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Die Saligen Fräulein am Gachtberg




In den Nischen und Höhlungen der Schrofen, die sich neben der Straße zwischen Höfen und Weißenbach senkrecht erheben, hielten sich ehedem salige Fräulein auf, und noch heute nennt man diese Stelle das Hexenplätzle, wo ihr Schloss gestanden habe.
Man sah die Fräulein öfters kochen, aber auch tanzen und springen und dann konnte man gewöhnlich auch lieblichen Gesang und schöne Musik vernehmen. Nicht selten gesellten sie sich zu den Hirten und waren überhaupt gegen die Leute wohlgesinnt. Einmal schenkte ein solches Fräulein einer Lechtlerin für einen erwiesenen Dienst ein Schächtelchen, aus dem ein Zwirnfaden herausragte. Daran dürfe sie nur ziehen, so oft und viel sie wolle; der Zwirn werde nie ausgehen und sie ihr Lebtag Faden genug haben. Nur dürfe sie das Büchslein nie aufmachen. So lange die Frau dieses Verbot beobachtete, hatte sie Zwirn im Überfluß und konnte verbrauchen, so viel sie wollte. Als sie aber nach Jahr und Tag doch einmal die Neugierde plagte und sie aufmachte, ging der Faden aus, und sie hatte sich so ihr Glück verscherzt.

Einmal kam ein Bauer von Höfen mit seinem Ochsengespann an der Stelle vorbei. Da befand sich eine Salige in der Nähe und rief: "Jochtrager, sag der Stuzze Maruzze, Schalingge sei gestorben!" Der Bauer kannte zwar niemand dieses Namens, aber doch erzählte er zu Hause diesen wunderlichen Auftrag. Da fing seine Magd, die zugehört hatte, an zu weinen und zu jammern und sagte, nun müsse sie heim und verließ den Dienst zur Stunde. Dem Bauer war das sehr leid, denn die Magd, die schätzwohl zu den saligen Fräulein gehört hatte, war überaus fleißig und brav gewesen.
Reiser, 1895




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