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Burg Liebenthann

Zeitweiliger Regierungssitz der Fürstäbte von Kempten



burg liebenthann
Rekonstruktionszeichnung von Roger Mayrock; 2013

Die Burg Liebenthann nahe Obergünzburg ist ein heute als Burgstall erhaltenes Bodendenkmal. Die aus dem Hochmittelalter stammende Burg, später das Schloss, war über viele Jahre Hauptburg des Fürststifts Kempten sowie Sitz der Vogtei Liebentann.

Das einstige Burgschloss galt als die mächtigste, sicherste und am besten bewaffneteste seiner Art im Allgäu.

Textauszug aus einer der Infotafeln
"Geschätzt, umkämpft, zerstört und wieder aufgebaut
Die Burg Liebenthann stand weithin sichtbar auf einem Sporn, der sich über dem Günztal erhebt. Unterhalb zog die Hauptstraße von Obergünzburg nach Norden. Liebenthann hatte im Laufe seiner Geschichte so viele verschiedene Nutzungen wie keine andere Allgäuer Burg: Es war Adelssitz, Zufluchtsstätte, Tresor, Hauptwaffenplatz, Verwaltungszentrale, Gutshof, Gefängnis, Kloster, Residenz, Sommersitz und schließlich Steinbruch..."

Geschichte


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Wappen der Wolfsattel

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Erst Erwähnungen der Burg stammen aus den Jahren um 1220 - vermutlich im Zusammenhang mit den Staufern. 1245 nennt man die Brüder Konrad und Heinrich von Wolfsattel, sowie Volkmar von Ronsberg als Besitzer. 1370 gelangt die Burg an die Herzöge von Teck - die zu dieser Zeit ihren Sitz in Mindelheim festigten - und 1389 im Zuge des Städtekriegs an Herzog Stefan von Bayern.
Die darauffolgende Zeitspanne war von raschen Besitzwechseln geprägt (Beros von Rechberg (1439), Hans Stein zu Ronsberg (1442)), bis 1447 schließlich das Fürststift Kempten die Burg erwirbt und als Sitz der Klostervogtei einrichtet.

1479 erfährt die Burg über dem Tal der Östlichen Günz einen weiteren Um- und Ausbau und steigt schließlich zur Hauptburg des Fürststifts auf. Auch deswegen, da die Burg wesentlich besser gegen Angreifer in den damals unruhigen Zeiten zu verteidigen war, als das Fürststift in Kempten selbst.

Bis 1480 wird die Burg also mit zahlreichen Feuergeschützen aufgerüstet um sich schließlich 1491 einer ersten großen Bewährungsprobe unterziehen zu müssen. Der Bauernaufstand tobt im Land und die Burg wird von Fürstabt Johann Rudolf von Riedheim - nachdem er die Bauern trotz Hungersnot und Armut zu hohen Steuerzahlungen nötigte - als Zuflucht gewählt. 1525 ist es dann der Fürstabt Sebastian von Breitenstein, der im Verlauf des Bauernkriegs Schutz innerhalb der Burg sucht - durch die Bauern belagert, ist er aber gezwungen die Burg an die Besatzer zu übergeben. Diese Rauben sämtliche fürststiftischen Schätze und brennen die Burg nieder.

Etwa im Zeitraum der 1550er Jahre wird der Wiederaufbau von Liebenthann abgeschlossen und die Fürstäbte ziehen wieder in die neu errichtete Burg ein.

1564 dient sie als fürststiftischer Fluchtpunkt, da die ersten Pesttoten in Kempten für Angst und Schrecken sorgen.

1632 zerstören die Schweden im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs die Burg.

Ab 1642 dient Liebenthann dann als Sitz des Pflegamts und zeitweilige Unterkunft der Fürstäbte - gerade so lange, bis der Bau der Fürstäbtlichen Residenz in Kempten fertiggestellt war. Ab 1688 weilte nicht einmal mehr der Pfleger selbst auf der Burg.

1802 wird die Burg im Zuge der Sekularisation dem bayerischen Königreich einverleibt um dieselbe auch gleich wieder auf dem Verkaufswege zu veräußern. 1807 werden die maroden Mauern zum Abbruch freigegeben. 1870 bricht man als letztes Relikt der ehemals weitläufigen Bauten die übrig gebliebene Burgkapelle ab.

Quellen, verwendete Literatur


  • Burg Liebenthann auf Wikipedia
  • Geschichte des Allgäus - Band II - Franz Ludwig Baumann (1883)


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