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Vils

Die einzige Stadt des Außerferns


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Bezirk Reutte

Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1263?
Fläche: 30,75km²
Höhe: 826m
Ortsteile: Schönbichl, Stegen

Vilser Stadtgasse beim Oberen Tor

Altweg


Bereits zur Zeit der Römer verlief ein Altweg durch das Gebiet von Vils. Ein Seitenast der Via Claudia Augusta verlief von Reutte / Pflach aus in nordwestlicher Richtung über Nesselwang hinaus zu der damaligen Römerstadt Cambodunum - dem heutigen Kempten.

Ortswechsel


Eine Sonderstellung nimmt Vils in mehrerlei Hinsicht ein - zumal auch die einzige Stadt des Außerferns.
Der ursprüngliche Kern lag vielleicht am Fuße der heutigen Ruine Vilsegg. Durch die häufigen Überschwemmungen musste dieser aber an einen anderen, geschützteren Ort auf der gegenüberliegenden Talseite verlegt werden. Im 14. Jahrhundert erhielten die Hohenegger Vils vom Reichsstift Kempten als Lehen.

Vilsegg und die St. Anna Kirche


Burgruine Vilsegg und die darunter liegende St. Anna-Kapelle
Die ursprünglich aus dem Westallgäu stammenden Herren von Hohenegg saßen ab 1313 auf der um 1220 erbauten Burg Vilsegg. Bald nach ihrer Ankunft auf Vilsegg dürften sie auch mit dem Bau der darunter liegenden St. Anna Kirche begonnen haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit geht der Glockenturm auf diese Zeit zurück, was seine romanischen Stilelemente erklärt. 1506 dürfte es zu größeren baulichen Tätigkeiten an dem Langhaus gekommen sein.

1514 erhalten die 'Edlen Rudolf, Andreas, Hans und Matthias von Hohenegg' das seltene Recht auf Hals- und Blutgericht bei geschlossener Tür. Das heißt, sie durften damit im geheimen Recht sprechen und Gericht halten. Seit dieser Freiheit von 1514 soll, "wenn die Volkssage nicht irrt, das Blutgericht nicht mehr in der Stadt Vils, sondern in einem Thurmgewölbe der Burg Vilseck seine unheimliche Malstätte [= Gerichtsstätte] gefunden haben" [1].

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts trat Joseph Benedikt von Rost als Pfleger von Vils an und veranlasste bald eine Barockisierung der kleinen Kirche am Fuße der Burg.

1787 ergeht ein Bittschreiben der Vilser Bevölkerung an das Kreisamt Oberinntal, welches die Aufhebung der vorangegangenen Kirchensperrung durch Kaiser Joseph II. wenigstens für die Annakirche erwirken sollte. Tatsächlich wurde eine Untersuchung des Falles angeordnet und eine Nutzungserlaubnis der Annakirche für den 'Notfall' gestattet. Die Vilser wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und erwirkten eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit, welcher noch eine längere Korrespondenz folgte. Letztlich konnte sich die Vilser Bürgerschaft durchsetzen und behielt die Annakirche sowie auch das dazugehörige Kapitalvermögen zurück um die Instandhaltungskosten bestreiten zu können.

Im 19. Jahrhundert war die bayerische Königsfamilie aus dem Hause Wittelsbach häufig in dem kleinen Kirchenbau zu Besuch.

Stadterhebung



das sogenannte Asylkreuz am Vilser Stadtplatz
1327 wird Vils durch König Ludwig dem Bayern zur Stadt erhoben. Eine Besonderheit stellte dabei das "Freyungs- und Asylrecht" dar.

Vor dem westlichen Stadttor von Vils wird noch vor 1475 eine Kapelle 'zum Heiligen Geist' erbaut. Später wird die Kapelle zu einem Spital umfunktioniert, welches der ärmeren Bürgerschaft und durchreisenden Pilgern als Unterkunft dienen soll. Der Standort 'vor dem Stadttor' ist mit bedacht gewählt, um im Seuchenfall die Kranken außerhalb der Stadt unterbringen zu können.

"...das wiesenreiche Pfrontner Thal und hart an der Grenze zeigt sich ein Dorf - doch nein, es ist eine Stadt, wenn auch die kleinste in Tirol und vielleicht in der ganzen Monarchie - Vils (mit kaum 600 Einwohnern). Die Dankbarkeit des Kaisers Ludwig des Bayers gegen einen Herrn v. Hohenegg gab im J. 1327 einem unscheinbaren Flecken gleiche Statuten und Rechte wie der Reichsstadt Kaufbeuren, aber die neue Stadt gedieh nicht, weil die Bedingung einer günstigen Lage fehlte und der einzige hohe Gönner zu früh starb..."
Der tirolische Lechgau von Christian Schneller (1864)

Brandkatastrophe


Im Jahr 1673 zerstört ein großes Brandereignis mehrere Häuser in der Stadt.

Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt


Ein Kirchenbau erscheint zu Beginn des 14. Jahrhunderts als wahrscheinlich. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dürfte es zu einem Brand gekommen sein, welcher jedoch nicht den kompletten Kirchenbau schädigte, sondern nur Teile davon. Danach ist für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Reparaturarbeiten zu rechnen.

Die Stadtpfarrkirche von Vils erhält ihr heutiges Aussehen in den Jahren 1709 bis 1714 durch einen Neubau, wobei einer der zwingenden Gründe für diesen Entschluss der auf instabilem Untergrund errichtete Kirchturm darstellte. Der Turm wurde im Zuge der Neuerrichtung zwar von der Nord- auf die Südseite verlegt, jedoch war auch die Wahl des neuen Standplatzes nicht optimal. Auch der neugebaute Turm neigte sich nach einem Erdbeben im Jahr 1755 zur Seite. Wer sich den Turm heute genauer besieht, wird eine deutliche Neigung gegen Osten erkennen.

Vilser Persönlichkeiten


  • Sprenger Balthasar - Tiroler Afrika- und Indienreisender


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    Bilder


    Stadtpfarrkirche Vilsvils kirche roßberg heuen heuben ernte

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    Die Geisterschlacht
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    Einzelnachweise


    1. Geschichte des Allgäus; Baumann - Bd. 2, S. 296 (1883)





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