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Die Wilderer

von Wildschützen und Wildbret-Dieben



Gams - Gamsbock - Illustration
Bereits im Mittelalter gab es immer wieder Fälle von Wilderei. Ihren Höhepunkt erlebt sie jedoch jeweils in Zeiten der Armut und kriegerischer Vorgänge. Um zu überleben, musste der Speisezettel der zumeist kinderreichen Familien häufig auch auf das Wild ausgeweitet werden.

"Ein freches Stückchen leistete sich vor einiger Zeit ein Wilddieb. Ein Jagdherr aus Reutte hatte Weidmannsheil gehabt und einen kapitalen Gemsbock geschossen. Als er jedoch seine Beute von der Talsohle, wohin sie abgestürzt war, holen wollte, fand er nur mehr Schweiß, aber keinen Gamsbock, der offenbar in der Zwischenzeit in andere Hände gefallen war. Zwei Tage später aber erhielt er mit der Post die Schalen des Bockes mit einem etwas ironisch klingenden Gruß von einem alten Freunde, der es aber vorzog, unbekannt zu bleiben, zugesandt."

In seinem Werk über die Geschichte des Allgäus schreibt Ludwig Baumann 1883: "...die Hegung des Wildes und die damit für sie verbundenen Nachtheile und Freiheitsbeschränkungen hatten zur Folge, daß auch die Allgäuer Bauern gegen die Jäger tiefen Haß empfanden und den Wilddieben ihre Zuneigung zuwandten.

...geradezu beliebt machte sich auch im Allgäu, dessen nördlichen Theile um Irsee, Ottenbeuren, Börwang, Ittelsburg, Kimratshofen und Aichstetten er wiederholt besucht hat, der heute noch im Volksmunde fortlebende Wildschützen und Räuberhauptmann Mathias Klostermaier aus Kissing in Oberbaiern, der 'baierische Hiesel', der 1771 in Osterzell bei Kaufbeuren von schwäbischen Kreissoldaten gefangen und bald darauf in Dillingen erdrosselt, gerädert, geköpft und geviertheilt wurde. Ein Viertel seines Leibes stellte man zum abschreckenden Exempel sogar in Füßen öffentlich aus..."


Der Volkskundler Christian Schneller wuchs in der Zeit nach den Katastrophenjahren ab 1816 auf. In seinem Aufsatz über das tirolische Lechgau (1864) hält er fest, dass - abgesehen von Reutte und dem Gebiet um den Plansee, welches dem König von Bayern als Jagdgebiet unterliegt - alle anderen "Jagdbezirken Hirsche gar nicht mehr zu finden sind, die Rehe aber ziemlich selten und die Gemsen noch seltener geworden. Jedoch hat es den Anschein, als sollten sich diese letzteren wieder mehren, seitdem sich auch die Zahl der Wildschützen um vieles verringert hat."
Es ist also anzunehmen, dass die Not aus diesen Krisenjahren ab 1816 bis etwa 1850 sich wieder legte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lahmte die Wirtschaft und es kam zu Teuerungen bei den Lebensmitteln, woraufhin auch die Wilddiebe wieder vermehrt auftraten.
So auch im Schwarzwassertal, welches um 1910 von dem Prinzregenten Luitpold von Bayern gepachtet wurde.



An einem Tag Ende November schlichen sich 3 Wilderer in vorgenanntes Gebiet um sich Wildbret zu verschaffen. Im Felsgelände hatten sie bei einem Rudel Gämsen wenig Jagdglück, da sie von den Tieren gewittert wurden und sich dieselben in die versteckten Felsschluchten zurückzogen. Am Rückweg konnte einer der Wilddiebe dann doch noch einen Hirsch erlegen, welcher sofort zerlegt und die Fleischstücke in die Rucksäcke verpackt wurden. Das Treiben wurde inzwischen aber schon von dem Jäger Lutz, dem Bezirksrichter Dr. Tschurtschentaler und dem Jäger Pohler beobachtet. Sie nahmen sofort die Verfolgung auf und versuchten den Vermummten den Weg abzuschneiden.

Tschurtschentaler wollte den ersten Wilddieb stellen, der preschte aus dem Strauchwerk hervor und rief dem Richter zu: "Keinen Rührer mehr, oder ich schieße!" Der Bedrohte konnte sich hinter einen Baum flüchten und wollte schon auf seinen Kontrahenten anlegen, als er bemerkte, dass dessen Gewehr abgeschraubt und somit nicht funktionsfähig war. Blitzschnell verschwand der Wildschütz im Dickicht und konnte nicht mehr aufgefunden werden.

Die sofort eingeleiteten Nachforschungen führten aber bald zu den drei Tatverdächtigen, die sich 3 Monate später vor Gericht zu verantworten hatten.

Im Februar 1912 lautete also der Gerichtsspruch: sechs Wochen schwerer Kerker für Josef Kerle und Adolf Feinerer (Feineler?) wegen Verbrechens des Wilddiebstahls und dem Heinrich Feinerer (Feineler?) wegen Wilddiebstahl und Erpressung, da er durch seine Drohung den Richter zur Unterlassung der Verfolgung zwingen wollte, zu vier Monaten schweren Kerkers.


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