Sonntag - 17. Nov. 2019


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Brennnesseln


Brennnesseln‣ lat. Name: Urtica ‣ Familie: Brennnesselgewächse





1. Das Beschneiden der Nesselpflanzen
2. In großen, mit kochendem Wasser angefüllten Behältern wird die Pflanze aufgeweicht
3. Im Trockenofen werden die gewaschenen und entwässerten Nesseln getrocknet
4. Die verarbeitete Nesselfaser kommt aus dem Wolf

Ein nützliches Unkraut: Die Verarbeitung der Brennessel, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen für uns eine von Tag zu Tag steigende Bedeutung gewinnt.

Die Verwendung der Nessel als Textilpflanze hat das so verachtete Unkraut zu gebührenden Ehren gebracht. Es wurden zwar vor Einführung der Baumwolle die Bastfasern der großen Nessel zu einem leinwandartigen Zeug verarbeitet, das meistens ungebleicht zur Verwendung gelangte, doch hat die Billigkeit und Güte des Baumwollgespinstes dieses Gewebe bald verdrängt. Erst die Unmöglichkeit, Baumwohllrohstoff infolge der englischen Blockade in genügender Menge zu beziehen, sowie der durch den Krieg gesteigerte Bedarf an Stoffen, brachte die Brennessel zu vollen Ehren. Ihre Verarbeitung für die Zwecke der Heeresverwaltung nahm immer mehr wachsende Dimensionen an und gab der ins Stocken geratenen Textilindustrie regeren Impuls. Mit Unterstützung der Behörden, Schulen und Spitäler wurde an das Sammeln der plötzlich so ungemein wichtig gewordenen Pflanze gegangen. Die gesammelten Bestände werden von bestimmten Stellen aus an die in Frage kommenden Fabriken weitergeleitet. Das Zubereiten des Rohstoffes geschieht in gleicher Weise wie bei Flachs und Hanf. Das Verspinnen der Fasern erfolgt ohne Veränderung der Maschinen in den bisherigen Spinnfabriken.

Außer Tuch wird auch Leinen hergestellt, man fertigt aus dem Nesselgarn Wäsche, Decken, Uniformstoff. Die Verwendung ist so mannigfaltig, daß der Bestand an Brennesseln fast nicht mehr für den Bedarf genügt. Die seit 1875 betriebene Agitation zur Vervollkommnung der Nesselfaserindustrie, die bisher erfolglos geblieben war, hat plötzlich ohne eigenes Zutun ihr Ziel erreicht. Daß nach dem Kriege diese Industrie wieder verschwinden wird, ist nicht zu befürchten. Die neueste Nesselforschung hat ergeben, daß Deutschland und Oesterreich-Ungarn durch Nesselfaserersatz den Ausfall an Baumwolle teilweise ersetzen können.

aus "Das interessante Blatt", Nr. 52 (28. Dez. 1916)



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