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Die historische Via Claudia touristisch wiederentdeckt

Via Claudia Augusta-Radweg



via claudia augusta radweg radroute
Image by Peter H from Pixabay


Kulturelle und touristische Idee


Mitte der 1990er Jahre wurde die Via Claudia in einer grenzüberschreitenden touristischen und kulturellen Zusammenarbeit wiederentdeckt und revitalisiert. Vor allem für kulturell interessierte Touristen ist die Strecke gedacht: radeln auf alten Spuren und flankiert von geschichtlichen Zeugnissen der römischen Antike, das war die gemeinsame und länderübergreifende Grundidee.
Die Via Claudia Augusta gilt als die für Radfahrer leichteste Alpenquerung in Europa. Damit ist sie auch eine häufig genutzte.

Südlich von Landsberg erreicht die Route das Voralpenland und ab Füssen beginnt mit dem Eintritt in das Außerfern schließlich das Hochgebirge mit teilweise anspruchsvollerer Wegführung durch Felslandschaften. Erste Pässe (Kniepass, Ehrenberger Klause und Fernpass) führen zunehmend in die Höhe.
Quelle: Via Claudia Augusta Radweg auf Wikipedia

Wegführung und Stationen


Vom Limesstützpunkt Donauwörth an der Donau führt der Via Claudia Augusta-Radweg gegen Süden nach Augsburg, Landsberg am Lech und über Peiting (Villa Rustica) bis an den nahen Alpenrand.

Roßhaupten

Von Lechbruck gelangt man durch das Geisenmoos entlang am Gruberbach auf dem Radweg, welcher zum Teil den alten Damm der historischen Trasse nutzt, nach Egelmoosen und durch das Filz zum Hartenberg und damit an die nördliche Spitze des künstlich gestauten Forggensee. Hier lohnt sich ein Abstecher in das westlich gelegene Roßhaupten mit seinem Via Claudia Infozentrum direkt im Ortszentrum im sogenannten Pfannerhaus.

Vom Dorfkern gegen Südosten weiter, vorbei an einem archaisch anmutenden Wegkreuz, welches aus Steinplatten zusammengefügt am Straßenrand aufragt. Das auf einem Sandstein aufgerichtete sogenannte 'Römerkreuz' reicht in seinem Alter jedoch nicht bis in diese Zeit zurück, es entstand wohl erst am Anfang des 17. Jahrhunderts. Kurz darauf trifft man dann an der Tiefentalbrücke auf den sagenhaften Drachen, welcher der Legende zufolge im achten Jahrhundert im Tiefental hauste und nur allzu gern Pferde verspeiste, wobei er stets den Kopf des gefressenen Tiers übrig zu lassen pflegte, was letztlich dem Ort den Namen gegeben haben soll.

Forggensee

lechdurchbruch dietringen forggensee
am Lechdurchbruch bei Dietringen
Nachdem man die Brücke überquert hat, lohnt es sich links ab zum Ufer des Forggensee hinab zu fahren, denn dort wartet der Rast- und Badeplatz 'Mansio - mit den Römern rasten'. Neben dem wohltuenden Aspekt gesellt sich hier auch ein historischer hinzu, denn östlich der genannten Raststelle befand sich zur Zeit der Römer offenbar für einige Zeit ein Warenumschlag- als auch Verkaufsplatz für Textilien.

Der Radweg führt uns weiter nach Dietringen, Rieden und Osterreinen, an dessen südlichem Ende sich das bei den Radlern beliebte Cafe Maria befindet. Weiter über Ehrwang gelangt man an das Festspielhaus Füssen, wo derzeit das Musical Ludwig2 aufgeführt wird. Danach leitet die Trasse der antiken Via Claudia - mit der modernen Fahrbahn überbaut - schnurgerade in Richtung Füssener Altstadt und dem darüber aufragenden Hohen Schloss.

Füssen

füssen altstadt reichenstraße forggensee
Füssen mit dem (noch) geleerten Forggensee
An Stelle des Hohen Schlosses befand sich ab dem 2. Jahrhundert nach Christus ein römisches Kastell. Im Nahbereich des Kastells finden sich auch mehrere römische Ansiedlungen, wie etwa die Villa Rustica bei Schwangau, die Römersiedlung am Eingang des Faulenbachtals oder jene am heutigen Ländeweg auf einer Lichtung unweit des Lechs gelegenen ehemaligen Siedlungsfläche.

Als besonderes weiteres Ziel bieten sich daneben die Schwangauer Burgen an, die sogenannten Königsschlösser mit Hohenschwangau und dem weltberühmten Schloss Neuschwanstein des Märchenkönigs Ludwig II.

Für die weitere Radtour ab Füssen wählt man am besten den Weg die Lechhalde hinab und auf der Brücke über den Lech. Rechter Hand leitet der Radweg hinauf zu dem Parkplatz bei dem Lechfall (Lusalten), von welchem man einen eindrucksvollen Blick in die Lechschlucht hinab hat oder den nur wenige Meter über dem Parkplatz gelegenen sogenannten 'Mange-Tritt' besuchen kann. Die auch als 'Magnus-Tritt' bezeichnete Felsplatte mit natürlichen durch Auswaschungen entstandenen Vertiefungen, welche Fußabdrücken ähneln, wurden der Legende zu Folge für jene des heiligen Magnus gehalten, welcher sich hier von Dämonen verfolgt mit einem gewagten Sprung über die Lechschlucht rettete.

In das Außerfern

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heute führt die Radstrecke über die Ulrichsbrücke

pflach
in Pflach sind die Spuren der einstigen Römerstraße überbaut
Bei Ziegelwies passiert man die Grenze von Deutschland und Österreich und gelangt damit auch in den näheren Einflussbereich des Lech, der hier als einer der letzten Wildflüsse in Mitteleuropa sein Refugium besitzt. Das Tal zwischen dem Lechfall und der Brücke bei Stegen (Vils) wird beinahe komplett von den Schotterbänken und Flussarmen ausgefüllt. Lediglich ein schmaler Streifen bietet der Straße und dem Radweg Platz. Durch die Lechauen radelt man in Richtung Pinswang und trifft bei Unterpinswang auf die schöne Kirche St. Ulrich, einer ehemaligen Wallfahrtskirche. Hinter dem Dorf schlängelt sich die Straße beim sogenannten 'Schluck' durch eine Engstelle hindurch, um dann durch die Oberpinswanger Felder und zu dem ersten kräftigen Anstieg, dem Kniepass, zu gelangen.

Der historische Verlauf am Kniepass ist nur mehr schwer auszumachen, da mittelalterliche und frühneuzeitliche Überbauungen durch Sperrwerke und andere militärische Bauten sämtliche Spuren verwischt oder ausgelöscht haben. Lediglich am südöstlichen Abhang dürfte sich eine alte Trasse unweit der modernen Fahrbahn im Gelände erhalten haben, welche aber inzwischen komplett verwachsen und damit nur schwer auszumachen ist.

Direkt am Übergang von der steileren Straßenpassage abwärts ins flache Gelände erfolgt linker Hand der Abzweig der Radroute, welche auf den nächsten Kilometern parallel zur Fernpassstraße B179 verläuft. Interessanter gestaltet sich jedoch die Fahrt durch den Ort Pflach hindurch, auch wenn dieser entlang der Landesstraße stark vom Verkehr belastet ist. Bei dem Ortsteil Hüttenbichl findet sich die idyllisch gelegene Ulrichskapelle, welche an die Zeiten des Bergbaus und des Messingwerks der Patrizierfamilie der Hochstetter im 16. und 17. Jahrhundert erinnert.

In der Lechau im Südwesten von Pflach ragt der Vogelbeobachtungsturm 18 Meter in die Höhe. Von ihm hat man einen freien Ausblick über die artenreiche Au und die Lebensräume vieler Wasservögel. Vom Turm aus radelt man weiter über die sogenannte 'Alte Straße' und dem Königsweg nach Reutte oder Breitenwang.

Breitenwang

An Stelle der Kirche hl. Peter und Paul dürfte sich zur Zeit der Römer eine Straßenstation befunden haben. Später wird am selben Ort in fränkischer Zeit ein karolingischer Königshof vermutet. Heute bildet die Dekanatspfarrkirche Breitenwang den kirchlichen Mittelpunkt des Reuttener Gebiets.

Die Stellung als bedeutendere Ansiedlung verlor Breitenwang gegenüber Reutte zur Zeit der Salzstraße, da nach einer Begradigung der Strecke und dem Bau der Brücke über den Lech hinüber nach der Aschau, wie Lechaschau früher genannt wurde, sämtlicher Waren- als auch Personenverkehr über die Ansiedlung am Wolfsberg rollte. Reutte selbst erlebte dadurch einen enormen Aufschwung und galt während der Zeit der Salztransporte als wohlhabend.

Ehrenberg

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Burgruine Ehrenberg
Auf dem Weg durch den Markt Reutte radelt man in südlicher Richtung durch die Ehrenbergstraße gegen Ehenbichl, direkt hinter dem Gasthof Waldrast zweigt man jedoch links ab und folgt der ansteigenden, geschotterten Straße. Mäßig steil überwindet sie knapp 100 Höhenmeter und erreicht dann die Ehrenberger Klause, jenes Sperrwerk im Tal, über dem die Ruinen der einst stolzen Burg Ehrenberg in die Höhe ragen. Dieser damals für die Tiroler Landesfürsten so wichtige Burgen- und Festungskomplex war eines der bedeutendsten Burgenensembles ganz Mitteleuropas, sicherte er doch den am leichtesten zu bewältigenden Alpenübergang und bescherte denselben hohe Einnahmen in Form von Zöllen.

Heute bringt ein Museum der Burgenwelt Ehrenberg dem Besucher die Zeit der Ritter und der Kämpfe, etwa jenen des Dreißigjährigen Kriegs, näher. Über den Köpfen überspannt ein modernes Bauwerk die Talenge zwischen den einstigen Festungsbauten in etwa 114 Metern Höhe. Die highline179 gilt mit 406 Metern Spannweite als die längste Fußgänger-Hängebrücke im sogenannten Tibet-Stil. Im April 2019 wurde außerdem der Highliner eröffnet, ein Schrägaufzug der die über 100 Meter Höhenunterschied zwischen dem Besucherzentrum und der Haltestelle am Hornwerk überwindet.

Zwischentoren

Hat man erst einmal die Tore der Klause passiert, befindet man sich in der Region Zwischentoren. Als die nämlichen Tore welche diese Landschaft abgrenzen gelten eben einerseits dies an der Ehrenberger Klause am Pass Katzenberg und andererseits jenes an der Klause Fernstein am Anstieg aus der anderen Richtung zur Anhöhe des Fernpass. Bis dorthin gibt es aber noch einiges andere zu entdecken und wir fahren zunächst steil und später in mäßiger Steigung hinauf zur Anhöhe südlich der Gürteköpfe. Es folgt eine kurze Abfahrt hinunter zu dem Dorf Heiterwang, dessen Wiesenflächen und Felder im Norden vom Heiterwanger See begrenzt werden.






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