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Pinswang

Ober- und Unterpinswang


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Bezirk Reutte

Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1095
Fläche: 9,47km²
Höhe: 824m
Ortsteile: Unterpinswang, Oberpinswang, Weißhaus

Pinswang jenseits des Lechs - im Vordergrund ist die Musau zu sehen

Magnus und der Mangetritt


Am Lusalten, der Schlucht zwischen Füssen und Pinswang, ist der in christlicher Zeit umgedeutete Mangetritt als prähistorisches Bodendenkmal erhalten. Eine Auswaschung im Stein in Form eines Fußes wird im Volksglauben als Fußabdruck des heiligen Magnus gedeutet, welcher sich vor den in der Schlucht hausenden Dämonen mit einem Sprung über dieselbe zu retten vermochte.

Pinswanger Bergbau


Bereits in der Vita des heiligen Magnus ist von einem Bergbau am Säuling die Rede. Möglicherweise war der Abbau an diesen Erzadern aber bedeutend älter, als es die Legende des heiligen Mannes beschreibt.
Einem klaren Hinweis auf den Eisenerzabbau bei Pinswang begegnet man aber spätestens in der Schenkungsurkunde des Herzogs Welf V. an das Kloster Rottenbuch, in welchem der Herzog dem Kloster ein Gut mit all seinen Rechten über die Eisenadern, Wälder und Viehweiden überlässt.

Burgschrofen, Schloss Loch und die Via Claudia


Unterhalb des Burgschrofens, dort wo nachmals das Schloss im Loch entstand, wird eine steinzeitliche Höhle vermutet, ähnlich dem Abri (Felsüberdachung) des Spätpaläolithikums am Weißenseeberg bei Roßmoos.

Weiters findet sich ein Schalenstein an einer Felsplatte im obersten Bereich der Höhlenburg, dessen Zeitstellung nicht definiert werden kann.

Ein rechteckig umfriedetes Areal unterhalb des Burgschrofens wurde lange Zeit für eine Keltenschanze gehalten. Dendrochronologische Untersuchungen widerlegten diese Annahme, da die untersuchten Hölzer erst im Verlauf des Mittelalters (ca. 1250) geschlagen wurden. Trotzdem könnte dieser Bau im Grunde auf eine römische Straßenstation vor dem Übergang über den Kratzer zurückgehen, was historisch aber nicht belegt ist. Sicher ist jedoch, dass die Via Claudia Augusta direkt dieses Bauwerk passierte um dann über den westlichen Ausläufer des Schwarzenberges zu führen.

Erste Besitzansprüche


Als eine der ersten Grundbesitzer - und mächtigste Herrscherfamilie des 11. und 12. Jahrhunderts - treten wie bereits bekannt die Welfen auf den Plan. Deren Einflussbereich erstreckte sich innerhalb des heutigen Außerferns wohl von Pinswang über Breitenwang bis hin zu der Wasserscheide bei Lähn/Bichlbach. Weiters beanspruchten sie als eingesetzte Vögte des Kloster St. Magnus in Füssen die Blutgerichtsbarkeit über Vils und die Aschau bis nach Vorderhornbach.

Kirchengeschichte



die Ulrichskirche in Unterpinswang - der erste Kirchenbau entstand hier wohl schon im 13. Jahrhundert
Die St.-Ulrichs-Kirche in Unterpinswang weist mindestens drei Vorgängerbauten auf. Insgesamt reicht das Fundspektrum des historischen Platzes zurück bis in das 11. Jahrhundert. Den vermutlich ersten, romanischen Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert schmückten offenbar zahlreiche figürliche Fresken. Die Grablegung des um 1380 verstorbenen Bruder Ulrich fand also in einer bereits bestehenden Kapelle statt. Hin und wieder wird der Hergang in der Ulrichs-Sage sogar dergestalt gedeutet, dass es sich beim Begräbnisplatz des Bruders Ulrich tatsächlich um einen vormals heidnischen Kultplatz handelte. "Zu dieser Annahme berechtigt vor allem jener Teil der Legende, wo von einem bestehenden Grab im Felsen - ein heidnischer Opferplatz? - die Rede ist."
Aus dem Buch: 900 Jahre Pinswang - Das Dorf an der Grenze

Wohl auf Grund dieser Bestattung trafen immer mehr Pilger in der Kapelle ein, weshalb sie für diesen Zustrom bald nicht mehr ausreichte. 1414 wird der Kapellenbau maßgeblich vergrößert und in eine gotische Kirche umgestaltet. 1725 kommt es unter dem Füssener Abt Dominikus Dierling zu einem Neubau der Kirche. Den Bau ausgeführt hat der Pinswanger Baumeister Franz Kleinhans nach Plänen des Johann Georg Fischer von Füssen. 1729 fertigt Johann Heel aus Pfronten die Fresken im Kircheninneren.

historischer Grenzstein am Dreiländereck


In dem Vertrag von 1564 einigen sich ein gewisser Georg Kaunz, Pfleger der Herrschaft Ehrenberg und Sigmund Rotthuet, Pfleger der Herrschaft Hohenschwangau eine schon im Jahr 1515 erfolgte Grenzmarkierung am Schwarzenberg und dem Kitzberg zwischen vorgenannten Parteien zu erneuern. In der Ausführung der ersten Grenzmarkierungen wurden nämlich vorwiegend Bäume genutzt. Diese wurden aufgrund des Alters, ihrer Größe und den Windschäden ihrer Bestimmung nicht mehr gerecht.
So wird beschlossen steinerne Säulen zu setzen oder 'selbstgewachsne Schroffen oder Wand' für die Markierung zu nutzen und sie mit Marken zu versehen. Ausgewählte Säulen werden mit den herrschaftlichen Wappen ausgezeichnet.

Heute steht eine Grenzsäule jüngeren Datums im Bereich des Schwarzenberg-Gipfels welche 1785 errichtet wurde. Die Grenzziehung selbst dürfte aber die selbe geblieben sein.



Impressionen von Ludwig Steub's Reise durch das Außerfern (1846)


"...Bald darauf steht man an der Gränze von Bayern und Tirol, beim weißen Haus, oder der österreichischen Zollstätte. Eine Palisadenwehr zieht von der nahen Bergwand quer herunter zum Lech und schließt das Thal ab...

...Anfangs füllen Straße, schmaler Rain und Fluß das Thal aus, von welchem waldige Halden schroff in die Höhe steigen - allmählig aber öffnet sich ein erquickender Einblick in das innere Gelände, das uns in heiterer Bergpracht willkommen heißt. Die Kirche von Vils erhebt sich aus dem Tannengebüsche und verräth den Ort, wo das kleinste Städtchen Tirols mit kaum sechshundert Einwohnern sich geschämig verbirgt. Weite Wiesbreiten füllen den Thalgrund, heimliche gebirglerische Wohnhäuser stehen am Wege, von den Halden tönen Heerdenglocken und von den Berghöhen locken stille grüne Alpenweiden. Die blau und weißen, die gelb und schwarzen Gränzpfähle, an denen wir vorübergegangen, scheiden auch in manchen Stücken Sitte, Tracht und Sprache um so mehr, weil sich auch Gebirg und Ebene scheiden...

Treten wir zu Binswang ins Wirthshaus, so ist zu vernehmen daß wir zu Füssen das letzte Bier getrunken, wenigstens das letzte gute, und uns fürderhin sicherer an den Wein halten werden. Auch ihrem Brode wissen die Binswanger schon andre Formen zu geben als die Füssner..."


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