Montag - 23. Sep. 2019


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Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


Was war los im Außerfern im Jahr 1901



Im Januar wird in Lechaschau erstmals eine Hundesteuer ("Hundetaxe") eingehoben

Das Elektrizitätswerk Reutte wird gegründet und es wird sogleich mit dem Bau des Kraftwerkes am Plansee begonnen. Die einstmals mächtigen Stuibenfälle werden dadurch aber zu einem großen Teil ihrer eindrucksvollen Kraft beraubt

In Tannheim wird am 4. April um 11 Uhr nachts ein Brand im Haus des Landwirts Alfons Kleiner bemerkt. Zwei Stunden später liegt das Haus in Schutt und Asche, die in der Nähe befindlichen Gebäude konnten aber von den Feuerwehren des Tales gerettet werden

Am 18. Juli wird die Sägemühle in Biberwier durch einen Brand zerstört

Die Coburger Hütte, unweit des Sebensees in den Mieminger Bergen, wird erbaut. Die Einweihungsfeierlichkeiten werden am 6. August begangen

Durch andauernden Regen kommt es Anfang August unter anderem in Stanzach zu Überschwemmungen und der Dorfplatz steht dabei 1 Meter unter Wasser. In Nesselwängle richtet der Hansjörgenbach Sachschäden an. In Wängle werden zahlreiche Felder durch abgegangene Muren verwüstet, in Rieden eine Brücke und in Weißenbach gar zwei Häuser fort gerissen. Des Weiteren wird von zahlreichen weiteren beschädigten Brücken und Straßen berichtet

Als erste Außerferner Gemeinde erhält Jungholz ihren Anschluss an das elektrische Stromnetz

Der Alpengasthof Ammerwald wird durch einen Brand zerstört

Im Tannheimer Tal werden die ersten Stimmen laut, welche eine Neutrassierung der Straße über den Gaichtpass verlangen. Die alte Straße weist Steigungen von bis zu 30% auf und ist somit für die gestiegenen Anforderungen nicht mehr zeitgemäß. Bis zum tatsächlichen Baubeginn der Strecke werden aber noch acht Jahre vergehen

Am 8. Oktober kommt es zu einem Brandereignis durch einen defekten Kamin, in Lechaschau fallen diesem zwei Bauernhöfe zum Opfer


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1901

Andauernde starke Regengüsse in den letzten Tagen der vergangenen Woche haben in weiten Gebieten der Nordalpen Hochwasserkatastrophen mit Verkehrsstörungen zur Folge gehabt. Aus Reutte, 3. ds., wird uns berichtet: Schon seit einiger Zeit regnete es in hiesiger Gegend fast täglich. Gestern nachmittags und heute Nacht fiel der Regen in Strömen, so dass der Bach und alle Seitenbäche desselben dermaßen anschwollen, dass die ältesten Leute eines solchen Hochwassers sich nicht erinnern können. Um 10 Uhr nachts traten die Lein in der Gemeinde Wängle, der Leinbach und der aus dem Gundenthal bei Hornberg in der Gemeinde Höfen kommende Herrenbach aus ihren Betten. Aus dem Gundenthal kam eine Muhre, welche viele Cubikmeter große Steine mit sich brachte und ca. 50.000 m2 Ackerfeld, sowie auch die Reichsstraße in einer Länge von ca. 200 m überschüttete. Mehrere Menschenleben und zwei Häuser standen in Gefahr.

Der Lech hat zwischen Höfen und der Fraction Platten das ganze Archgebäude, welches in den letzten Jahren mit großem Kostenaufwande hergestellt worden ist, zerstört. Besonders heftig wüthete auch der aus dem Birkenthal kommende Weißenbach. In Unter-Gaicht bei Weißenbach schwemmte er zwei Häuser mit Gipsmühlen fort. Auch das dortige Gasthaus stand in Gefahr. Einiges Vieh dürfte in den Wellen den Tod gefunden haben, denn morgens bemerkte man auf der Lechbrücke in Lech-Aschau in den tosenden Fluten ein todtes Schwein. Im Orte Weißenbach riß es die Brücke fort, so dass der Verkehr in das Lechthal unterbrochen ist. Besonders arg hausten auch die Wildbäche in der Gemeinde Nesselwängle im Tannheimerthale. Das ganze Dorf ist buchstäblich eingemuhrt. Das Wasser drang in viele Häuser, so dass die Möbel in den Zimmern herumgeschwommen sind. Zwischen Nesselwängle und Weißenbach ist die Reichsstraße an vielen Stellen zerstört, so dass wochenlang der Verkehr unterbrochen sein wird.

Der Ort Breitenwang bei Reutte liegt theilweise unter Wasser. Auch die Bäche im Ammerwalde haben großen Schaden angerichtet. Der Verkehr nach Linderhof—Oberau und nach Garmisch—Partenkirchen ist unterbrochen.

Aus Plansee, 3. ds., wird berichtet: Infolge heftiger Regengüsse ist die Straße nach Linderhof in der vergangenen Nacht durch Muhrbrüche an vielen Stellen sehr beschädigt worden, sodass der Verkehr mit Fuhrwerken derzeit unmöglich ist. Am nordöstlichen Ende des Plansees versperrte eine große Muhre den Archbach, den Ausfluss des Plansees, sodass die herrlichen Stuibenfälle bis heute vormittags 10 Uhr ohne Wasser waren, resp. nicht existiert haben. — Der Regen hat aufgehört, das Barometer steht gut.

Innsbrucker Nachrichten vom 5. August 1901



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