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Klein-Meran

Wie Rauth zu diesem Namen kam






Außferner Bote vom 20. Jänner 1927
Klein-Nizza contra Klein-Meran oder Haller gegen Rauth. Frl. Herzog aus München, ein langjähriger Nesselwängler Sommergast, hat in diesem Blatte den auf dem Rücken der Krinnenspitze gelegenen Weiler Rauth, der Dornröschen Stille und Einsamkeit zu entreißen versucht und ist dafür eingetreten, diesen besonnten Erdenfleck zu einem Höhenluftkurort mit Sanatorium auszugestalten, der auch treffliche Gelegenheit für Ski- und Rodelfahrten für den Sportler bieten würde. Die windgeschützte, autofreie Lage, die reine, staub-, rauch- und dunstfreie Luft, erfüllt vom Duft herrlicher Tannenwälder des Birkentals und würziger Alpenflora, seine von hohen Graten umkränzte Lage mit herrlicher Aussicht, böten dem Genesung Suchenden das Arkanum zu seiner Gesundung. Auf sein für hiesige Verhältnisse mildes Klima weist der Umstand hin, daß Rauth die Brutstation für sämtliche Krautgärten des Tales einst war und es zum Teil noch ist. Die Sonnenscheindauer übertrifft alle Orte des Tales. Auch für einen zugkräftigen Namen war die für Rauth mit Recht Begeisterte bedacht: "Klein-Meran" sollte der Ort heißen, der Kranken aller Art Genesung bringen soll. Bis heute hat sich aber für diese Idylle, hoch über der Schlucht des dem Birkentale entrauschenden Weißenbaches, fern dem zermürbenden Geräusch der Autohupen u. Motorraßler leider noch niemand begeistert und es scheint ihm nun Haller den Vorsprung abzugewinnen.

Schon längst hat sich dort eine kleine Kolonie Reichsdeutscher ansäßig gemacht, die in ihren erworbenen Landhäusern die Ferienmonate verbringen. Gleich Rauth zählt auch der Weiler Haller zu den wärmsten und windgeschütztesten Siedlungen des Tannheimertales. Die terassenförmige Lage des kleinen Weilers ist für eine Villenanlage in geradezu idealer Weise geschaffen. Was aber ganz besonders magnetisch auf Haller wirkt, ist dessen unmittelbare Lage am Nordostufer des Haldensees. Nur der Mangel eines geeigneten Gasthofes ließ bisher dort einen größeren Fremdenverkehr nicht erstehen. Dies sichtbare Hindernis brachte nun einen spekulativen Kopf auf den Gedanken, am Seeufer inmitten dieser Waldidylle eine Fremdenpension zu errichten, die seit Herbst des vergangenen Jahres im Bau steht. See- und Schwimmbäder, Kahn- und Gondelfahrten, ein breit angelegter Korso, werden neben der inneren modern eingerichteten Ausstattung des Pensions-Hotels, das Erholungsuchende Publikum noch mehr an den Haldensee fesseln. Da der zur Gemeinde Nesselwängle gehörige Weiler Haller während der Sommermonate Post- und Autohaltestelle ist, scheinen die dringendsten Vorbedingungen zur allmählichen Entstehung eines Klein-Nizza gegeben.





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