Sonntag - 23. Feb. 2020


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Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


Was war los im Außerfern im Jahr 1918



Der Betrieb der Baumwollspinnerei und Baumwollweberei wird an die Kleinmünchner Baumwollspinnereien verkauft.

Im März kommt es in Reutte zu sogenannten 'Mehlunruhen'. Frauen, welche nicht mehr wissen womit sie noch etwas kochen sollen, drohen das Versorgungslager zu stürmen

Ärgste Not herrscht ab April vor allem im Außerfern, Mütter ziehen inzwischen zu sogenannten 'Hamsterfahrten' aus um die hungernden Kinder mit erbettelten Lebensmitteln zu versorgen. Eine Mutter aus Breitenwang soll bei solch einer Sammelfahrt bis nach Memmingen gekommen sein. Mit voll gepacktem Rucksack wanderte sie die rund 120 Kilometer wieder zurück in ihren Heimatort

Im Mai reist der Bürgermeister von Füssen nach Berlin in das Auswärtige Amt, um dort bezüglich der Zusammenlegung der Bezirke Reutte und Füssen vorzusprechen

Viele der Alpen des Außerferns können nicht mehr bestoßen (beweidet) werden, da sämtliches Alppersonal im Kriegsdienst steht

Am 19. Juli zieht ein Hagelunwetter über den nördlichen Teil des Außerferns hinweg und zerstört große Mengen an Feldfrüchten und führt auch sonst zu erheblichen Sachschäden wie etwa an Fenstern, etc.

Generell ist der Sommer zu kühl und zu feucht, was einen Misswachs auf den Feldern und damit eine Anspannung der ohnehin schon katastrophalen Versorgungssituation nach sich zieht

Im Juli bricht die Versorgung mit Mehl schließlich vollends zusammen, die Getreide- und Mehllager bleiben leer

In Reutte wird eine Volksversammlung abgehalten, in welcher die Entscheidung zum Verbleib des Außerferns bei Tirol beschlossen wurde. Als Gegenoption stand die Angliederung an Bayern zur Diskussion.
Von den Gemeindevertretern wurde dieses Vorhaben aber einstimmig abgelehnt, da der Vizebürgermeister Bauer die Anwesenden von einem angeblichen Projekt der Stadt Füssen unterrichtete, bei dem die ganze Grenzgegend bis hinauf nach Reutte in einen Stausee verwandelt werden solle um sich dort die Wasserkraft zunutze zu machen

Ende August kommt es auf Grund von Hunger und Elend vermehrt zu Einbruch und Diebstahl. Von den Gemeinden werden sogenannte Flurwächter abgestellt

Von Ende Oktober bis Mitte November sucht eine Grippeepidemie ('Spanische Grippe') den Bezirk heim und löscht mindestens 15 Leben aus (tirolweit sind es etwa 1500 Tote)

Am 29. Oktober werden bei Mittenwald durch übereifriges Militär die Eisenbahnschienen zerstört. In Reutte bricht Panik aus, da damit die Hilfsgüter nicht geliefert werden können und die Versorgungslage erneut zusammenbricht

Vom 7. bis zum 10. November kommt es in Reutte zu einer Besatzung durch bayerisches Militär

Am 24. November wird im Reuttener Gasthof 'Hirschen' eine Volksversammlung abgehalten, welche die Angliederung des Bezirks Reutte an Füssen vorantreiben soll. Die Befürworter sind dabei weit in der Überzahl

Die ersten Kriegsheimkehrer kommen Anfang Dezember zurück in ihre Heimat, wo sich ihnen ein trauriges Bild darbietet. Die Höfe sind herunter gekommen, Teile des Viehs verkauft und die Speisekammern leer. Nach wenigen Tagen schließen sie sich zusammen und fordern die sofortige Ausbezahlung der von der Regierung zugesicherten Unterhaltszahlungen. Ansonsten müssten als Mittel der Notwehr erneut zur Waffe greifen.
Um die Not zu lindern, fordern sie überdies die Freigabe des Wildbestandes aus den umliegenden Wäldern. Bei übermäßiger Schlachtung der eigenen Viehbestände würde nämlich der Landbevölkerung die weitere Lebens- und Erwerbsgrundlage endgültig entzogen

Ende des Jahres schickt die Schweiz erste Lebensmittel-Hilfslieferungen





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