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Die Enge

aus vergangenen Tagen



Ausferner Bote vom 26. November 1925
"In einer schriftlichen Aufzeichnung des im Jahre 1909 verstorbenen Franz Xav. Nenning, der als Unteroffizier den bosn. Okkupationsfeldzug im Jahre 1878 mitmachte, finden wir bereits 1805 Korbinian Rösch von Enge genannt, der im damaligen französisch-österreichischen Krieg, den Kaiser Franz I. im Bunde mit Rußland und Großbritannien abermals gegen Napoleon führte, bei Grän auf dem Schlachtfeld stand. Da Tirol durch den Preßburger Frieden an Bayern kam, mußte Rösch 1809 als bayer. Soldat gegen Oberösterreich kämpfen. Schon im Jahre 1804 soll der Fußweg von der Einmündung des Seebenbaches in die Seebachalpe, jetzt Ochsenhof genannt, vom Rappenschrofen gegen den Wachtkopf hin, um einen feindlichen Einfall zu verhindern, durch Erddämme und Palisaden gegen Bayern verrammt oder verschanzt gewesen sein.

Die Erinnerung hieran lebt noch in der Ortsbezeichnung "am Schänzle" fort. In nächster Nähe, hart am schmalen Talweg, der noch dazu durch ein eisernes Tor abgesperrt werden konnte, stand das alte österreichische Zollhaus.
Nach dem Preßburger Frieden wurde dasselbe von der bayerischen Regierung aufgehoben und der darin als Zolleinheber stationiert gewesene Korbinian Rösch brachte es käuflich an sich. Später erwarb dieser auch von Johann Georg Ries in Grän die in der Nähe gelegene Kohlstätte samt Kohlhütte, worin er sich durch Zubau für den Betrieb einer kleinen Bauerschaft häuslich einrichtete. Nebenbei wurde darin von seinem Weibe Juditha, geb. Zobl eine kleine Schankwirtschaft betrieben. Diese wurde noch von seinem Nachfolger Bonaventura Nenning (aus dem Walsertale stammend), der dessen Tochter Rosa zur Lebensgefährtin hatte, ausgeübt, vom späteren Besitzer aber nur mehr die Gerechtsame durch Entrichtung der Steuer aufrecht erhalten. In Hinblick aus die erste Schankwirtin nennen daher die Pfrontner heute noch die Behausung "beim Judithle", statt wie die Dorfbewohner "beim Nenning".

Die Söhne des Korbinian Rösch, Johann und Korbinian jun. treffen wir im Feldzug zur Unterdrückung des Aufstandes in Ungarn im Jahre 1848. Johann starb daselbst während desselben im Spitale zu Az. Korbinian fiel später in der Schlacht bei Piacenza in Italien. Zur weiteren Ergänzung [...] ist nachzutragen, daß in den Freiheitskriegen von 1809 und 1813 nicht nur Michael Zobl, sondern auch dessen Bruder Johann beteiligt war.

An das Jahr 1809 knüpft sich ferner folgende Erinnerung. Johann Wagner von Enge (Hs.-Nr. 5) war eines Tages mit einem Kameraden hinter dem Wachtkopf mit Holzfällen beschäftigt. Dabei kam unversehens ein großer Stein ins Rollen, der unter starkem Gepolter den Berghang hinabsauste und einer feindlichen Patrouille, die die Grenze abstreifte, über die Füße hinwegkollerte. Eine böswillige Absicht vermutend, wurden die beiden Arbeiter von der erbitterten Streifwache zu sich beordert. Sie eilten im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit über das "Schützengängle" den Berg hinab zum Wege und wurden dann von dort, von der berittenen französischen Wache mit gezogenem Säbel, im Laufschritt nach Füssen transportiert. Halb tot kamen sie in Füssen an und wurden daselbst zwanzig Tage eingesperrt, während welcher Zeit sie großen Mißhandlungen ausgesetzt waren. Nach der Rückkehr soll sich Martin Wagner aus Furcht vor dem Feinde "hinter das Wänkle" hinter die Spitze des Aggenstein geflüchtet und versteckt gehalten haben."





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