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Joseph Anton Koch









der Künstler Joseph Anton Koch
Geboren: 27. Juli 1768 in Obergiblen bei Elbigenalp
Gestorben: 12. Januar 1839 in Rom
Beruf: Maler von Landschafts- und Historienbildern

Joseph Anton Koch kam als eines von 12 Kindern eines armen Hirten und Kleinhäuslers - einem Zitronenhändler aus Lermoos - und der Elisabeth (geborene Bortner) zur Welt. Acht seiner Geschwister verstarben jedoch bereits in jungen Jahren. "Seine Schulbildung erhielt er bei Lucas Liskodin einem Waldbruder, welcher auf dem Oelberge bei Elbigenalp hauste." Früh bemerkte man die Begabung des Jungen, der sich die ersten künstlerischen Schritte als Autodidakt aneignete und bereits mit 9 Jahren bei der Landvermessung durch Blasius Hueber (Atlas Tyrolensis) assistierte und sich als fleißiger Gehilfe hervortat. "Nun wurde aber seine Lieblingsbeschäftigung unterbrochen, indem seine jüngere Schwester mit Befehlen von Haus eintraf, daß er in Krabach hinter Steeg die Schafe zu hüten habe. Aber selbst da zeichnete er mit dem Stab in den Sand, mit der Messerspitze auf Baumrinden, mit Schieferstangen auf Steinplatten. Seine Mutter sammelte Verdienst halber, Alpenwurzeln, Kräuter und Pech, woher sie den Namen Pecherin erhielt und machte dabei nicht so schlechte Geschäfte, indem sie diese Gegenstände in's Ausland verhandelte. Da durfte mitunter auch Koch mit und kam sogar nach Augsburg vor den Weihbischof Baron von Umgelter, der bei einer Firmungsreise in's Lechthal seine Zeichnungen sah und das Talent zu unterstützen versprach."
"Zur 100jährigen Geburtsfeier des Maler Koch", in: Neue Tiroler Stimmen im Juli 1868

Er verließ daraufhin bereits als 15-jähriger das Lechtal, studierte jedoch erst in Dillingen Theologie, da seine Mutter einen Geistlichen aus ihm machen wollte. Dort fand er einen weiteren Gönner, den aus Bach (Winkl) stammenden Geheimrat und Prokanzler der Universität Dillingen Josef Anton Schneller. Schneller verstand, wonach Koch der Sinn stand und weshalb die theologischen Studien ihn nicht begeistern konnten. Er bat, dass der Weihbischof ihn mit nach Augsburg nahm und bei einem Bildhauer in die Lehre gab. Doch auch diese Lehrstelle war nichts für Koch, da man ihn dort wohl misshandelte. Wieder fand er Unterstützung durch den Weihbischof Umgelter, woraufhin er ab 1785 (1787?) die Karlsschule in Stuttgart besuchte.

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Koch's Geburtshaus in Obergiblen
Dort machte Koch große Fortschritte - man betrachtete ihn nicht selten sogar als Wunderkind. Nachdem er zu seiner Firmung ein Stipendium vom Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen erhielt und er immer wieder als Malergehilfe zu verschiedenen kleineren Arbeiten herangezogen wurde, er sich aber wegen der allzu gestrengen Führung und der elitären Erziehung an dieser Schule auflehnte, reifte in ihm der Gedanke zu fliehen. Auch die politischen Ideen der Französischen Revolution jener Zeit gefielen ihm, was ihm umgehend noch mehr Probleme einbrachte. Eine kurzzeitige Inhaftierung bewog ihn 1791 zur Flucht nach Straßburg. In den nächsten Jahren hielt sich Koch zumeist für ausgedehnte Wanderungen durch die Alpentäler in der Schweiz auf. Ab 1793 im Umkreis von Basel und 1795 wanderte er schließlich mit seinem Wegbegleiter Lord Langfort über den Gotthardpass nach Italien und zuletzt nach Rom (1796), wo er sich für eine Weile niederließ.

Ab 1797 betätigte sich Koch als Zeichner und beschäftigte sich eingehend mit der Radierung, worauf er unter anderem auch Werke von William Shakespeare illustrierte. Um 1803 widmete sich Koch in Pisa vermehrt der Ölmalerei, um im Anschluss zahlreiche Landschaften rund um Rom in Öl auf die Leinwand zu bannen. 1806 trat er mit Cassandra Ranaldi von Olevano in den Stand der Ehe ein, die Geschehnisse der Zeit um 1809 setzten ihm aber immer mehr zu. Das alles gipfelte in der Hinrichtung seines Landsmannes Andreas Hofer und 1812 beschloss er dann Rom zu verlassen um mit seiner Familie nach Wien zu ziehen. Bis 1815 war er dort tätig, seinem Schaffen war jedoch in der Residenzstadt kein Erfolg beschieden und überdies scheint er recht oft in der Gesellschaft anzuecken. Gerade in feineren Kreisen gibt es offenbar Gemauschel, auch wegen seines Auftretens: "Sein Erscheinen war überhaupt für Oberflächliche ungenießbar. Von mittlerer Größe in's Beleibte übergehend, hatte er ein eigenthümliches Gesicht und Auge, das seinen innewohnenden Geist nicht vorschnell verrieth. Auch seine Manieren hatten etwas von der kecken Ironie seines Künstlertalentes, seine Sprache war mehr eigenthümlich, als gut und seine Kleidung oft kaum geziemend in Bezug auf Güte und Zuschnitt."
"Zur 100jährigen Geburtsfeier des Maler Koch", in: Neue Tiroler Stimmen im Juli 1868

1816 kehrt er Wien den Rücken und abermals nach Rom zurück. Als inzwischen geachteter Künstler und beliebter Mitmensch schuf er romantische Werke mit heroischen Landschaften und tat sich bald auch als Führer der deutschen Künstlerkolonie, den sogenannten 'Deutschrömern', hervor.
Mit ihm kam aus dem Außerfern ein Künstler, welcher zu seiner Zeit Weltruhm erlangte und einen ausgezeichneten Ruf bei Kunstkennern genoss. Trotz des Erfolgs lebte Koch und seine Familie stets in eher ärmlichen Verhältnissen.

"Koch saß von fürh bis spät mit seinem Pfeifchen vor der Staffelei ober beim Zeichnungstisch, ließ sich durch hohe Besuche nicht sehr unterbrechen und arbeitete bis in das Kleinste der Bilder. [...] Dabei war er von Künstler gern gesehen und ihr Freund, welcher neidlos ihre Arbeiten prüfte und anderkannte. Er lebte einfach und sparsam, der Verdienst deckte nur die laufenden Auslagen. [...] Reich wurde er dabei nicht und wollte es auch nicht auf Kosten der Kunst werden, und tadelte dies sogar, indem er sagte: 'Das Hungerleiden des Malers und der Geiz des Patrons sind in vielen Bildern verewigt.'..."
"Zur 100jährigen Geburtsfeier des Maler Koch", in: Neue Tiroler Stimmen im Juli 1868

Später hatte er durch ein Gichtleiden Schwierigkeiten zu malen, die zitternde Hand zwang ihn häufig die Arbeit zu unterbrechen. Zuletzt drohte er zu erblinden und wäre gänzlich in die Armut abgeglitten - Kaiser Ferdinand sicherte ihm jedoch eine jährliche Pension von 600 fl. zu. Ein Schlaganfall ließ ihn jedoch nicht allzu lange in den Genuss dieser Pension kommen. Am 12. Jänner 1839 verstirbt Koch.

"...einer der größten Maler seiner Zeit, zugleich der edelste Mensch und der wärmste Vaterlandsfreund. Schöpferische Genialität, poetische Auffassung der Natur, Großartigkeit und Anmuth in der Bewegung und Form, und Wahrheit im Ausdrucke werden in Kochs Bildern von den Kunstrichtern einstimmig anerkannt – von Allen bewundert..."
Tirol und Vorarlberg - Johann Jakob Staffler (1841)

Werke







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