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Schulpflicht der Schwabenkinder in den Aufenthaltsgemeinden

Baden, Württemberg und Bayern







Erste Stimmen zu der Schulpflicht in Österreich wurden Mitte des 19. Jahrhunderts laut - welche auch die sogenannten Schwabenkinder angesprochen hatten -, allerdings nicht in Form einer Befürwortung eines neuen Schulgesetz-Entwurfes, sondern als Gegner: "...den Bewohnern Tirols leben rund 80% von der Hand zum Munde. Zählt ein Familienvater, der gesund, stark und arbeitstüchtig ist, nur wenige Mitesser am Tische, so bringt er für sie den vollen Löffel noch auf; mehren sich aber die Esser, so muß von Kindsbeinen an alles daran, um etwas mitzuverdienen, sei es als 'Geishirt' oder als 'Hennenmädl'. Oder wer kennt nicht die vielen kleinen Knechte, Lehrjungen und Mägde von 12 Jahren und darunter und die Schaaren abgebleichter Fabrik- und in die Fremde ziehender Hütekinder? Was soll aus diesen Armen werden, wenn ihre Schulzeit bis zum vollendeten 14. Lebensjahr ausgedehnt würde? Wer nährt, wer kleidet sie? Hunger und Kälte thun wehe; gegen diese Mächte bleibt selbst ein eisernes Schulgesetz ohnmächtig. Also wozu für 80% ein solches Gesetz!..."
Neue Tiroler Stimmen, 30. Januar 1869

"...es hat sich hier jüngst das Gerücht verbreitet, daß von heuer an die sogenannten Schwaben- oder Hütkinder, die aus Oberinnthal, Außerfern und Vinstgau den Sommer über nach Süddeutschland ziehen, um dort Anstellung und Verdienst zu erhalten, wenn sie unter 14 Jahre alt sind, im Auslande jeden Vormittag die Schule besuchen müssen. Zur genaueren Aufklärung theilen wir hierüber Folgendes mit: Auf die Anfrage des Vereins für Hütkinder vom 16. Februar und 1. März [1893] kam von der hohen k. k. österreichischen Gesandtschaft in Baden die Antwort, dass nach dem neuesten Gesetze daselbst die österreichischen Kinder unter 14 Jahren die Werktagsschule besuchen müssen, auch dann, wenn sie die üblichen Dispensate vom Schulbesuche und von der österreichisch-inländischen Behörde mitbringen. „Die k. und k. Gesandtschaft behält sich vor, über die bezüglich des gleichen Gegenstandes von der hiesigen Regierung zu gewärtigende Äußerung nach deren Inhalt Mittheilung zu machen.

Stuttgart, 28. Februar - Für den k. k. Gesandten Sereira. Die hochwürdigen Herren Patrone in Baden bezweifeln, ob eine Dispens wohl Berücksichtigung finden wird. Etwa 300 österreichische Kinder waren bisher in Baden angestellt. Von Württemberg, wo etwa 300 österreichische Kinder bisher Anstellung fanden, lauten die eingegangenen Nachrichten sich widersprechend. So z. B. wird von obbenannter Regierung geschrieben: Die schulpflichtigen Verdingkinder müssen die Schule in ihren Aufenthaltsgemeinden besuchen, können aber bei Zutreffen der gesetzlichen Bedingungen vom Ortrschulinspector (Pfarrer) zum Theile dispensiert werden.

In Baiern bestimmt das Gesetz: Die Schulpflicht erstreckt sich nicht bloß auf die inländischen, sondern auch auf die ausländischen Kinder, ohne Unterschied der Nationalität, welche sich in Baiern kürzer oder länger aufhalten. Dispensiert wird nur, wenn die Kinder einen entsprechenden Privatunterricht besuchen. Wir machen die Eltern solcher Kinder und die Vereinsmandatare auf diese Bestimmungen aufmerksam, damit sie sich darnach halten können. Es ist hart, dass die Kinder den früheren Lohn nicht mehr erhalten; aber noch härter wäre es, wenn ganze Scharen auswandernder Kinder in Ravensburg unverrichteter Dinge wieder umkehren müssten. Da bereits auf den 16. März die Abreise der vom Verein zu versorgenden Kinder angesetzt ist, muss Heuer besonders vorsichtig vorgegangen werden. Es wird sich empfehlen, dass sich die Herren Mandatare möglichst bald mit dem Führer des Vereinszuges, Herrn Haueis, Gemeindevorsteher und Gastwirt in Zams, ins Einvernehmen setzen hinsichtlich jener Kinder, die nicht über 12 Jahre alt sind und heuer das erstemal ins Ausland gehen. Vielleicht kommen noch genauere Nachrichten über die Tragweite der Verfügungen über Schulbesuch; je nachdem selbe lauten, kann ja später noch ein zweiter Zug veranlasst werden."





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