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Die verhexte Nagelschmiede



Zur Zeit, als noch der eisengeschmiedete Nagel die Stelle des Drahtstiftes vertrat, gab es auch im Tannheimertale allerorts Nagelschmieden, die heute verödet und leer stehen. Der Schmiedhammer, ein Hammer ohne Finne, das Nageleisen, eine Art Gesenke zur Bildung des Nagelkopfes, der Amboß mit dem Schrotmeisel zum Abschlagen der für einen Nagel erforderlichen Eisenstablänge, sind daraus verschwunden. Manches dieser Geräte mag noch da oder dort in einem Winkel auf der Dille (Dachboden) verborgen sein und könnte vielleicht für ein Heimatkunde-Museum vor dem gänzlichen Verschwinden gerettet werden. Die wenigen noch vorhandenen, abseits der Wohnbehausung stehenden Werkstätten dienen jetzt als Verwahrungsort für Heinzen oder anderen Gerätschaften.

Noch in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts aber herrschte in diesen Nagelschmieden eine äußerst rege Tätigkeit in der Herstellung von teils geschmiedeten d. i. Nägeln mit vier- bis fünfeckigen Köpfen, teils gestempften Nägeln mit halbkugelförmigen Köpfen. In der zum Hause Nr. 5 in der Fraktion Haldensee gehörigen Nagelschmiede sollen zu dieser Zeit das ganze Jahr über drei und vier Gesellen beschäftigt gewesen sein und das Hämmern und Stempfen dauerte den ganzen Tag hindurch, von früher Morgen- bis zur späten Feierabendstunde an, um den angeforderten Bedarf an Nägeln einigermaßen decken zu können. Eines Tages sei aber das Hämmern plötzlich verstummt.

Weder der Meister noch die Gesellen brachten mehr eine Nagelstange in die Form oder der Eisenstab hüpfte von derselben von unsichtbarer Gewalt getrieben unvollendet von selbst wieder heraus. Vergeblich war alles Bemühen, dieser unerklärlichen Erscheinung auf die Spur zu kommen und man bezichtigte schließlich eine Hexe oder einen anderen bösen Geist, die Hand dabei im Spiele zu haben. Deshalb ließ der Besitzer die Naglerhütte benedizieren, worauf in kurzer Zeit die Naglerei wieder ihren geordneten Verlauf nahm.
(Nacherzählt nach Donatus Rief)





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