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Die versunkene Stadt Loia und das Mirakelkreuz zu Ried




Fast halbwegs von Martinszell nach Sulzberg unterhalb Ottackers hat bei dem Weiler Ried in unfürdenklichen Zeiten eine Stadt gestanden, Namens Loia. Diese Stadt ist dann später aus nicht mehr bekannten Ursachen versunken, aber an ihr ehemaliges Vorhandensein gemahnten schon wiederholt Ziegelsteine, die man auf dem großen ebenen Platze beim Ackern oder bei Erdarbeiten gefunden hat. Diese Ziegelsteine erwiesen sich an Gestalt jedesmal viel länger und dicker, als wie man sie jetzt macht. Näher dem jetzigen Ried zu soll man sogar schon auf förmliche Mauerreste gestoßen sein.

Auf diesem Felde begab es sich nun vor vielen hundert Jahren einmal, daß eine Wildsau ein goldenes Kreuz mit dem Bildnisse des Gekreuzigten aus dem Boden ausscharrte. Nach andern soll es ein Bauer beim Ackern gefunden haben. Man nahm das Kruzifix in Ehren auf, band es dann zwei zusammengejochten Ochsen auf die Hörner, und wo diese mit dem Kleinod stehen bleiben würden, da wollte man ein Kirchlein bauen und das Kreuz zur Verehrung aufstellen. Die Tiere liefen eine zeitlang; dann blieben sie auf dem kleinen Hügel an der Stelle stehen, wo sich jetzt in Ried die Kirche befindet, die diesem Umstand ihre Entstehung verdankt, und in der das Kreuz seitdem aufgestellt ist. Mehrmals soll man früher schon versucht haben, das Kreuz auch in anderen Kirchen aufzustellen; allein jedesmal sei es dann nachts nach Ried wieder zurückgekehrt. Darum stand dieses Kreuz aber auch im ganzen "Fürstentum Kempten" ehedem in besonderen Ehren, und am Kreuzmittwoch, wo alle Kreuze des Ländchens nach Kempten kamen, durfte keines über die Illerbrücke, ehe nicht das Rieder Kreuz angekommen war, das den Vortritt hatte.
Reiser, 1895




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