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Das Reuttener Textilwerk

Kleinmünchner Baumwoll-Spinnereien AG




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Die älteste große Industrieansiedlung in Reutte sind die Textilwerke Reutte der Linz Textil AG, ehemals Reuttener Textilwerke AG (RTW), deren Anfänge sich bereits im 18. Jahrhundert in Höfen finden, wo sie sich zur Flachsproduktion angesiedelt hatte.

Am 26. Juli 1855 kommt es zur Versteigerung der Anteile an der k.k. Baumwollspinnerei Reutte. Die unter den 'Hammer' geratene Firma bestand zu diesem Zeitpunkt aus einem großen Hauptgebäude mit einem ausladenden Saal im Dachboden. Die durch Wasserkraft angetriebene Spinnerei wurde erst 7 Jahre zuvor (1848) in Betrieb genommen. Mit im Inventar befand sich auch ein nahe gelegenes Grundstück mit einer Hammer- und Waffenschmiede, sowie 2 Öfen und einer Kohlehütte. Weiters zahlreiche Grundstücke und Wohnbehausungen im nahen Umfeld des Fabriksgeländes wie etwa einem Wohnhaus nebst der Lechbrücke oder etwa einer Mahl- und Sägemühle am Lech.

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"...in den vierziger Jahren trat eine Actiengesellschaft zusammen und errichtete zu Reutte mit großen Kosten eine Baumwollspinnerei, die auch bald in Betrieb gesetzt wurde. Da aber keine Dividenden herauskamen, löste sich die Gesellschaft auf, nicht ohne namhafte Einbuße an Capital zu erleiden, und die Fabrik kam durch Ankauf in die Hände eines unternehmenden, sehr gebildeten Protestanten, der sich seither mit Erfolg um die Hebung seines Etablissements bemühte, F. C. Hermann. Wegen des nicht selten trägen und wenig lohnenden Geschäftsganges des Garnmarktes stellte Hermann 120 mechanische Webstühle auf und vermehrte dieselben (laut dem Berichte der Innsbrucker Handelskammer von 1859 bis 1861) noch um weitere 84 Stühle neuester englischer Construction, deren Arbeitseröffnung jedoch in eine ungünstige Zeit fiel. Es ist dabei der Umstand bemerkenswerth, daß die Arbeiter dieser Fabrik jetzt meist Fremde sind, während die überwiegende Mehrzahl derselben ursprünglich aus Einheimischen bestand. Die Ursache davon muß gerade nicht in der Arbeitsscheu, sondern in dem Umstande gesucht werden, daß der Einheimische die Beschäftigung mit Ackerbau, Viehzucht und Gewerben der durch ihre Einförmigkeit in den ölduftenden Sälen drückenden Fabrikarbeit vorzieht..."
Der tirolische Lechgau; Christian Schneller (1864)

F. C. Hermann hatte die Firma 1858 aus der Auflösung der vormaligen Aktiengesellschaft heraus erworben. Zu ihrer Blütezeit beschäftigte die Spinnfabrik unter dem Leiter Heinrich Schöner rund 500 Beschäftigte aus der Region.

Mit dem Tod des F. C. Hermann versucht die Gemahlin Bertha Hermann deren Besitz zu veräußern. Als vermeintlicher Käufer tritt mit Ende Mai 1872 die Firma Ganahl und Söhne in Feldkirch an das Handelsregister heran. Sämtliche Aktiva und Passiva sollen somit von Karl Ganahl übernommen und die Spinnerei in Reutte wie die anderen Anlagen Ganahls weiter betrieben werden.
Dazu kommt es aber nicht. Für Bertha Hermann und ihre Kinder ergibt sich durch die Hilfe Heinrich Schöners eine Möglichkeit den Betrieb doch weiter in der Hand der Familie zu halten.

Erst im November 1917 kommt es tatsächlich zum Verkauf der Baumwollspinnerei an die "Kleinmünchner Baumwollspinnereien und mechanischen Weberei" aus Kleinmünchen bei Linz (Oberösterreich).

Während die Geschäfte 1923 noch prächtig laufen, stockt im Juli 1924 die Auslastung und die Auftragsbücher sind beinahe leer - es wird mit der sogenannten Kurzarbeit begonnen. In der Kleinmünchner Spinn- und Weberei setzt man die Wochenarbeitszeit von 48 auf 36 Stunden herab. Wohl Ende 1931 wird die Weberei in Reutte vorübergehend stillgelegt, da es in Österreich keinen ausreichenden Absatz mehr für Textilien gibt.

1948 gründet man die Reuttener Textilwerke AG neu und übernimmt die Produktionsstätte von der Kleinmünchner Baumwollspinnerei. Ab 1987 gehen die Reuttener Textilwerke in der 'Weberei Telfs GmbH' auf, 2008 wird die Arbeit am Standort dann aber endgültig eingestellt.





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