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Pflacher Hüttenmühle

Beitrag zur Geschichte über die Hüttenmühle und die Familie Schennich (Schennach)




Zusammengestellt von Franz Wörle - November 1929

Am südlichen Ende des Dorfes Pflach, am Fuße des Säulingberges, in dem kleinen, unfruchtbaren, vom Steineberg und Hüttenbühel gebildeten Talkessel, an Stelle der heutigen Schretterschen Holzschleiferei und Pappenfabrik stand seit unvordenklichen Zeiten ein bedeutsames Industrieunternehmen, das durch nahezu vier Jahrhunderte hindurch im Besitze des Geschlechtes Schennich, der Vorfahren unseres bekannten und berühmten Komponisten und Direktors des Innsbrucker Musikvereines, des im April 1928 verstorbenen Emil Schennich, stand. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts hat dieses alte Bauwerk, die "Hüttenmühle" genannt, die industrielle Bedeutung verloren und war nach dem Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgten Tode der Geschwister Schennich einsam und verlassen, von zahlreichen Sagen und Spukgeschichten umsponnen, dem langsamen Zerfall geweiht.

Hüttenkapelle, Skizze
Ansicht der Hüttenkapelle in einer Skizze von 1875

hüttenkapelle pflach

hüttenmühle pflach

das Hüttenmühl-Areal um etwa 1910 - Bild zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Pflach

Der Ursprung dieses Werkes liegt in Dunkel gehüllt und es lassen sich bestimmte Daten erst aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts (1509) festlegen. Nach einer aus dem Jahre 1313 stammenden Urkunde, nach welcher Peter von Hohenegg dem Magnusstifte in Füssen ein Gut zu Rieden und eine Mühle zu Pflach verschenkte, zu schließen, müsste die erste Ansiedlung bis in das 13. Jahrhundert zurückführen. Dies ist jedoch sehr unwahrscheinlich, denn wie aus dem Privilegium vom 13. Dezember 1505 des Kaisers Maximilian I. hervorgeht, war an dieser Stelle in früheren Zeiten niemals eine Mühle, sondern Schmitten und Blechhütten, die erst nach dem finanziellen Zusammenbruch der Hochstetter in eine Mahl- und Sägemühle umgewandelt wurden. Außerdem stand nach einer alten Volkssage in Pflach selbst, und zwar dort, wo das heutige Spritzenhaus steht, eine alte Mühle, die ja wohl mit der in obiger Urkunde erwähnten Mühle identisch sein dürfte. Die Errichtung des ersten Bauwerkes, die mit der Ausbeutung des Bergwerkes am Säulingberg in innigem Zusammenhang stand, dürfte in die Regierungszeit Siegmunds des Münzreichen (1439-1490) fallen, da der Bergwerksbetrieb zur Zeit des Regierungsantrittes Maximilans so ziemlich lahmgelegt und "die Blechhütten oder Eisenschmitten, die da vormalen gestanden, so ergangen und abgebrochen waren."

Erst die Gebrüder Ambros, Hans und Georg Hochstetter aus Augsburg, denen Kaiser Maximilian I., der ihnen finanziell verpflichtet war, das Bergwerk und den Platz, wo früher die Blechhütten oder Eisenschmitten gestanden hatten, laut Privileg vom 13. Dezember 1509 verlieh, und die sich mit der Absicht trugen, in Tirol Schmelzhütten zur Gewinnung von Messing und Kupfer zu errichten, haben das Bergwerk wieder eröffnet und die abgebrochenen Hütten wieder aufgebaut. Nach den mündlichen Überlieferungen soll auch in dieser Zeit die auf dem sogenannten "Hüttenbichl" stehende, heute noch gut erhaltene St.-Ulrichs-Afra-Hüttenkapelle, und zwar von den Bergknappen aus Dankbarkeit für den reichen Bergsegen und aus Wunsch, Kaiser Maximilians I. erbaut worden sein. Der Turm trägt heute noch deutlich sichtbar die Jahreszahl 1515, doch dürfte diese Jahreszahl anlässlich des Wiederaufbaues des Schiffes durch Abt Emilian Hafner in der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angebracht worden sein. Wenn auch der Innenbau des Turmes für seine frühere Bauzeit spricht, so ist es doch Tatsache, dass Kaiser Maximilian trotz seiner Geldknappheit vieles für die Kapelle geleistet und angeschafft hat, so zum Beispiel Messgewänder, geschnitzte Figuren und Altarbild, vermutlich auch jene geschnitzten Kreuzwegstationen, die dann später verkauft und gegen solche des Malers Riepp ausgewechselt wurden.

Die lohnenden Erlöse aus dem Berg- und Hüttenwerk konnten der Verschwendungssucht und dem großen Aufwand der Hochstetter jedoch nicht lange standhalten. Nur zu bald gerieten sie derart in Schulden, dass ihre Gläubiger das Berg- und Hüttenwerk konfiszierten und verkauften. Am 9. Oktober 1533 erwarb Georg Hag von den Hochstetterschen Gläubigern die laut Brief vom 13. Dezember 1509 von Kaiser Maximilian I. und laut Brief vom 6. Oktober 1521 und 13. Juni 1523 von Kaiser Ferdinand I. privilegierten Rechte über die Messingschmelzhütte und Schmitten, Hofstätten, Kohlstätten, Holzlegen, Gassen, Weg und Garten in der fürstlichen Grafschaft Tirol und Gericht Ernberg zu Pflach bei dem Wasser, genannt die Ach, gelegen nämlich von oben herab nach der Ach die Eben, unten am Steinberg und am Rain, ringsweise hinaus bis wiederum an die Ach, mitsamt dem Wasserfall und Wuehrstatt von einem Gestatt zum anderen, zwerch durch das genannte Wasser. Mit diesem Besitze war laut obigen Privilegien auch das alleinige Wasserbezugsrecht aus der Strecke vom Einfluss der Ach in den Lech bis nach Mühl, sowie das Bauverbot für Dritte verbunden: es heißt wortwörtlich: "Wir meinen und wollen auch, dass vom Lech hinaus bis zu der Praitenauer Mühl niemand nichts inzwischen machen oder bauen sollt."

Georg Hag hat laut Kaufbrief vom 28. August 1568 die Hüttenmühle samt Kirche und allen Gerechtigkeiten an seinen Sohn, den Hofstallmeister und Hofkammerrat Kaiser Maximilians II. und Rudolf II., namens David Hag und dieser wieder mit Kaufbrief vom 18. Mai 1598 an seinen Sohn Georg Hag verkauft. Der erste Kauf wurde von Ferdinand II., Erzherzog von Oesterreich, und der zweite Kauf von Kaiser Rudolf II. genehmigt und die früheren Privilegien bestätigt. In dieser Zeit beschränkte man sich auf die Fabrizierung von Hacken und anderem Eisenwerkzeug. Es wurden nur hin und wieder Arbeiten aus Messing angefertigt.

Rudolf Hag blieb nur kurze Zeit Besitzer des Hüttenwerkes, denn er verkaufte es bereits am 14. Jänner 1606, sowie "Behausungen, Hof, Hofstätte, Schmelz-, Guss- und Brennhütten, item Schmitten, Mühlen, Stadel, Stallungen, Garten, Plätz, Kohlstätten, Holzlegen, Wasserfälle und Hüttenkirchl mit allen Freiheiten und Gerechtigkeiten", darunter auch der Wirtschaftsgerechtsame um den Betrag von 3100 Gulden an den damaligen Pfleger zu Ernberg, Burkhardt Laymann zu Liebenau und Ernheim, der sich besonderer Gunst des Erzherzogs Maximilian III. erfreute und von diesem auch Freiheiten und Gerechtigkeiten des Hüttenmühlanwesens neuerlich verliehen bekam.

In den Jahren 1618 bis 1648 wütete der Dreißigjährige Krieg und da blieb denn auch das Hüttenwerk von den unter dem Kommando des Königs Gustav Adolf eingedrungenen Schweden und Franzosen nicht verschont. Alles was nicht niet- und nagelfest war, insbesondere die Lagerbestände an Messing und anderem Metall, wurden geraubt, das Hüttenkirchlein wurde ausgeplündert und späterhin von den Söldlingen Erzherzog Leopolds V. die gegen die Schweden kämpften, in ein Pulvermagazin umgewandelt. Im Jahre 1633 brach noch dazu die Pest aus. Erzherzog Ferdinand Karl (1648 bis 1661), der Sohn und Nachfolger Leopolds V. und Claudias von Medici, der Gründer des Franziskanerklosters in Reutte (1628), verlieh am 19. Juli 1650 dem Uriel van Albl das verwaiste Hüttenwerk samt Kirchl und allen Gerechtigkeiten. Das Hüttenwerk war unter Burkhardt Laymann infolge des Krieges und der Pest eingegangen. Nun verlegte sich der neue Besitzer hauptsächlich auf die Kantinwirtschaft und die ausgestaltete Mahl- und Sägemühle.

Hier taucht bereits der erste Schennich auf, der Stammvater der späteren Besitzer, nämlich des Geschlechtes Schennich. Es ist dies der aus Ehrwald ausgewanderte Müllerbursche Hansen Schennich, der am 24. Juli 1610 von Uriel von Albl die Mahl- und Sägemühle in Pacht nahm.

Von Uriel von Albl erwirbt noch während der Dauer des Pachtverhältnisses mit Hansen Schennich Kaspar Kecht, Meister des Müllerhandwerkes zu Pflach, die Hüttenmühle samt allem Zubehör um den Betrag von 1400 Gulden. Dieser erfreute sich jedoch nicht lange seines Besitzes, denn noch im selben Jahre raffte ihn plötzlich der Tod dahin und so erwarb Hansen Schennich, der sich inzwischen mit Ursula Röschin verehelicht hatte, von Andreas Kecht, Bürgermeister des Marktes Reiti und Leonhard Kleimb zu Praitenwang (heutiges Breitenwang) als Gerhaben weiland Kaspar Kechts selig hinterlassener sechs Kinder die hinterlassene Mahl- und Sägemuhle am 9. Marz 1604 um den Betrag von 1320 Gulden.

Am 24. April 1679 verkauften Hans Schennich und seine Ehewirtin Ursula Röschin auf der Hütten der Pfarre Braitenwang dem ehelichen und Stiefsohn Hannes Schennich die bisher innegehabte Mahl- und Sägemühle samt Gerechtigkeiten um 1430 Gulden.

Von Johannes Schennich ging die Hüttenmühle samt allem Zubehör und allen Gerechtigkeiten und samt der Kirche auf die beiden Töchter Antonie Maria Schennich und Anna Maria Schennich über, die bereits am 29. Dezember 1709 gesamte Anwesen aus der Hütten zu Pflach, "ein Behausung, Mühlwerck und Angehörde", an ihren Vetter Peter Schennich um 1900 Gulden verkauften. Die Hüttenmühle wurde, da sie die einzige Mühle im ganzen Revier war, zu dieser Zeit von Aufträgen geradezu überhäuft und gewann immer mehr Ansehen und Bedeutung, so dass bereits unter Peter Schennich und dessen Nachfolger, seinem "eheleiblich lieben" Bruder Matthias Schennich, der am 13. Oktober 1737 "die Behausung mit dabei begriffenem Stadel, reverendo Stallung, auch eingespannter Mahlmühle mit vier umgebenden Steinen, item Sag- und Plenimihlen, auch nebst an und bey disen Mihlen sich befindenden Anger und Gärten, sambt den dazue gehörigen Wasserstrahl, Wuehr und Gußpäth wie ein solch alles dermalen vorhanden war" um 2260 Gulden käuflich erwarb, vergrößert und umgestaltet werden musste. Laut Vermögensüberlaß und Abtretung hat Joseph Antoni Schennich das väterliche Anwesen, das durch verschiedene Erbschaften (auch aus Holland) zu einem beträchtlichen Vermögen herangewachsen war, am 10. Oktober 1777 um 4000 Gulden übernommen, welchen Betrag er den übrigen Geschwistern auszuzahlen hatte.

Josef Anton Schennich verehelichte sich mit Maria Anna Furtenbach und nach deren Tode mit Brigitta Hohenreiner von Mühl. Aus der ersten Ehe sind vier Kinder, und zwar der Uhrmacher Alois Schennich zu Reutte, Franz Josef Schennich, der vogtbaren Standes (entmündigt wegen Geistesschwäche) war. Cäcilia Schennich und Maria Kreszenz Schennich (Ehegattin des Sattlermeisters Anton Sprenger in Reutte, gestorben im März 1813) und aus zweiter Ehe drei Kinder, und zwar Franz Anton, Maria Anna und Bibiana Schennich, entsprossen. Maria Anna Schennich hatte sich mit dem Ratsbürger und Bäckermeister Alois Lumper in Reutte (Urgroßvater des heutigen Kaufmannes und Besitzers Alois Lumper) verehelicht. Am 3. März 1803 hat nun Franz Anton Schennich, der Sohn aus zweiter Ehe, die auf der sogenannten Hütten zu Pflach stehende, ganze "Wohnbehausung Nr. 1 samt Stadel und Stallung und einverleibter Mahlmühle mit vier Gängen und allen Gerechtigkeiten, auch Schneid- und Sägemühle, den sonderbar (separat) gebauten, in Felsen eingesprengten Keller gleich neben der Wohnbehausung, desqleichen alle zur Sag- und Mahlmühle gehörigen Gerätschaften und Handwerkszeuge, sowie Einrichtungsgegenstände, die zur Behausung gehörigen fünf Gärten und Aenger, als drei gleich bei der Behausung und zwei bei oder unweit der Hüttenkirche gelegen und endlich die sogenannte Hüttenkirche selbsten nebst der Flachsbluimühle" um 4000 Gulden übernommen, während die übrigen Geschwister laut der vor dem k. k Landrichter Herrn Balthasar Marberger am 18., 19., 20. und 24. April 1820 vorgenommenen Verlaßabhandlung und Abteilung nach dem am 9. Februar 1820 verstorbenen Josef Anton Schennich den übrigen umfangreichen, bis hinaus zum Katzenberg reichenden Liegenschaftsbesitz erhielten. Franz Josef Schennich erhielt außerdem die Wohnbehausung Nr. 2 und die Kinder Josefa, Josef Anton, Benedikt und Magdalena Sprenger, die Maria Kreszenz Sprenger geborene Schennich im Leben nach sich gelassen, die von Maria Anna Pohler, Johann Georg Deutschens hinterlassenen Ehewirtin, erkaufte halbe Wohnbehausung in Reutte, Untermarkt. So wurde der ganze auf 14.000 Gulden bewertete Liegenschaftskomplex samt seinen wertvollen Einrichtungsgegenständen gänzlich zerstückelt. Das Hüttenkirchl wurde am 28. Jänner 1790 von der Staatsverwaltung unter Kaiser Josef II., der ja bekanntlich vom 28. auf 29. Juli 1777 im Gasthause zur "Krone" in Reutte bei Johann Paul Deutsch übernachtete, durch das Kreisamt Imst im Versteigerungswege um 23 Gulden J. W. für den Profangebrauch erwerben und die Benutzung desselben für protestantische Zwecke ausgeschlossen.

Franz Anton Schennich ehelichte die Tochter des Lehrers Alois Schweighofer, namens Barbara Schweighofer, wodurch ein Verwandtschaftsqrad zwischen den Familien Schennich und der Familie Hafner geschaffen wurde. Die Mutter der Barbara Schweighofer, namens Maria Anna Hafner, war die jüngste Tochter des Marktlehrers Johann Georg Hafner und dessen Ehewirtin Barbara Hengg von Mühl. Johann Georg Hafner hatte acht Kinder, von denen Emilian Abt des Stiftes St. Mang in Füssen, Alfons Abt des Stiftes Ettal, Cäcilie eine ehrsame Klosterfrau und Organistin des Franziskanerinnenklosters zu Säckingen, Josef Ordenspriester und Missionar des Franziskanerklosters in Lienz, Jeremias Hafner Ordenspriester des Franziskanerklosters in Schwaz, Josef Maria Weihbischof des Benediktinerstiftes Sankt Gallen und Hildegard Hafner Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Maria Hof wurde. Die jüngste Tochter Maria Anna Hafner dagegen verehelichte sich mit dem Lehrer Alois Schweighofer, aus welcher Ehe die Tochter Barbara Schweighofer, spätere Ehegattin des Franz Anton Schennich, entspross. Nach Aushebung des Stiftes St. Mang in Füssen im Jahre 1803 zog sich der Abt Emilian Hafner ins Privatleben zurück und bewohnte das der Gemeinde Reutte gehörige Isserhaus. Er ließ während seiner Ruhezeit das Hüttenkirchl, das seit dem Dreißigjährigen Kriege nicht mehr ausgebessert wurde, zum Teil abreißen (man sagt sich, dass er den nach einer alten Sage unter dem Hüttenkirchl angeblich vergrabenen Schatz ausheben habe wollen) und in der heutigen Form wieder aufbauen. Der Choraltar aus buntem Marmor ist sein Geschenk. Die Kreuzwegstationen sowie das Altarbild "Die Verklärung Christi" stammen aus der Hand des am 2. August 1764 verstorbenen Kunstmalers Balthasar Riepp, dem Schwiegersohn des bekannten Malers Paul Zeiler. Diese Bilder wurden gegen die früheren geschnitzten Kreuzwegstationen eingetauscht.

Nach dem Tode des Franz Anton Schennich ging die Hüttenkapelle "samt allem, was darin liegt und steht" als Vorausvermächtnis auf dessen Tochter Elisabeth Schennich ins Alleineigentum über. Der ganze übrige Besitz des am 2. Juni 1863 verstorbenen Franz Anton Schennich wurde unter die sieben Geschwister Johann Georg, Josef, Emilian, Hildegard, Barbara, Josefa und Elisabeth Schennich zu gleichen ideellen Teilen aufgeteilt. Nach dem vorliegenden Testament durfte keines von den sieben erbannehmenden Geschwistern in das Haus einheiraten. Sollte eines oder das andere sich anderswohin verehelichen, so hat es von dem ganzen Vermögen nicht mehr zu fordern als 87,50 Gulden. Eine weitere Bestimmung war, dass, für den Fall, als eines dieser Geschwister sterben sollte, die übrigen Geschwister dessen Anteil erhalten. Die sieben übernehmenden Geschwister hatten ferner der Mutter Barbara Schennich geborene Schweighofer, die im Jahre 1872 in hohem Alter verschieden ist, ihr eingebrachtes Vermögen per 4550 Gulden herauszubezahlen und derselben die Herberge nach Belieben zu gestatten, die Wirtschaftsgerechtsame zu führen und erst nach dem Tode derselben die Erbbetreffnisse auszubezahlen. Diese testamentarische Verfügung, die einem Heiratsverbot gleichkam, war wohl die eigentliche Ursache für das allmähliche Aussterben des Geschlechtes Schennich. Denn tatsächlich hat keines der erbannehmenden Geschwister geheiratet. Die übrigen Geschwister Alois, Anton, Xaver, Emiliana und die minderjährige Tochter der verstorbenen Maria verehelichte Meßmer erhielten zusammen eine Erbabfindung im Betrage von 410 Gulden. Dr. Emil Schennich, Advokat in Reutte, der Vater des Komponisten Emil Schennich, war der außereheliche Sohn der Hildegard Schennich. Er hat im Jahre 1902 das ganze Hüttenmühlanwesen, sohin die Mahl- und Sägemühle samt der Hüttenkapelle und allen Feldern, Aeckern und Wiesen inklusive des unbeschrankten Wasserbezugsrechtes aus dem Achbache und radizierter Mühl- und Sägegerechtsame, den in den Achbach eingebauten Stauwehr mit Wuhrhaus, Schleusen, Rinnwerk, Wasser- und Radstube. Mühlabwasserkanälen, Bleiche und Oedgrund usw. im Erbs- und Kaufswege von den unverheirateten Geschwistern Schennich erworben.

Er ließ sich für einige Zeit in Rattenberg als Rechtsanwalt nieder, verehelichte sich mit Josefa Füsselsberger, die ihm auch einen Sohn, den letzten Spross des alten Geschlechtes, schenkte. Emil Schennich, der das musikalische Talent von seiner Mutter ererbt hatte, wurde ein berühmter Musiker und wirkte lange Zeit im Deutschen Reiche, bis er dem Rufe nach Innsbruck folgte und den Direktorposten des Innsbrucker Musikvereines annahm, woselbst ihn im April 1928 im schönsten Mannesalter plötzlich der Tod aus dem Schaffen riss. Dr. Emil Schennich, der vor seinem im Jahre 1910 erfolgten Tode mit seiner Familie nach Reutte übersiedelte, war einige Zeit hindurch Vizebürgermeister der Marktgemeinde Reutte. Die Frau Josefine Witwe Schennich geborene Füsselsberger verkaufte im Jahre 1912 das noch vorhandene, jedoch fast entwertete Anwesen an die Gemeinde Pflach, die das alte, dem Zerfalle geweihte, von geisterhaften Sagen umsponnene Hüttenwerk samt den umliegenden Plätzen und allen Rechten im Jahre 1919 an Kommerzienrat Schretter verkaufte, während sie die Hüttenkapelle und die übrigen Liegenschaften behielt. Kommerzienrat Schretter wandelte die alte Hüttenmühle in eine moderne Holzschleiferei und Pappefabrik um, die jedoch bereits kurz vor seinem Tode wieder ihren Betrieb einstellte. Die Hüttenkapelle steht heute noch im Besitze der Gemeinde Pflach. Die jeweiligen Besitzer des sogenannten Hüttenmühlanwesens sind heute noch verpflichtet, zur Erhaltung der Inneneinrichtung der Kapelle beizusteuern.





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