrem inneren Charakter auch nicht verändert hat, wenn auch ihr äußeres Bild einigen Wandlungen unterworfen war..."

Die Festrede

(Universitätsprofessor Dr. Philipp Dengel)
"Die Siedlungsform der Stadt bedeutet in deutschen Landen die letzte Stufe der Besiedlung eines Gebietes. So ist es auch mit Vils, das zu den ältesten Siedlungen von Außerfern gehört. Es verdankt seine Entstehung den Alemannen oder Schwaben, die sich im fünften Jahrhundert zwischen dem Bodensee und dem Lech festsetzten. Die Vilser sind also, wie die meisten übrigen Außerferner, ihrer Abstammung nach echte Schwaben. Sie mußten in harter und langer Rodungsarbeit der rauhen Wildnis ihr Heim abtrotzen. Der heilige Magnus, der Allgäuer Apostel und Gründer des Stiftes Füssen, brachte diesem Bauernvolke die Segnungen des Christentums.

Die ersten Höfe von Vils lagen nicht an der Stelle der heutigen Stadt, sondern am anderen, dem linken Ufer der Vils. Die Lage war dort nicht günstig, denn die Gebäude waren Ueberschwemmungen ausgesetzt und auch die uralte Handelsstraße, die über den Fernpaß und über Reutte nach Kempten führte, lag auf dem etwas erhöhten rechten Ufer. Es war daher natürlich, daß bei zunehmendem Verkehr auch am rechten Ufer der Vils Wohnstätten gebaut wurden und diese sich allmählich zu einer dorfmäßigen Siedlung zusammenschlossen. Die alte Ueberlieferung spricht von einer ehemaligen Judenniederlassung an der Stelle der jetzigen Stadt. Die Juden seien - wie dies im Mittelalter öfters geschah — vertrieben worden und die Insassen des Dorfes hätten sich an ihre Stelle gesetzt. Eine geschichtliche Rolle spielt nur die jüngere Ortschaft an der Stelle der heutigen Stadt.

Politisch gehörte das Vilstal zum Herzogtum Schwaben. Später kam es in den Besitz des Reichsstiftes Kempten und dieses gab es zu Lehen den Freiherren von Hohenegg, einem im Allgäu reich begüterten Adelsgeschlechte. Die Hohenegg hausten auf dem Schloß Vilsegg. Vils lag im Netze wichtiger Verkehrsverbindungen und der italienisch-deutsche Handelsaustausch gab dem Orte eine besondere Bedeutung. Neben den Bauern siedelten sich Gewerbetreibende, Wirte und Frächter an. Die Häuser rückten enger zusammen und ein reges und buntes Straßenleben entwickelte sich. Diesen Umständen ist es zu verdanken, daß der deutsche König Ludwig der Bayer auf Bitten der Hohenegg dem Dorfe Vils das Stadt- und Marktrecht verlieh. Die Gerichtsbarkeit lag in den Händen der Hohenegg. Das altertümliche Steinkreuz auf dem Marktplatze gibt Kunde von dem Freiungs- und Asylrecht, das in der Stadt herrschte: dieses eigentümliche Sonderrecht galt für Personen, die wegen einer Freveltat anderwärts verfolgt wurden. Sie fanden, wenn es sich um kein gemeines Verbrechen handelte, in Vils Zuflucht, mußten aber den Hohenegg als Inhabern der Gerichtshoheit eine Vergütung in Geld leisten. Die Hohenegg gründeten auch die selbständige Pfarre in Vils und erbauten zu Füßen der Burg Vilsegg das stimmungsvolle Kirchlein St. Anna.

Mit dem Aussterben der Hohenegg im Jahre 1671 ging Vils in den Besitz des Hauses Habsburg über, das die Stadt durch Pfleger verwalten ließ. Sine Einverleibung in den landschaftlichen Verband von Tirol erfolgte damals noch nicht. Im Frieden vom Jahre 1805 mußte Österreich mit seinen schwäbischen Besitzungen und dem Lande Tirol auch die Stadt Vils an Bayern abtreten. Erst im Jahre 1816 wurde Vils auf Grund der Verhandlungen des Wiener Kongresses wieder an Österreich zurückgegeben und nunmehr mit dem Lande Tirol und dem Landgerichte Reutte vereinigt.

Während andere Städte im alten Deutschland durch Handel und Handwerk besonderes Gepräge erhielten, blieb Vils durch alle Jahrhunderte hindurch immer eine vorwiegende Bauernstadt. Daneben verschaffte aber auch der Verkehr auf der Kemptener Straße den Bürgern reichlichen Nebenverdienst. Die Kaufleute und Fuhrwerke mußten an der Zollstätte in Vils ihre Abgaben entrichten. Besonders bedeutsam für Vils war die Verfrachtung von Salz aus der Pfanne von Hall nach Schwaben. Damals befand sich in der Stadt ein eigenes Salzfaktoramt. Ungefähr 6000 Fässer wurden hier jährlich abgeladen. Der Verkehr förderte auch die Entwicklung des Handwerks in bedeutendem Maße. Eine alte Hammerschmiede, die heute noch neben dem Sankt-Annen-Kirchlein steht, bildet ein sehenswertes Denkmal früherer Handwerkstechnik.

Von kriegerischen Ereignissen blieb Vils nicht verschont. Die Burg Vilsegg sah manchen ritterlichen Strauß und viel deutsches Bruderblut ist um ihre Mauern geflossen. Der allgäuische Bauernaufstand, der schmalkaldische Krieg, der 30jährige Krieg, sie bedeuteten für Vils Entsetzen und namenloses Elend. Und trotzdem stellte dieses brave und tapfere Geschlecht bei der Erhebung Tirols im Jahre 1800 eine eigene Schützenkompagnie auf. In den folgenden Kriegen des 19. Jahrhunderts waren auch immer Vilser Bürger in den Reihen der österreichischen Heere. Im Weltkriege zogen 154 Vilser, mehr als der vierte Teil der Einwohner, ins Feld und 40 davon blieben auf der Walstatt.

Ueber die moderne Entwicklung der Stadt wäre kurz folgendes zu sagen: Die Erbauung von Eisenbahnen zog den Fernverkehr an Frachtgütern von der Vilser Straße ab. Es wurde still in der kleinen Voralpenstadt, Gewerbe und Handwerk versiegten. Die Fernbahn, die das Außerferner Gebiet neu beleben würde, ist bis heute ein Projekt geblieben. Durch die Erbauung der Bahn nach Pfronten und später durch den Anschluß an die Mittenwaldbahn, wurde Vils an das allgemeine Eisenbahnnetz angeschlossen. Das war sehr wichtig für die Zementindustrie, die sich zu einem großzügigen Unternehmen entwickelte und dadurch ausfallende Verdienstmöglichkeiten ersetzte. Aber auch die Landwirte von Vils haben sich unter weitblickender Führung den modernen Verhältnissen angepaßt und eine Intensivierung der Bodenausnützung und Vergrößerung des Viehstandes erreicht. Die Sennereigenossenschaft, deren Betrieb vom Landeskulturrat zu einer Lehrsennerei erhoben wurde, verarbeitet jährlich 400.000 Liter Milch..."

aus: Innsbrucker Nachrichten, 12. September 1927



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