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Reutte

vom Salz, einer Brücke und einem Franziskanerkloster - Bezirkshauptort des Außerferns



reutte obermarkt wolfsberg steineberg


Bezirk Reutte

Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1278 - Ruthi
Fläche: 100,90km²
Höhe: 853m
Ortsteile: Untermarkt, Obermarkt, Tränke, Mühl, Unterlüss, Oberlüss



die Orte im Talkessel sind größtenteils schon zusammengewachsen - Breitenwang und Reutte (vorne)

Funde


Im Ortsgebiet von Reutte wurde ein lediglich fragmentarisch erhaltener Dolch bronzezeitlicher Zeitstellung (~1500 v. Chr.) aufgefunden.

Seen


Reutte besitzt einen Anteil am Plansee, dem mit knapp 3 km² Fläche zweitgrößten See Tirols. Der Urisee liegt voll umfänglich auf Reuttener Gemeindegebiet.

Ortsgeschichte


Die Ansiedlung Reutte wird 1278 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Es handelte sich dabei um eine kleine Zahl von dem Stift Weingarten gehörigen Höfen, welche bis dahin jedoch der wesentlich älteren Gemeinde Breitenwang unterstellt waren. Einen wesentlichen Aufschwung erfuhr die Hofgruppe Reutte zwischen 1427 und 1440. Als ältester Teil von Reutte wird "die Kög" (Gehege) und "auf der Straß" (bisher nicht genau lokalisiert) angenommen.

Endgültig neu gemischt werden die Karten im Jahr 1464, als die Reuttener nach Aufforderung durch Erzherzog Sigmund daran gehen eine Brücke über den Lech hinüber in das Gericht Aschau zu errichten.

Kirchengeschichte


Eintragungen in historische Dokumente weisen bereits Ende des 14. Jahrhunderts auf die Existenz einer Anna-Kapelle hin.

Die Pilgerreise des Felix Fabri


siehe hier

Reutte und der Salzhandel




der Obermarkt und das Gemeindeamt im 19. Jhd.
Bildautor unbekannt


Blick vom Zunterkopf (Tauern) auf den Reuttener Talkessel

Lechfluss - der Lech um 1800

der Lech mit seinem ungeregelten Verlauf um etwa 1800
wehrmann-wappensäule reutte nagelsäule
die sogenannte Nagelsäule
In einem Schreiben vom 7. Juni 1494 bekundet König Maximilian, dass die Wochen- und Jahrmärkte in Reutte zur vollsten Zufriedenheit ablaufen und auch ein Kornhaus sowie offene "Marktstätt" in Mittelreutte sich befinden. Für Unterreutte wird ein Salzstadel erwähnt. Damit aber die Bürger und Untertanen zu Oberreutte und der Kög (Kay) ebenfalls etwas davon haben, wird ihnen mit dem Schriftstück verbrieft, dass die Niederlage und Rod, welche herein oder außer Landes geht, künftig bei ihnen sein soll. Nur das erforderliche Ballhaus müssten sie auf eigene Rechnung errichten.

Mehr zum Thema in dem Beitrag -> Reutte und der Salzhandel

Grenzstreitigkeiten


1495 kam es zwischen dem Benediktinerstift Ettal und den Leuten von Reutte zu einem Streit wegen dem Grenzverlauf im Gebiet des Ammerwaldes. Vom Stift wurde die Anklage erhoben, die Reuttener würden bei Forstarbeiten viel zu weit auf bayerisches Gebiet vordringen. Die Reuttener hingegen beschwerten sich, die Leute von Ettal würden sich auf der Suche nach dem kriegswichtigen Eibenholz viel zu weit auf Tiroler Gebiet vorwagen. Vom Stift Ettal wurden die Torsäulen, eine Felsenge nahe dem Plansee, als Grenze beansprucht. Die Tiroler jedoch konnten sich gegen die Bayern durchsetzen und die Grenzlinie weit in den Ammerwald zurückverlegen, dort wo sie heute noch verläuft.

Die von den Ettalern geforderte Grenzziehung an den Torsäulen hatte eine historische Grundlage, denn bereits im Jahr 1060 wurde eine kirchliche Grenze von dem Bistum Freising eben in diesem Bereich beschrieben. Der Verlauf folgte der Linie Zwieselberg, durch den Plansee hindurch durch die Neidernach nach Griesen im Loisachtal. Also war der östliche Teil des Plansees zu jener Zeit im Besitz des Hochstifts Freising.

Handelsbeziehungen


Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Gipsvorkommen auf Reuttener und Breitenwanger Gemeindegebiet gewerblich genutzt, wovon noch heute die Gipsmühlstraße in Breitenwang zeugt. Fuhrwerke verbrachten den Baustoff zunächst nach Füssen um diesen anschließend mittels Flössen auf dem Lech nach Augsburg zu transportieren.

Kattunfabrik


Joseph Rohrer berichtet in seinem Buch Uiber die Tiroler aus dem Jahre 1796
...die Kattunfabrik des Herrn Strele von Strelburg zu Reutti, welche doppelt so viele Personen in den Pfarreyen Tannheim, und dem obern Lechthale zum Spinnen, Weben, Drucken und Färben in Bewegung setzt...

Ludwig Steub's Reise durch das Außerfern (1846)


...Reute ist ein großer ansehnlicher Flecken, reichlich versehen mit stadtmäßigen Häusern...

...es findet sich nicht überall das prächtige Zusammenspiel von Bergen wie der Säuling, dessen schroffe Kuppen hoch aus dem Fichtenwald ragen, der Tauern beholzt bis zur Höhe, der Tarneller mit vollgeschneiten Rissen gestriemt bis zur Hälfte herab, wie die nahen Aschauer Höhen, reich an Alpen und in vielen Spitzen emporbrechend, und in der Ferne der mächtige Stock weißer Lechthaler Hörner...


Joseph Kögl (1830)


"...gern weilt man vor den Häusern, wo Joseph II. übernachtete, und Pius VI. den Segen gab, und ruft sich jene Zeiten zurück. Eine Fischbeinfabrik wird der Gewerbige nicht unbeachtet lassen. Für die leidende Menschheit ist hier durch ein kleines Spital gesorgt. In der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts war das k.k. Kreisamt Oberinnthal hier; jetzt befindet sich das k.k. Land- und Kriminal-Untersuchungsgericht Ehrenberg, ein Salinenwald- und Mautoberamt und die Post, dann ein ammannischer Stiftsarzt und der bürgerliche Marktmagistrat..."

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aus: Ausserferner Nachrichten, 1951

Links


  • Geschichte des Marktes Reutte von Richard Lipp


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    Sagen


    Das Galgenbrückele bei Reutte
    Das Goldbrünnlein und das Venedigermännle auf der Raaz
    Das Hexenroß
    Das Pestfriedhofweible bei Pflach
    Das versunkene Schloß im Frauensee
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    Der Kreckelmoosgeist bei Reutte
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    weitere Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten


    Stuibenfälle


    photo

    stuibenfall  wasserfall  reutte
    so wasserreich war der Stuibenfall früher
    "...am wasserreichsten ist aber der Stäubi bei Reutte, an der bairischen Grenze. Die Ache, der Abfluß des Plansees, stürzt in 2 Absätzen, 90 und 56 Fuß hoch, über eine fast senkrechte Felswand herab..."
    aus Tirol und die Tiroler - ein Handbuch für Freunde dieses Landes und ein Wegweiser für Reisende; Schmidl Adolph (1837)

    "...etwa eine Viertelstunde, nachdem er das Becken des Sees verlassen, und zwischen wild überwachsenen Felsenriffen sich durchgepreßt hat, wirft er sich über eine 100 Fuß hohe, in einen starken Absatz sich brechende Wand, und bildet sonach einen allgemein bewunderten Doppelfall, dessen Schönheit von einem in der Stromlinie aufstehenden Felsenzacken erhöht wird, der die stürzende Fluth spaltet, und dadurch Schaum und Donner um das Doppelte steigert. An heitern, stillen Sommerabenden kann man ihn, je nach dem Luftzuge, selbst auf eine Entfernung von 2 Stunden noch vernehmen. Wegen der Fülle des niederstürzenden Wassers wird dieser Fall insgemein "der große Stäubi" genannt, und mit Recht unter die ersten Wasserfälle des Landes gereiht...."
    Tirol und Vorarlberg; Johann Jakob Staffler (1841)

    Durch die Nutzung für die Stromgewinnung hat der Archbach im Oberlauf ziemlich an Wassermassen verloren. Trotzdem zählt der Naherholungsbereich der Stuibenfälle zu den beliebtesten Ausflugszielen im Umkreis von Reutte.



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