Donnerstag - 18. Juli 2019


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Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


Was war los im Außerfern im Jahr 1406



Über den Fernpass kommend marschieren die Appenzeller gegen Ehrenberg. Aufgrund einer Bedrohung im eigenen Land werden sie jedoch durch einen Boten zurückgerufen, woraufhin sie über das Tannheimer Tal und Immenstadt in Richtung Heimat abziehen


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1406

Aufsatz von Anfang des 20. Jahrhunderts eines im Oberland tätigen Priesters über die Auswirkungen der Appenzeller Freiheitskriege im Bereich von Vorarlberg und Tirol
"Über den Einfall der Appenzeller in Tirol (1406) sind sehr wenige urkundliche Nachrichten begreiflich. Wer Schläge bekommt, redet nicht gerne darüber. Die großen Erfolge weckten im Führer der Appenzeller, Itel Reding, den kühnen Plan, Vorarlberg und Tirol zu einer Bauernrepublik zu machen und an die Schweiz anzuschließen. Wäre der Plan geglückt, ganz Europa hätte eine andere Gestalt bekommen! Die Schweizer rückten in drei Abteilungen ins Land ein: über Zeinisjoch ins Paznaun, über den Arlberg ins Stanzertal und über den Tannberg ins Lechtal. Ihr Feldgeschrei war: „Friede den Hütten, Krieg den Zwingburgen“. Bei Imst stellte sich der Landeshauptmann mit den Bürgern von Innsbruck und einer übermütigen Söldnerschar entgegen, die auf ihr Banner geschrieben hatte: „Hunderttausend Teufel miessen unser walten, wenn wir die Bauernkerl nit schlagen.“ Schon beim ersten Ansturm der Schweizer stoben die Söldner wie Spreu auseinander. Es kamen aber schlimme Nachrichten und so mußten die Appenzeller eiligst in ihre Heimat zurück.

Es ist hier eine alte Überlieferung, die Burg Laudeck sei von den Appenzellern im Jahre 1406 berannt und verbrannt worden. Der Abt von St. Gallen habe sich vor den aufständischen Appenzellern hieher geflüchtet, sei ihnen aber in Frauenkleidern entronnen. Tatsächlich gehörte Laudeck um diese Zeit den Bischöfen von Brixen, ging aber bald wieder in den Besitz der Landesfürsten über.

Für diese alte Überlieferung fehlte bisher ein urkundlicher Beweis. Nun ist es dem emsigen Sammler für eine Chronik von Ladis, dem Pfarrer Larcher, gelungen, den fehlenden Beweis zu finden. Im Pfarrarchiv von Ladis ist eine Urkunde vom 25. Jänner 1462. Darin werden die seelsorglichen Verhältnisse von Ladis und Fiß zur Mutterpfarre Serfaus geregelt. Diese Neuregelung wird damit begründet, daß nach der „Brunst“ Irrungen entstanden seien. Die alten Briefe zu Laudes (Ladis) seien „im Appenzeller offen Krieg verbrunnen und verloren“ gegangen. Darum wollte man wieder feststellen, wie es „vor der Brunst ist gehalten worden“.
(„Offen Krieg“ ist wohl der ehrlich angesagte Krieg im Gegensatz zu einem tückischen Überfall)

Ob nun die Flucht des von den Appenzellern vertriebenen Abtes von St. Gallen nach Laudeck der Grund war, weshalb sie von Landeck aus nach der Erstürmung der Landecker Innbrücke (4. Juni 1406) auch einen Vorstoß ins obere Gericht unternahmen, kann nicht nachgewiesen werden; dieser Vorstoß konnte auch aus strategischen Gründen als Flankendeckung beim weiteren Vordringen ins Inntal abwärts unternommen worden sein…

[…]

Zur Beleuchtung des Appenzeller Krieges mag noch eine andere Überlieferung dienen, die sich freilich auf keine urkundliche Bestätigung stützen kann. Alperschon ist ein Seitental des Lechtales, das sich zuerst südöstlich und dann südwestlich wendet und von Bach-Lend aus zum Stanzer Tal führt. Beim Übergang von der südöstlichen zur westlichen Richtung ragen hohe Felswände auf, über denen sich schöne Weideflächen ausdehnen. Sie heißen „Appenzell“. Der Bruder des Schreibers hat in Alperschon viele Jahre gehütet und hat ihm ein Heft von Sagen zusammengeschrieben. Darunter findet sich auch folgende: „Es war im 15. Jahrhundert, als die Schweizer Appenzeller von Zams aus durch das Zammerloch ins Lechtal eindrangen. An diesem Ort kam es zu einem Kampf mit den Lechtalern, weshalb man nach alter Sage die Gegend heute noch Appenzell nennt.“

Es ist nun gar nicht so unwahrscheinlich, daß die Kolonne, die über den Arlberg ins Inntal vordrang eine Verbindung herzustellen suchte mit jenem Gewalthaufen, der über den Tannberg ins Lechtal eingedrungen war. Sie benützten dazu den Weg durch das Zammerloch, auf dem die Zammer noch heute ihr Vieh in ihre Almen auf Lechtaler Seite hinüber treiben.

Da die Appenzeller im Lechtal keine freundliche Aufnahme fanden, flohen wohl manche Lechtaler in das genannte Tal, wo damals noch Höfe standen (Madau). So ist es wohl möglich, daß die sicher nur kleinere Abteilung der Schweizer mit solchen flüchtigen Lechtalern in einen Kampf geriet. Ob derselbe gerade an dem Orte war, wo man es noch heute Appenzell heißt, ist eine nebensächliche Frage.




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