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Der Kirchenschatz zu Liebenstein




Zwischen Hindelang und Sonthofen liegt nahe an der Straße der Weiler Luibischt oder, wie man gewöhnlich schreibt, Liebenstein. Das kleine, in Kreuzesform erbaute Kirchlein, das auf einem Hügel steht, sei die erste Pfarrkirche in der ganzen Umgegend weit und breit gewesen und steht noch jetzt in hohen Ehren, wird auch noch oft von Wallfahrern besucht. Ehedem wurde hier das heilige Blut verehrt. Im Schwedenkriege aber suchte man das Heiligtum vor den Ungläubigen zu schützen, und der Pfarrer nahm es weg und ließ es mit anderen Kostbarkeiten, einem heiligen Leib, einer kostbaren Monstranz und vielen goldenen Leuchtern, vergraben. In den langen Kriegsjahren aber kam die Stelle, wo diese Schätze ruhen, in Vergessenheit und ist seitdem nicht wieder aufgefunden worden. Zwar hat man schon unter dem Altare und unter den Kirchenstühlen darnach gegraben; aber jedesmal kam ein Feuer oder sonst eine Erscheinung, die am Weitersuchen hinderte und die Grabenden verscheuchte. Um die Kostbarkeiten aufzufinden, beschwor der Ortspfarrer einmal eine betrübte, d. h. vom Teufel besessene Jungfrau von Hindelang, daß sie ihm die richtige Stelle weise. Die Jungfrau gab auch eine Stelle an, wo man graben solle; allein man fand nichts und so auch an einem zweiten Platze. Als nun der Pfarrer die Betrübte zur Rede stellte, warum sie die Wahrheit nicht bekenne, sprach sie: "Wie soll ich die Wahrheit bekennen, da keine Wahrheit in mir ist?"
Reiser, 1895





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