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Franz Josef Wolf

Weltpriester und Theologie-Professor aus Ehenbichl




Franz Josef Wolf - Foto: Friedrich Juen (Gargellen)


Grabstein des Josef Wolf bei Bludenz
- Foto: Friedrich Juen (Gargellen)
In Ehenbichl kommt am 5. Oktober 1818 der kleine Franziskus Josephus Wolf als 2. von insgesamt 7 Kindern des Maurers und Meßmers Josef Wolf und seiner Gemahlin Elisabeth (geb. Pahle) zur Welt.

1833 wird er als Schüler am k.k. Gymnasium der Franziskaner in Hall aufgenommen. Von 1837 bis 1839 studiert er Philosophie an der Universität Innsbruck und danach bis zum Jahr 1843 Theologie am Fürstbischöflichen Seminar in Brixen.

Im Juli 1843 erhält Josef Wolf durch den Fürstbischof Bernhard Galura die Weihe zum Diakon und eine Woche darauf, jene zum Priester. Seine erste Stelle als Aushilfspriester tritt er 1845 in Garmisch an und fungiert ein Jahr darauf als Kooperator in Ehrwald, wo er zwei Jahre bleibt um danach für drei Jahre in der Pfarre Wängle seinen Dienst zu tun.

Den Geistlichen zieht es jedoch bald in die Fremde und er wird als Vikar in Löffingen (Erzdiözese Freiburg im Breisgau) bestellt, wo er bald in die Auseinandersetzungen des sogenannten "Badischen Kulturkampf" hineingezogen wird - also dem Streit zwischen der katholischen Kirche und dem Großherzogtum Baden als weltliche Macht. 1852 kommt es - nachdem sich Josef Wolf offen auf die Seite des Erzbischofs Hermann von Vicari und der katholischen Kirche gestellt hatte - nach seiner Pfingstpredigt zur Anzeige und zahlreichen Verwerfungen mit den Badischen Behörden.

Es folgt 1853 die Versetzung als Pfarrverweser nach Todtmoos im Schwarzwald, wo er sich jedoch nicht lange aufhält und bald nach Donaueschingen zieht. Hier gerät er abermals in den Konflikt zwischen dem Erzbischof und der eher staatskirchlich orientierten Gemeindeführung - es werden zahlreiche Strafen verhängt und beinahe ebensoviele Hausdurchsuchungen vollzogen. Anfang 1854 wird Wolf schließlich, nachdem er auch von der örtlichen Presse diffamiert wurde, verhaftet und unter Hausarrest gestellt.

Die angestrebte Gefügigmachung des Pfarrverwesers Wolf fruchtet jedoch nicht und schon nach der nächsten Pfingstpredigt wird dieser erneut festgesetzt und durch das Badische Bezirksamt Donaueschingen nach langen Verhören in Haft genommen. Wolf wird nach dem Urteil des Hofgerichts Konstanz: "Der Angeschuldigte Pfarrverweser Wolf in Donaueschingen sei der Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung mit Mißbrauch seines Amtes für schuldig zu erklären und deßhalb zu einer auf der Festung zu erstehenden Gefängnißstrafe von acht Wochen zu verurtheilen und in die Kosten des Strafverfahrens und der Urtheilsvollstreckung zu verfällen." - schließlich in das Amtsgefängnis zu Hüfingen eingesperrt.

Der Bruch zwischen ihm - dem Befürworter der kirchlichen Eigenständigkeit - und den getreuen Badener Staatsbürgern klaffte immer weiter auseinander und es kommt zu einer Abstimmung über den Verbleib von Josef Wolf in Donaueschingen. 433 Bürger der Stadt hatten gegen ihn gestimmt - lediglich 17 für seinen Verbleib. Aber nicht nur die Stadt Donaueschingen will ihn ausweisen, am 22. Juni 1860 folgt letztlich die gänzliche Ausweisung aus den Badischen Staatsgebieten.

Josef Wolf tritt die Heimreise an, kommt über das Kloster Rheinau (CH) zurück nach Ehenbichl um seine Angelegenheiten zu ordnen. Ende des Jahres 1860 zieht er als Beichtvater der Salesianerinnen nach Hall und dient von 1861 bis 1863 als Spiritual am Priesterseminar in Brixen - wo er auch durch den Fürstbischof Vinzenz Gasser zum Professor des Kirchenrechts an der Theologischen Diözesan-Lehranstalt ernannt wird.

Beinahe genau fünf Jahre hatte Wolf diesen Titel getragen, als eben dieser Bischof Vinzenz Gasser denselben wieder entzog. Die kantige Persönlichkeit Wolfs und dessen Meinung zu den Themen "bedingter Gehorsam" und "pflichtschuldiger Ungehorsam" stießen auf wenig Gegenliebe bei Gasser. Auch spätere Fürsprecher konnten die Einstellung des Bischofs gegenüber Wolf nicht bereinigen.

Am 7. März 1881 wird Josef Wolf schließlich als Pfarrprovisor von Lustenau (Vorarlberg) eingesetzt - weit weg von Brixen - ebendort stirbt er am 17. Jänner 1883.

Quellen:


Karl-Heinz Stadelmann; Der Wolf der nicht mit den Wölfen heulen wollte (2006)
Richard Lipp; Kirchengeschichte Breitenwang und Reutte, S. 360 - 364 (2014)
Eduard Rauth; Ortschronist Ehenbichl
Friedrich Juen; Gargellen (Bildmaterial)


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