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Reutte

Bezirkshauptort des Außerferns


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Bezirk Reutte

Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1278 - Ruthi
Fläche: 100,90km²
Höhe: 853m
Ortsteile: Untermarkt, Obermarkt, Tränke, Mühl, Unterlüss, Oberlüss

die Orte im Talkessel sind größtenteils schon zusammengewachsen - Breitenwang und Reutte (vorne)

Funde


Im Ortsgebiet von Reutte wurde ein lediglich fragmentarisch erhaltener Dolch bronzezeitlicher Zeitstellung (~1500 v. Chr.) aufgefunden.

Seen


Reutte besitzt einen Anteil am Plansee, dem mit knapp 3 km² Fläche zweitgrößten See Tirols. Der Urisee liegt voll umfänglich auf Reuttener Gemeindegebiet.

Kirchengeschichte


Eintragungen in historische Dokumente weisen bereits Ende des 14. Jahrhunderts auf die Existenz einer Anna-Kapelle hin.

Die Pilgerreise des Felix Fabri


siehe hier

Reutte und der Salzhandel


In einem Schreiben vom 7. Juni 1494 bekundet König Maximilian, dass die Wochen- und Jahrmärkte in Reutte zur vollsten Zufriedenheit ablaufen und auch ein Kornhaus sowie offene "Marktstätt" in Mittelreutte sich befinden. Für Unterreutte wird ein Salzstadel erwähnt. Damit aber die Bürger und Untertanen zu Oberreutte und der Kög (Kay) ebenfalls etwas davon haben, wird ihnen mit dem Schriftstück verbrieft, dass die Niederlage und Rod, welche herein oder außer Landes geht, künftig bei ihnen sein soll. Nur das erforderliche Ballhaus müssten sie auf eigene Rechnung errichten.

Mehr zum Thema in dem Beitrag -> Reutte und der Salzhandel

Grenzstreitigkeiten




der Obermarkt und das Gemeindeamt im 19. Jhd.
Bildautor unbekannt


Blick vom Zunterkopf (Tauern) auf den Reuttener Talkessel

Lechfluss - der Lech um 1800

der Lech mit seinem ungeregelten Verlauf um etwa 1800
1495 kam es zwischen dem Benediktinerstift Ettal und den Leuten von Reutte zu einem Streit wegen dem Grenzverlauf im Gebiet des Ammerwaldes. Vom Stift wurde die Anklage erhoben, die Reuttener würden bei Forstarbeiten viel zu weit auf bayerisches Gebiet vordringen. Die Reuttener hingegen beschwerten sich, die Leute von Ettal würden sich auf der Suche nach dem kriegswichtigen Eibenholz viel zu weit auf Tiroler Gebiet vorwagen. Vom Stift Ettal wurden die Torsäulen, eine Felsenge nahe dem Plansee, als Grenze beansprucht. Die Tiroler jedoch konnten sich gegen die Bayern durchsetzen und die Grenzlinie weit in den Ammerwald zurückverlegen, dort wo sie heute noch verläuft.

Die von den Ettalern geforderte Grenzziehung an den Torsäulen hatte eine historische Grundlage, denn bereits im Jahr 1060 wurde eine kirchliche Grenze von dem Bistum Freising eben in diesem Bereich beschrieben. Der Verlauf folgte der Linie Zwieselberg, durch den Plansee hindurch durch die Neidernach nach Griesen im Loisachtal. Also war der östliche Teil des Plansees zu jener Zeit im Besitz des Hochstifts Freising.

Handelsbeziehungen


Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Gipsvorkommen auf Reuttener und Breitenwanger Gemeindegebiet gewerblich genutzt, wovon noch heute die Gipsmühlstraße in Breitenwang zeugt. Fuhrwerke verbrachten den Baustoff zunächst nach Füssen um diesen anschließend mittels Flössen auf dem Lech nach Augsburg zu transportieren.

Kattunfabrik


Joseph Rohrer berichtet in seinem Buch Uiber die Tiroler aus dem Jahre 1796
...die Kattunfabrik des Herrn Strele von Strelburg zu Reutti, welche doppelt so viele Personen in den Pfarreyen Tannheim, und dem obern Lechthale zum Spinnen, Weben, Drucken und Färben in Bewegung setzt...

Ludwig Steub's Reise durch das Außerfern (1846)


...Reute ist ein großer ansehnlicher Flecken, reichlich versehen mit stadtmäßigen Häusern...

...es findet sich nicht überall das prächtige Zusammenspiel von Bergen wie der Säuling, dessen schroffe Kuppen hoch aus dem Fichtenwald ragen, der Tauern beholzt bis zur Höhe, der Tarneller mit vollgeschneiten Rissen gestriemt bis zur Hälfte herab, wie die nahen Aschauer Höhen, reich an Alpen und in vielen Spitzen emporbrechend, und in der Ferne der mächtige Stock weißer Lechthaler Hörner...


dazugehörige Themen


  • Soll Reutte eine Stadt werden? (16.09.2019)


  • Nächstgelegene Orte



    Sagen


    Das Galgenbrückele bei Reutte
    Das Goldbrünnlein und das Venedigermännle auf der Raaz
    Das Hexenroß
    Das Pestfriedhofweible bei Pflach
    Das versunkene Schloß im Frauensee
    Das Wappen von Reutte
    Der Drache im Urisee bei Reutte
    Der Kapellengeist bei Reutte
    Der Kreckelmoosgeist bei Reutte
    Der Schatz zu Ehrenberg
    Der Teufel als Maskenführer
    Die drei Fräulein am Hoargenstein bei Reutte
    Die Trude
    Die Wäscherin im Gehrenbachtelthal
    Die weiße Frau zu Breitenwang
    Die wilde Fahrt auf dem Sündwag (Sintwag)
    Ein unheimlicher Leichenzug
    Gebannte Geister in den Stuibenfällen
    Hexe als Fuchs
    Nächtlicher Pudel bei Ehenbichl
    Wetterhexen


    Bilder


    Reuttener Schulgasse ca. 1910hoargenstein reutte götzenbild heidentumreutte obermarkt bh bezirkshauptmannschaft bezirksgerichtreutte untermarkt schretter mopedfahrer ford cafe beck möbel lagg






    Die Pilgerreise des Felix Fabri


    1483
    Am 16. April zieht der Dominikanermönch Fratris Felicis (Felix) Fabri im Tross mit den Rittern Freiherr Hans Werner von Zimmern, Heinrich von Stoffeln, Bero von Rechberg und Truchseß Hans von Waldburg, welche sich auf dem Weg in das Heilige Land befanden, durch das Außerfern:

    "...wir aber eilen an den Fuß des Gebirges. Vor unserer Weiterreise nach Pontina (Innsbruck) übernachten wir in dem Dorf Ruti (Reutte), welches an dem Fluss Licum gelegen, welcher von den Bewohnern Lech genannt wird.

    Am 16. Tag (des April) verlassen wir das am Fuße der Rhätischen Alpen gelegene Ruti. Der Zeitpunkt für den Aufstieg in die Rhätische Alpen war ungünstig, der Weg durch das schlechte Wetter gesäumt von tiefen Löchern mit Schlamm. Am vorhergehenden Tag regnete es und in der Nacht war Schnee gefallen. Die Pferde versanken bei jedem Schritt bis zum Bauch im Morast, wir selbst standen bis zu den Knien im Dreck.

    Schließlich erreichten wir eine Sperrfestung in den Rhätischen Alpen, Ehrenstein genannt. Wir setzten unsere Reise fort und stiegen hinan zum Berg Fericii (Fernpass). Auf der anderen Seite führte uns unser Weg wieder hinab. Da wir heutigen Tages noch weiterkommen wollten, durchschritten wir das Dorf Nazarith (Nassereith). Abermals erhob sich ein hohes Gebirge (der Holzleitensattel) und wir stiegen hinauf bis wir das Dorf Schneckenhausen (es ist anzunehmen, dass er damit die Ortschaft Affenhausen auf dem Mieminger Plateau meinte) erreichten..."


    1484
    Ende Januar passiert der Mönch Felix Fabri, von dem Kreuzzug aus Jerusalem und Ägypten zurückkehrend, abermals das Außerferner Gebiet. Wiederum beschreibt er den Verlauf der Reise:

    "...nach dem Frühstück führten wir unsere Pferde hinauf in Richtung des Berges Fern (Fericium montem). Wir gelangen an eine Bergwacht, inmitten des Sees thront die Sigmundsburg auf einem Bergrücken. Ein Schloss, erbaut um Vergnügen zu bereiten...

    ...beginnt der Aufstieg, mithilfe des sonst von Lastkarren und Saumpferden genutzten Handelsweges zwischen Italien und Germanien, sowie für Waren Germaniens, welche nach Italien geführt werden. Wir stiegen also mühevoll den Fernpass hinan und von dessen Anhöhe auf der anderen Seite auf weitem Weg zwischen den Gebirgen hinab und ritten durch Lermoos und andere Orte zum Dorfe Reutte um dort die Nacht zu verbringen...

    ...über Reutte erhebt sich ein steiler Berghang, über welchen wir absteigen. Vor der Festung befindet sich die neue, von sehr festen Mauern umgebene und verriegelte Bergwacht (Klause) und darüber erhebt sich die uneinnehmbare Festung Ehrenstein...

    ...Am 26. Tag (Januar), nach dem Frühstück in Ruti (Reutte), überquerten wir die Brücke und ritten durch eine waldreiche Aulandschaft, die mit den sich darüber erhebenden Gebirgen, den Hainen und Wiesen und dem dahinfließenden Lech im Sommer recht schön anzuschauen sein mag. Durch das Städtchen Vils und das Dorf Nesselwang ziehen wir weiter, und verlassen das Gebirge. Am Ende des Kemptener Waldes reiten wir zu der Stadt Kempten hinab, wo wir die Nacht verbringen wollen..."






    weitere Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten


    Stuibenfälle


    photo

    stuibenfall  wasserfall  reutte
    so wasserreich war der Stuibenfall früher
    "...am wasserreichsten ist aber der Stäubi bei Reutte, an der bairischen Grenze. Die Ache, der Abfluß des Plansees, stürzt in 2 Absätzen, 90 und 56 Fuß hoch, über eine fast senkrechte Felswand herab..."
    aus Tirol und die Tiroler - ein Handbuch für Freunde dieses Landes und ein Wegweiser für Reisende; Schmidl Adolph (1837)

    "...etwa eine Viertelstunde, nachdem er das Becken des Sees verlassen, und zwischen wild überwachsenen Felsenriffen sich durchgepreßt hat, wirft er sich über eine 100 Fuß hohe, in einen starken Absatz sich brechende Wand, und bildet sonach einen allgemein bewunderten Doppelfall, dessen Schönheit von einem in der Stromlinie aufstehenden Felsenzacken erhöht wird, der die stürzende Fluth spaltet, und dadurch Schaum und Donner um das Doppelte steigert. An heitern, stillen Sommerabenden kann man ihn, je nach dem Luftzuge, selbst auf eine Entfernung von 2 Stunden noch vernehmen. Wegen der Fülle des niederstürzenden Wassers wird dieser Fall insgemein "der große Stäubi" genannt, und mit Recht unter die ersten Wasserfälle des Landes gereiht...."
    Tirol und Vorarlberg; Johann Jakob Staffler (1841)

    Durch die Nutzung für die Stromgewinnung hat der Archbach im Oberlauf ziemlich an Wassermassen verloren. Trotzdem zählt der Naherholungsbereich der Stuibenfälle zu den beliebtesten Ausflugszielen im Umkreis von Reutte.






    ...vielleicht auch interessant:

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    Das Wappen von Reutte / (Sagen)
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