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Der 1. Weltkrieg






Für das Jahr 1915 rät der Verein der Hütkinder von einer "Schwabenfahrt" ab. Das, obwohl die Anfragen der Eltern in diesem Jahr besonders hoch sind und die Zahl der Hütkinder für dieses Jahr besonders hoch wären. Der Verein meldet jedoch seine Bedenken bei den Interessierten an, die sich darauf bezogen, dass die männlichen Arbeitskräfte durch den Einzug zum Kriegsdienst sowieso schon drastisch gesunken wäre und man jede Hand in der Heimat dringend brauchen würde.

Noch dazu traf die Last der Kriegsversorgung die deutschen Länder besonders hart und man fürchtete, dass in den Haushalten welche die Hütkinder aufzunehmen bereit wären, der Sparstift vor allem bei den fremden Kindern angesetzt werden würde. Noch dazu, so malt man sich aus, würde von den Kindern und Jugendlichen aus Tirol und Vorarlberg vermutlich noch die größere Arbeitsleistung verlangt, als dies schon in normalen Jahren der Fall wäre.

Trotzdem wünschte man sich in vielen Tiroler Gemeinden, dass die Auswanderung der Schwabenkinder auch in diesem Jahr zustande käme. Auf den armen Höfen versuchte man einfach jeden zusätzlichen Esser vom Tisch zu bekommen.

Die Notlage im Außerfern


"Herr Sekretär Feichtinger verwies auf die in jeder Hinsicht günstige militärische Lage, nach der der Enderfolg nur mehr vom wirtschaftlichen Durchhalten abhänge. Die Vorräte seien nun in jeder Richtung zu Ende und unsere letzten Reserven seien die Viehbestände. In ergreifenden Worten schilderte der Redner die Not in den Städten und erklärte es als eiserne Notwendigkeit, heute in unsere Viehbestände einzugreifen, um die Millionen in den Städten zu erhalten. Sobald wieder mehr Zuschübe an Getreide, und Mehl erfolgen, werde auf eine Herabsetzung der Fleischquote gedrängt werden. Gegen die übermäßigen Anforderungen der Heeresverwaltung müsse mit allen Mitteln Stellung genommen werden. Auf Grund der neuen Viehzählung werde von nun an eine gerechtere Aufteilung erfolgen, bei der die kleinen Besitzer mehr geschont werden. Bezüglich der Lieferung von Nutzvieh an das Zillertal erklärte der Redner, dass das eine freiwillige Sache sei und keine Gemeinde dazu gezwungen werden könne. Jede Gemeinde habe es in der Hand, den Abverkauf von Vieh zu verhindern. Der Gemeindevorsteher von Tannheim referierte über die traurigen Ernährungsverhältnisse im Tannheimertal. Das Tal, das kein Getreide erzeuge, und ganz auf die Einfuhr angewiesen sei, habe man in Innsbruck bei der Ernährung ganz vergessen, nicht aber die Einberufungen, Steuern und Requisitionen. Die Leute haben nicht einmal mehr ein Stück Brot. Es sei Zeit, dass der Herrschaft der Zentralen ein Ende gemacht werde. Altbürgermeister Bauer brachte folgende Resolution in Vorschlag:
'Die Abgeordneten werden ersucht, bei der Regierung mit aller Energie darauf hinzuwirken, dass eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln für den an Bodenerzeugnissen armen Bezirk Reutte in die Wege geleitet wird. Zunächst ist im Bezirk so viel Milch, Butter und Käse zu belassen, dass die einheimische Bevölkerung nicht Not leidet. Äußerst wichtig ist die Zuweisung von so viel Edelmehl, dass Brot gebacken werden kann. Der Bezirk Außerfern bekommt in Bezug auf seine Produktion, in sich abgeschlossen und aller Zuschübe bar, so wenig, dass er leider genötigt ist, um fortbestehen zu können, seine einzig mögliche Abgabe von Milch, Butter und Käse notgedrungen zu vermindern, insolange eine entsprechende Erhöhung der Mehlzuschübe nicht erfolgt.'

Bei der Wechselrede über diese Angelegenheit kam so recht das traurige Los des vernachlässigten Außerfern zum Ausdruck, dass ohne Mehlzuschübe, und ohne Kartoffeln direkt hungert, und es wurde der Bezirk mit Recht als der schlechtversorgteste und ärmste des Landes bezeichnet. Bezirksobmann Bauer besprach dann den unheilvollen Einfluss einer verfehlten Preispolitik auf die Produktion und beantragte folgende Resolution:
'Die Herren Abgeordneten werden ersucht, die Regierung mit allem Nachdruck auf die große Gefahr aufmerksam zu machen, die durch die, die Erzeugungskosten nicht mehr deckenden niederen Preise von Milch und Butter entsteht; dadurch werden die Bauern gezwungen, die Milchwirtschaft aufzugeben und sich einzig auf die Viehzucht einzurichten. Im Interesse der Konsumenten und ganz besonders in Rücksicht auf die Versorgung der Städte ist dringend zu verlangen, dass die Milchpreise auf mindestens 50 h per Liter und der Butterpreis auf 10 K per Kilo erhöht wird.'

Nach Annahme dieser Resolution wurden noch Forderungen bezüglich Zuweisung von Leder(?) erhoben, da unter den jetzigen Verhältnissen eine Bearbeitung besonders der Bergmähder für weiterhin geradezu unmöglich sei."

Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 7. Mai 1918




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