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Josef Anton Lumpert

Ein Lechtaler als Bürgermeister von Wien



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Foto: Ken Hori (Pixabay)


Dr. Rudolf Granichstaedten-Czerva - 3. Feb. 1927
Dort, wo der Lech bei Häselgehr längs des Gebirgszuges fließt, führt der sich daneben hinziehende Talweg zum Weiler Köglen, einem Teil der nächsten Dorfgemeinde Elbigenalp, politischer Bezirk Reutte. Köglen ist ein kleines Oertchen mit 14 Häuser und 87 Einwohner und liegt 1036 Meter über dem Meeresspiegel. Hier wurde am 12. November 1757 Josef Anton Lumpert geboren. Sein Vater Christoph betrieb Handelsgeschäfte mit der Schweiz.

Aus der Ehe seiner Schwester Maria Anna Lumpert mit dem Bäcker Georg Falger, stammte der berühmte Lechtaler Lithograph und Maler J. A. Falger (1791 —1876), Lumpert, von seinen Eltern für den geistlichen Stand erzogen, besuchte das Gymnasium und die philosophische Schule in Innsbruck, weil er aber keine Neigung zum geistlichen Stand besaß, ging er am 9. November 1780 nach Wien, um dort Jus zu studieren. Nach beendetem Studium trat er am 9. Jänner 1786 bei dem "peinlichen Richteramte" des Wiener Magistrats, das seit 1. November 1783 auf Befehl Kaiser Josef II. neu organisiert worden war, in Dienst. Im November 1786 erhielt er eine angesuchte aber nicht systemisierte Registrantenstelle, im März 1789 wurde er Rechtsprotokollist des Kriminalsenates, im Mai 1791 Sekretär dortselbst, worauf er in gleicher Eigenschaft im Jahre 1794 in die höhere Gehaltsstufe aufrückte; nachdem er infolge seiner ausgezeichneten Dienstleistung von dem k. k. niederösterreichischen Appellationsgerichte ohne vorangegangene Richteramtsprüfung die Wahlfähigkeit zu einer Kriminalratsstelle erlangt hatte, wurde er am 9. Februar 1795 zum Kriminalrat gewählt und als solcher beeidigt. Die Zahl "Neun", die er als seine "goldene" Zahl betrachtete, spielte in seinem langen Leben überhaupt eine große Rolle.

Am 29. September 1814 wurde Lumpert Vizebürgermeister und nach dem Tode des Bürgermeisters Stefan v. Wohlleben (1805 bis 1823) am 9. Dezember 1823 nach dem Prinzipe der Anciennität wirklicher Bürgermeister der Reichshauptstadt und k. k. Rat. Er war ein ehrenhafter, wohlmeinender Mann, der aber der Verwaltung des Gemeindewesens einer Großstadt recht fremd gegenüberstand. Die Folge seines ängstlichen Sinnes war, daß die Amtsführung des Magistrates eine so schleppende wurde, daß er als Behörde jedes Ansehen verlor und die Klagen der Bevölkerung immer lauter wurden. Da bestimmte Kaiser Franz im September 1834 Lumpert zum Rücktritt, um eine jüngere und energische Kraft auf diesen wichtigen Posten zu stellen, die man in Anton v. Leeb (Bürgermeister von Wien 1834 bis 6. November 1837) fand.

In Lumperts Bürgermeisterzeit in Wien fällt die große Ueberschwemmungs-Katastrophe in der Nacht vom 28. Februar auf 1. März 1830, die Cholera, an der in der Zeit vom 16. August 1831 bis 17. Februar 1832 in Wien 1975 Menschen starben, die Panik infolge der Nachrichten über die Pariser Revolution (25. Juli 1830) und der tragische Tod des Herzogs Napoleon II. Franz Josef Karl v. Reichstadt (22. Juli 1832 zu Schönbrunn).

Seine Zeitgenossen rühmten an Lumpert seinen hellen Verstand, den gewandten Blick, den reichen Schatz von Kenntnissen und Erfahrungen, die leidenschaftslose Ueberlegung und Ruhe, die Genauigkeit und Klarheit, seine gediegene Vollendung im Vortrage und seine lautere, unbeugsame Gerechtigkeit.

Am 9. Jänner 1837 vollendete Lumpert sein 40. Dienstjahr im Wiener Gemeindedienste. Er überlebte dieses Jubiläum nur um wenige Monate; denn am 10. April 1837 starb er, achtzigjährig in seiner Wiener Wohnung, innere Stadt Nr. 46 (heute Kohlmessergasse 3). Er wurde in dem jetzt aufgelassenen St. Marxer Friedhofe zu Wien in der 24. Reihe links, Grab 2023 begraben. Das Grab mit dem Grabstein existiert heute noch. Zu seinem Andenken haben ihm seine Mitbürger eine Gasse im 5. Bezirke "Lumpertgasse" getauft, doch wurde die Gasse später in "Kettenbrückengasse" umgetauft. Die Witwe Lumperts, der zeitlebens sehr oft seine Heimat Elbigenalp besuchte und mit großer Liebe an Tirol hing, zog sich nach dem Tode ihres Gatten nach Elbigenalp zurück und widmete dort die letzten Jahre ihres Lebens der Wohltätigkeit und Armenpflege. Sie stiftete auch (21. September 1837) eine Glocke für die Kirche in Elbigenalp.


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