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Die Gedenktafel am Fernpass



Aus: Innsbrucker Nachrichten vom 14. Juli 1922; S. 3 (Beitrag von Karl Deutsch)


fernpassstrasse fernpassstraße nothelfer-kapelle
"...zur Erinnerung an die Vollendung des Straßenbaues über den Fernpaß (v. J. 1543) entschlossen sich die Förderer des großen Werkes, Ritter Philipp Schad, Sigmund Handl, Hans Baumgartner und ihnen nahestehende Freunde von Imst eine Gedenktafel aus Bronze auf der Paßhöhe anbringen zu lassen. Durch Jahrhunderte war diese Tafel am Wegmacherhäuschen neben der kleinen Kapelle angebracht. Diesen Umstand benützte vor einigen Jahren das k. k. Straßenärar, um sich das Recht anzueignen, über diese Tafel wie über ein Eigentum frei verfügen zu dürfen. Es entfernte die Tafel, brachte sie nach Imst und von dort ins Museum nach Innsbruck. Offenbar geschah es nur, weil Herr Hofrat von Ritt irgend einem Freund damit einen Wunsch erfüllen wollte. Solche Gefälligkeiten, die sich auf kein Recht stützen konnten - das Straßenärar oder das Land haben zur Anschaffung der Tafel nie einen Beitrag geleistet - gab es ja in unserer Monarchie unzählige und Einwände wurden hohnlachend abgewiesen, mochten sie auch noch so begründet sein, der diktatorischen Bestimmung eines Hofrates mußte man sich einfach unterwerfen.

Das Denkmal hat aber auch noch anderer Merkmale außer der Inschrift, die es gerade am Fernpaß besonders wertvoll machen, das sind die Spuren der Kugeln, von denen es getroffen wurde zur Zeit der heißen Kämpfe, die um den Fernpaß in den Tiroler Freiheitskriegen 1703 und 1809 tobten.

Als die wackeren Oberländer die Scharen Novions bei Pontlatz vernichtet hatten, zogen sie zur Befreiung der Feste Ehrenberg über den Fern und stürmten den Feinden nach, obgleich sie von keiner Seite eine Hilfe gefunden hatten. Nicht einmal die Gerichte Petersberg und Hörtenberg schloßen sich ihnen an. Diese ließen dem Pfleger Rainhard von Imst sagen: 'Haben die Oberländer viel angefangen, sollen sie auch viel auskochen!'

'Sell tun wir schon!' versetzte Rainhard und rasch entschlossen griffen die schneidigen Oberländer unter ihrem Führer Sterzinger den Feind am Fernpaß, wo er auch die obere Schanze stark besetzt hatte, an und stürmten mit solchem Ungestüm, daß sich die Besatzung schon um Mittag ergeben mußte. Es war ein zwölfstündiges hartes Ringen und der Sieg teuer erkauft, mit vielen Toten und Verwundeten. Jetzt gönnten sie sich aber erst recht keine Rast und eilten, um noch dem tapferen Rest der die Feste Ehrenberg verteidigte, im letzten Augenblicke Hilfe bringen zu können.

Möchte man nicht meinen, solche Taten würden im Vaterland unvergessen bleiben?! Aber nicht einmal die Bronzetafel, das einzige Erinnerungszeichen daran, ließ man den Oberländern!
Sollen sie uns alles nehmen; den tapferen Sinn, der dem eingeborenen Oberländer schon einmal eigen ist, wird ihm niemand aus dem Herzen reißen. Und wir sind stolz darauf: Nackensteifheit hat der Oberländer schon öfters bewiesen und kommt es wieder einmal darauf an, sollen sie sehen, daß der Spruch: 'Wir Oberländer felsenfest!' heute noch Geltung hat..."






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