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Kult und Ritus in der Vorzeit






Die kulturelle Entwicklung des Menschen ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Aber auch der Otto-Normalbürger stellt sich dann und wann die Frage, wie wohl die Weltanschauungen und Prägungen in den jeweiligen Epochen zustande kamen. Leider lassen sich aus den archäologischen Funden lediglich faktisch belegbare Werte und Zahlen ableiten, die Geisteswelt unserer Ahnen kann damit aber nicht ergründet werden. Auch der Versuch sich in diese Thematik "hinein zu fühlen" ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, da allein schon die Eindrücke und Erfahrungen unserer modernen Welt, unsere technisierte Umgebung und die damit einhergehende Distanz zum Umgang mit der Natur zu einem falschen Ergebnis führen müssen.

Bereits die Annäherung an das Thema wird dem Interessierten durch eine erschlagend große Anzahl von pseudowissenschaftlichen Abhandlungen und esoterisch durchwirkten 'Informationen' erschwert. Hunderte von Webseiten überfluten den Besucher mit vermeintlich keltischen Schmuckgegenständen oder detailliert beschriebenen Aufsätzen über Kult- und Opferriten aus damaliger Zeit. In manchen Fällen werden gar Symbolik und vermeintlich zeitgenössische Gebräuche verschiedenster Zeitalter zu einem 'neuen Kult' zusammengepuzzelt – nicht selten mit einer klar ersichtlichen, kommerziellen Absicht.

Auch das Feld der Literatur ist mit derartigen 'Stolperfallen' gespickt und eine ernsthafte Lektüre fast ausschließlich nur nach eingehendem Quellenstudium etablierter Werke oder im Zuge eines Besuches im Museum zu haben. Selbst im Bereich der populär-wissenschaftlichen Schriften fischt man oft im Trüben, häufig ohne von nennenswert Neuem zu erfahren.

Im Folgenden möchte ich den Versuch unternehmen, das Essenzielle aus der Sach- und Fachliteratur heraus zu filtern.

Opferaltäre


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Brandopferplatz an der Piller Höhe
Die sogenannten Brandopferarltäre oder auch Steinkegelaltäre datieren bis in die Frühbronzezeit zurück und liegen häufig, aber nicht ausschließlich, entlang alter Urwege und im Nahbereich der in der Nähe gelegenen Ansiedlungen. In vielen Fällen hat es eine Weiternutzung der Anlagen über die Hallstatt- und Latenezeit bis hinein in die römische Kaiserzeit – am Piller Sattel sogar bis in das Frühmittelalter hinein - gegeben, also einem über eineinhalb bis zwei Jahrtausende umfassenden Zeitraum.

In der Bronzezeit beschränkte sich der Vorgang des Brandopfers zumeist noch auf die Verbrennung fleischarmer Körperteile von Opfertieren, Getreide und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Sachopfer wie Votivfiguren oder Schmuck fanden erst am Übergang in die Eisenzeit vermehrt Eingang in den Opferritus. Die über die Jahrhunderte hindurch fortwährende Nutzung konnten diese Kegel aus Asche, Knochen- sowie Keramikschutt und zahlreichen buntmetallischen Artefakten bemerkenswerte Ausmaße annehmen. Der planierte Festplatz befand sich stets etwas unterhalb des Opferaltars und wurde nicht selten von weiteren, jedoch kleineren Feuerstellen flankiert.

Mehr als 500 zumeist aus Eisen gefertigte Fundgegenstände bilden beispielsweise bei dem Opferplatz am Grund des Forggensees ein breites Fundspektrum von Schmuck und Trachtenbestandteilen, Haushaltsgeräten und Werkzeugen bis hin zu vereinzelt aufgefundenen Waffen. Bemerkenswert ist auch hier die Weiternutzung dieser Opferstätte - bedingt durch die Nähe zu der römischen Kaiserstraße Via Claudia Augusta - bis in die mittlere römische Kaiserzeit um 250 n. Chr. hinein. Neben den genannten Objekten fanden sich in dem Bereich auch zwei Opferaltäre, welche zur Verbrennung von Opfertieren genutzt wurden. So häufte sich in diesem Fall um die Altäre mit der Zeit Knochenschutt von mindestens 400 Tieropfern an, welche bei rituellen Mahlzeiten von der Kultgemeinde unter freiem Himmel verspeist wurden. Im Opferfeuer selbst landeten auch hier stets nur die fleischarmen Bestandteile wie Schädel und Füße von jungen Rindern, Schafen und Ziegen.





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