Mittwoch - 21. Aug. 2019


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Das Gespenst im Schlosse Lermoos




Im steiermärkischen Landes-Archiv befindet sich ein Manuskript über Bergwerksachen der österr. Alpenländer; aus der darin enthaltenen Darstellung über die Entstehung des Bergwerkes zu Lermos (Lermes) ist die nachfolgende Spukgeschichte entnommen und hiebei die originelle Schreibweise getreulich beibehalten worden.
Nach B. Weber "Das Land Tirol" (Innsbruck; 1837) liegen am Ausgang des Ferngebirges von Nasseriet im Quellengebiet der Loisach im versumpften Dreieck die Dörfer Bieberwier, Lermos und Ehrwald; im Abstiege nach Bieberwier liegt rechts im Gebirge der Silberleiten, ein uralter, schon im Jahre 1483 bekannter und betriebener Bergbau auf Blei, der noch 1837 jährlich 3600 Zentner Bleierz ergab. Das Dorf Lermos ist die ansehnlichste Gemeinde im Quellengebiete Ler Loisach, sie zählte im Jahre 1837 bei 800 Seelen in 128 Häusern; vom Schloß Lermos selbst wird keine Erwähnung getan; dasselbe ist insoweit bekannt, als eine Notiz über "Den Thurm zu Lermos" aus der Zeit des Kaisers Max I. 1516 vorliegt, daß genannter Kaiser anordnete, daselbst Glasfenster mit verschiedenen Darstellungen anzubringen. (Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des A. H. Kaiserhauses Bd. 18, S. 9.)

Auszug

aus denen Cameral Prolhocollen von den Silber Bergwerken Ehrenberg, Deltz, so ihren ersten Anfang genommen von dem Bergwerk Lermes in unter Innthal. Zu dem ersten Ursprung dieser Bergwerkgabe die erste Bewegung das Schloß Lermes an dem Loysa-Fluß, welcher seinen Laufes Anfang aus dem Plint See hat. Ich bin durch meine Allerhöchste Instanz befehlicht worden, den Nahmen dieser Herrschaften Besitzer zu verschweigen, die weilen annoch Einige von dieser alten Familie am Leben seint, und die Geschichten, so sich bei diesen Bergwerken zugetragen, dieser vornehmen Familie eine Blame anhängen kunte, es ist auch höchst billig, daß man vornehme Leuthe, wann sie noch leben, ja auch wann sie bereits nicht mehr seint, dannoch in Ansehung ihrer Familie schonet.

Diese Begebenheiten bei diesen Bergwerkhen seint also erstaunend, daß, wann selbe nicht mit so villen beschwornen Zeugnissen in denen Archiven und Canzleyen zu ersehen wären, man billig Ursach hätte, an der Gewißheit derselben zu zweifeln, ich werde selbe nach ihren eigenen Original-Schriften allhier beschreiben, oder so mehrer zu sagen, nur abschreiben. Es scheinet frechen und unordentlichen Gemüthern etwas hartes zu seyn, daß Gott vernünftige Seelen so wenig erkenen läßt von der unsichtbaren Welt der Geister, daß unsere Wissenschaft davon so geringe, und daß wir dießfalls nicht mehr durch die Sinnen erfahren; Allein es erweiset sich hierin vielles von der freyen und unbeschränkten Gewalt Gottes, als auch von seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe.
Nun aber will ich zur Berg-Historie den Anfang nehmen wie folget:

Unfern der Bayrischen Gräntze an den Loys-Fluß ist ein altes Schloß, Lermes genannt Lit. R. p. An 1472, von einer sehr adeligen frommen Familie bewohnt, wurde, deren Nahmen, wie vorhin schon gemeldet, nicht nennen darf. Der Herr dieses Schloß war damahls unter Kayserlichen Krieges Truppen, in einer ansehnlichen Militeer-Charge, und lage zu dieser Zeit im Felde vor dem Feind und zwar ville Meil Weegs von dieser seiner Herrschaft; seine Frau, so eine mit allen Tugenden ausgezeichnete Dame und der Gottesforcht sehr zugethan, ware unterdeß auf dem Schloß zu Hauß mit der jungen Herrschaft, welche in zwey jungen Herren und eine Fräule bestunde; Nachdem nun der Herr dieses Schloß schon eine geraume Zeit von Hauß, höret ein Diener öffters in seiner ordinari Wohnstuben und Cabinet, als wann ville Leuth miteinander Sprach hielten; er macht einige Zeit aus dieser Sache nichts, und meldete auch niemand nichts davon bis einsmahl er in das Cabinet ging und zu sehen ob nicht etwa der Staub zu vill überhand nehmete, und anbei die Stuben zu säubern, aber wie erschrak er nicht, als er seinen Herrn in völliger Regiment-Montur in den Cabinet auf und ab spazieren gehen sah, er eylte über Halß und Kopf zur Stuben hinauß, und zu der Dame, meldete ihr alles, was er schon eine Zeit her gehöret und anjetzo gesehen hatte, dieselbe so eine mit Gott versöhnete Frau ware, hatte keine Furcht in ihr, befahle, daß er ihr folgen sollte, und gienge gerats Weeges auf ihres Herrn Stuben loß, und da sahn sie selben auch in seiner ganz vollkommenen Gestalt, und wie er hin und her in der Stube wandlete; Er wandte sich um, nahm den Hut vom Kopf, macht ihr ein Compliment, und verschwande alsobalden.

Die Dame gienge anwwieder in ihre gewöhnliche Wohnstube und befahle dem Bedienten von allen diesen waß vorbeygegangen niemanden nichts zu melden, sendete ihn aber in das Dorf Lit. C. und ließe zwei Patres Capuciner aus selben in das Schloß zu sich kommen, welchen sie dieses alles erzählte, was sie und der Bediente gesehen hatte, diese benedicirten das Zimmer und sprachen der Dame einen Muth ein, dabei sie auch sagten, sie hätte sich nichts zu beförchten, solte nur in ihren frommen Wandel fortfahren, und diese Versuchungen des Teufels vor nichts achten; Dieselbe aber war der Meinung ihr Gemahl wäre verstorben, oder vor dem Feind geblieben; gabe also dem Diener Befelch 50 fl. in das Kloster hinunter zu bringen, und vor ihren verstorbenen Ehegemahl Seel-Meßen lesen zu lassen, aber was geschahe, er ware kaum bei des Thorwartes Wohnung Lit. G. gekommen, so griffe was unsichtbahres aus dem Fenster, risse ihm dem Beitel mit Gewalt aus der Hand, und werffete selben zu der Dame in die Stube hinein, in Gegenwart einger weibliche Dienerinnen, so sich damahls bei ihr befanden, mußte also die Dame wider ihren Willen entdecken, was in ihres Herrn Wohnstuben passirte, mit Vermahnen an dieselbe, daß sie sich vor diesen Gespenstischen Abentheuer nichtes beförchten sollten, den der Teuffel hätte über Gottes förchtige Seelen keine Gewalth.

Aber was geschahe.

Den 26. Juni in der Nacht wurde sie durch ein großes Getöse beunruhiget, welches dem Sausen eines starken Wirbel Windes und einen gewaltigen Schlagen an Thüren und Mauren sehr gleichte, eben als wen das ganze Schloß wollte einfallen; da sie nun in ihren Zimmer nebst den meisten von ihren Hausgenossen war, gieng sie zu Böth, nachdem sie vorher zu Gott gebetet, denn sie hielte es vor einen sündlichen Unglauben, sich von der Furcht überwinden zu laßen, und plötzlich darauf erschiene ihr was, wie ihr Ehemann, und fragte sie, ob er solle zu ihr in das Böthe kommen, sie richtete sich auf, und sprach zu den Gespenst, es wäre nicht ihr Ehemann, es solle nicht zu ihr kommen; es sagte weiter an sie, was! nicht dein Ehemann? (doch hatte es keine Macht ihr zu schaden) sie indessen brachte diese Nacht mit ihren Bedienten ihm Gebett zu, wurde aber oft durch diese Erscheinung daran verhindert.

Den 27. oder die folgende Nacht, nahme die Dame 2 Patres Capuciner, beynebst 4 andere frommen Personen auf das Schloß zu wachen und zu betten, und sie hielten an in Gebett und andere Pflichten des Gottesdienstes die ganze Nacht durch, ohne eine Hinderung oder Getöse.

Aber als in der folgenden Nacht die Dame mit verschiedenen andern Personen in Gebett begriffen ware, finge das Prausen des Wirbelwindes wieder völlig hefftiger an, als das erstemahl, und das Gespenst gienge in den Zimmer auf und ab, und gab einen unleidentlichen Gestankh von sich gleich eines verfaulten todten Körpers, erfüllt auch die Stube mit einem dikhen Rauch, der wie Schwöfel roch, und die brennende Lichter verdunkelte dah es nicht gäntzlich auslöschet; Zuweilen ging es die Stiege hinab, und kam mit einen förchterlichen Getöß wieder hinauf, beunruhigte sie auch in ihren Gebett, zuweilen mit einem Schall solcher Worhte, die sie nicht kannten verstehen, zuweilen mit Schlägen, so daß folgenden Morgen ihre Gesichter schwarz waren von Rauch und ihre Leiber geschwollen von Schlägen.

Den 29. als die Dame in Böth lage, kam einer der ihren Mann ähnlich sahe, und just seine Positur hatte, zu ihr vor das Böth und begehrete sich nawieder zu ihr zu legen, welches, als sie es nicht wollte zulassen, sprach er: was? wilst du deinen Ehemann nicht zu dir lassen, und als sie darauf sprach: Christus wäre ihr Mann, verschwand er, und hörte man ein wunderbahres und erbärmlich Heulen und Schreyen in Schloß herum, hörte seine Tritte; Singen und Brummen wurde vielfältig im Saal gehört, bei Tage sahe man allzeit einen Schatten an denen Wänden herumwandern.

Die Nacht des 30. Juni war sehr merkwürdig, und wann Gott nicht der armen Dame und denen Domestiquen beigestanden, so wäre es in derselben um sie geschehen gewesen; als die zu Böthe giengen, merkte sie am eingetrukten Böth, daß jemand darinnen gelegen; als sie es aufmachte, spürte sie den Geruch eines schon eine Zeit lang todt gewesenen Körpers, und als sie in Böth warn (denn die Dame hatte ziemlich Courage und verließ sich auf Gottes Beystand) vermerkte sie auf dem Böth-Himmel, daß sich etwas von einer Seithe auf die andere waltzte, ihr auch immer näher kame, und sie endlich aus dem Böthe trieb, so, daß sie nicht Zeit hatte, ihre Kleider anzulegen und das Geschreu und andere Dinge machte sie mehrer bestürzt.

Aber als sie kaum etwas von den Kleidern an den Leib gebracht, fiele sie nebst ihren Bedienten, so auf diesen Lärmen in die Stuben geeilter kommen auf die Knie neben dem Böthe, Gott zu bitten um seinen Seegen, damit selber alles Unheyl von ihnen abwenden möchte, sie wurden aber zum öfftern in ihren Gebett verstöhret, bald wurden sie durch etwas, welches sie wie einen Hund unter ihren Knien fühlten, einen Fuß hoch oder mehr von der Erden aufgehoben; offt höreten sie was schwätzen aus der anderen Seite des Böthes, und als eine von denen Camer-Jungfern sehr genau aufhorchte, wurde sie zu Boden geschlagen; es kam ein sehr kalter Wind in die Stuben, die Lichter brenneten ganz blau und giengen fast aus; man hörete ein entsetzliches Heulen, Schreyen und Brüllen inner und außer des Schloß, ingleichen roch man einen starken Gestank von Schwöfel und anderen brennenden und übelriechenden Materien und es währete von Nachts 10 Uhr bis früh Morgens um 3 so daß die Dame und ihre Leuthe in sehr schweren Umständen waren; am folgenden Morgen roche es annoch in allen Zimmern und in gantzen Schloß sehr übel, und war alles Kohl schwartz, als wenn es von einer großen Feuers-Brunst verwüstet wäre, aber dieses alles verzoge sich gegen 9 Uhr frühe und das Gespenst war stille; ferner sahe man auf den Schloß und auf denen Feldern die Persohn, und die Stimme des Eigenthums Herrn dieses Schloß hörte man, wie er seine Jagt Hunde abrichtete, wie auch das Bellen der Hunde.

Dieses hielte noch öfters im Schloß also an, daß die Dame willens ware auf ihrer Frau Mutter Herrschaft mit allen Domestiquen zu ziehen, und das Schloß Lermes leer stehen zu lassen, aber den nehmlichen Tage als solches sollte vollzogen werden, kame der Gemahl dieser Dame von der Armee zurück nach Hauß, und als man ihm alles, was vorbeigegangen erzählte, so lachte er nur dazu, und contramandirte die Reise zu seiner Frau Schwieger-Mutter, und man hörte und sahe seit seiner Ankunft nichts mehr auf dem Schloß und war alles ruhig.

Allein wie er öfters die Patres Capuziner auf das Schloß zum Speisen einladen ließe, und selbe von den vorbeygegangenen Unruhen auf dem Schloß zu sprechen kamen, vermerkten sie aus dem Gespräch des Eigenthumsherrn, daß er ein guter Atheist ware, wenn alle seine Religion, so sie den Nahmen anders verdient hat, also genennet zu werden, bestunde in Erkennung einer Macht, die wir, wie er sagte, mögen Gott nennen - und daß er auf ein untrügliches Wunderwerk wartete, welches ihn endlich bewegen soll, alles zu glauben was wir für unsere Religion ausgeben.

Er blieb bis 19. Juli auf seiner Herrschafft, und es ware alles ganz ruhig und man hörte nichts mehr von einem Gespenst, und als er aber anwieder zu der Armee reisen mußte, dann er nur die Erlaubnus auf etwelche Wochen auszubleiben von seinem Commandirenden erhalten und ware kaum 8 Tage vom Schloß, da fienge sich der Tumult auf ein neues wieder an, und zwar ärger als das Vorigemahl, so daß sich die Dame nach etwelchen Tagen zu ihrer Frau Mutter nach dem Schloß Seefeld an der Iser begeben mußte, aber auch allda hatte sie keine Ruhe vor dem Gespenst sammt ihren Domestiquen wie gleich zu vernehmen seyn wird.

Die Dame ware 6 Tage bei ihrer Frau Mutter, welche ein Wittwe ware, und ihrer Tochter eine große Wohnung auf dem Schloße eingeräumet hatte mit ihren Bedienten zu wohnen, als selbe in der Dame ihren Zimmer zum oefftern ein Seuffzen und Aechzen hörten; den 5. September wurde das Getümmel größer, es gienge was im gemelten Zimmer, wo man ein Seuffzen gehöret hatte mit großen Schritten herum, die Bedienten bekamen sogar Schläge in das Angesicht und ihre Hauben und Hüthe wurden ihnen auf die Erde geworfen; man hollete die Patres Capuciner von Insprugg das Gespenst zu beschwören, solches geschah auch; und es wurde drei Tage nichts mehr gehöret.

Darauf gienge das Getöß vill hefftiger an als zuvor, der Geist worf die Silber Geschirre wieder in die Fenster, man ruffte einen berühmten Exorcisten auch von Insprugg, welcher auch seine Beschwörungen 8 Tage fortsetzte. In diesen versetzte der Geist nichts destoweniger den älteren Sohn von dieser Familie einstens einen Streich ins Gesicht, daß er die Zeichen lebenslang behielte, warffe das Silber Geschmeidt abermahls durch das Fenster hinaus, so daß einige Kleinigkeiten gar darüber verlohren giengen, und ein und das andere gebrochen wurde, und weilen dann ein bemelter Exorcist nichts gegen ihn vorbringen kunte, so kehrte er wieder nach Haus. Der Geist führet indeßen sein Spiel fort, schlug theils ins Angesicht, andere warff er mit verschiedenen Sachen, was sich in den Zimmern befande, und verübte solche Gewaltthaten, daß es fast nicht zu beschreiben ist; man berufte wieder sogar andere Exorcisten, deren der eine einen Particul von wahren Kreutz Christi hatte, und auf den Tisch legte, allein unterließ das Gespenst doch nicht alles übel zu treiben, und die Leuthe in gantzen Schloß zu incomodiren, und schluge den Gespon des Exorcisten Augustiner Ordens dergestalten stark daß beyde wieder ganz behend in ihr Convent nacher Saltzburg zurückreiseten.

Es kamen andere von Insprugg, waiheten Wasser, Sand und Aschen, und beprengten die Zimmer, wo sich das Gespenst am meisten verspüren ließe, streicheten den Sand und Asche auf den Zimmerboden; die Anwesenden aber ergriffen darauf verschiedenes Gewehr, haueten damit auf allen Seithen in den Zimmern herum und wollten versuchen, ob sie nicht etwann das Gespenst damit erreichen oder Fußtritt desselben auf den Boden spüren könten, man vermerkte auch daß selbes sich auf einen Schreibkasten gesetzet, und Zeichen von Händen und Füßen auf dem gestreuten Sand und Aschen eingedrücket habe.
Man verjagte es auch von dem Schreibkasten, und vermerkte daß es sich unter einen Tisch begeben habe, sahe auch abermahl Zeichen von Hand und Füßen auf den Boden; Indessen hat sich von den Aschen, so aufgestreuet worden, ein so dicker Staub erhoben, daß alle mußten hinauslaufen, wollten sie anderst nicht ersticken, und also das Gespenst nicht weiter verfolgen kunten.

Man hörete annoch diesen Tag und die folgende Nacht in diesen Zimmern anwiederum ein jämmerl. Seuffzen, nach einigen Tage aber fienge die Plag im Schloß neuerlich an, das Gesinde empfienge allda wieder Schläge und wurden mit verschiedenen Sachen geworffen, auch sonsten auf allerhand weiß beunruhiget; die alte Dame selbsten, welcher das Schloß gehörte, empfienge eine nahmhafte Wunde am Haupte; zwey Bediente die in einem Böth beysamen schlieffen, wurden unter über sich geköhret, auf den Boden geworffen, davon einer erstikhet wurde, die Gewaltthaten waren mit einem Wort also groß, daß man auch fast Willens ware, dieses Schloß zu verlaßen und sich auf eine andere Herrschaft zu begeben, und als man eben im Begriff war, selbes zu vollziehen, erschiene der abwesende Ehemann der Dame vor allen Haus Gesind und sagte, wann sie das Schloß auch verließen, würde er ihnen aller Orthen nachfolgen, und sie noch mehrer plagen, auch das Schloß gleich in Brand stecken, und zu Staub und Aschen verbrennen.

Darauf ruffte man den Pfarrherrn von Hohenberg, welcher den Ruhm eines erfahren Exorcisten hatte, er kam auch mit 4 modern Welt-Priestern. Nachdem er aber seine Beschwörungen 3 Tage fortgesetzet hatte, und selbige fruchtlos sahe, kehrete er anwieder zurück, und schriebe die schlechte Wierkung seines Gebetts dem Abgang des Glaubens deren vom Hauß zu, wehrend den seinen Beschwörungen wurde einer der 4 Welt-Priestern mit einem auf der Tafel liegenden Silber-Meßer gefährlich verwundet.

Wie also die Herrschaft sahe, daß alles nichts verfangen wollte, das Gespenst aus dem Schloß zu vertreiben, so begaben sie sich mit allen Domestiquen und Ihren Kostbarkeiten auf einen Ihrigen Mayerhoff, unfern Jnsprugg; und noch in selbiger Nacht giengen die 2 Schlößer als nehmlich Lermes und Seefeld in Brand auf, so, daß nichts als die 4 Mauern der Gebäude stehen blieben, wie in dem Plan von Lermes zu ersehen ist, man hörete auch um diese Revier herum Tag und Nacht heulen und grausames Gebelle von Hunden, man hörete andere wilde Bestien brüllen, und ein großes Getöß machen, so daß sich in beyden Gegenden niemand von den Bauers Volk getrauete ville Zeit dahin zu nahen, indeme diejenige, so das Herz nahmen meistens mit blutigen Köpfen oder verstimbleten Gliedern wieder nach Hauß kommen.

Es verfloßen 14 Tage nach diesen unglückseligen Brand, da bekame die Dame einen Brief aus dem Lager mit der Nachricht daß ihr Ehegemahl in einem Duel, welchen er mit einen andern Offizier gehabt, erschossen worden, und wie man ihn zur Erden hat bestatten wollen, hat man in den Sarg nichts gefunden, als ein Stück faules Holz, wo aber der Cörper hingekommen, seye niemand bewußt, und wäre die allgemeine Rede bey der Armee, daß selben der Teuffel aus dem Sarg hinweggeführet, wie die Militär-Wacht so in seinen Zelt gewesen, einhellig ausgesaget, daß zu Mitternacht, als sie bey dem Cörper die Wacht hatten, ein langer Mann in das Zelt gangen, den Cörper ergriffen und mit selben in der Luft verschwunden seye, ungehindert, daß sie selben mit den Bajonetten ville Stöße gegeben hatte, und nachdem seye anstatt des Leibes ein Klotz verfaultes Holtz darinen gelegen.

Die Dame samt ihrer Frau Mutter wurden die diese Nachricht gantz bestürzt, und glaubeten gar gerne, daß er mit dem Teuffel einen Pact müßte gehabt haben, dieweil sie selber, wie eben gemeldet worden, öfters zu Haus gesehen, wo er dennoch ville Meil Weeges von ihnen entfernet ware.

Dieweilen er ohne Testament verstorben, so wurde von Einer löbl. Landschafft Thyrol, ausgemacht, das gantze Vermögen des entleibten Cavalier auf 4 Theile zertheilet wurde; die Herrschaft Lermes wurde denen zweyen jungen Herren zugesprochen, und die Herrschaft Akerwald, so 2 Stund von Lermes entlegen, der Frauen Wittib, und ihrer Fraule Tochter zugehören sollte, das bahre Geld und Silber-Geschmeidt wurde auch in 4 gleiche Teile getheilet und zu einen Ober-Gerhaben wurde ihnen ihre Frau Mutter samt einen anderen Land Cavalier gesetzet, welcher sich auch der Sache so eiffrig annehme, daß Nro. 1482 da der ältere junge Herr schon majoren ware, ein neues Schloß zu Lermes wie der Plan bey Lit. B. weiset, sehr prächtig erbauet wurde, der jüngere Bruder von diesen wie schon oben gemeldet worden, von dem Gespenst so übel gezeichnet worden, versturbe auch, und also fiele die ganze Herrschaft Lermes auf den annoch lebenden, dieser nachdem er die Herrschaft bis auf Nro. 1492 beseßen, verkaufte selbe an den Grafen Sigerheim.

Graf Sigerheim übersiedelte nach einigen Jahren von seinem Schloß Buchelbach wegen großer Unruhen durch Gespenster nach Lermes. Allein ware die Unruhe und das Gepolter im vorigen Schloße sehr stark, so wurde die Spukerei allhier im Schloß Lermes annoch ärger, so, daß sich fast Niemand, im Schloß erhalten kunte; man sahe auch auf den alten Schloß Lermes alle Nacht viele Feuerflammen herausfliehen, sogar des Tags hindurch zu verschiedenen Stunden ließen sich auf den alten Gemäuer verschiedene gespenftl. Larven und Spectra öffentl. sehen, welche einen entsetzl. Lermen Geheule anstellten. Die Gräfin geriete darüber in eine entsetzliche Angst, also zwar daß der Graf und der Freyherr selbst mit selber zu thun hatten; man versuchte durch die Patres Capuciner, so allda seint abermahl Beschwörungen anzustellen, endlich nach 8 Tagen zeigte sich das Gespenst denen 6 Priestern, so die Exorcismos vorgenommen, und sagte daß ehender der Graf mit den seinigen keine Ruhe auf keiner Herrschaft haben werde, bis er nicht das Seefeld Lit. A., so vor einiger Zeit zugleich mit dem Schloß Lermes von ihren Gespenst seye verbrennet worden neue erbauen ließe, anda eine Kirchen, anbey nebst einen Kloster stiftete, die Gebürge zwischen Weißersee und Seefeld zu einen Bergwerk erhoben würde, und wenn dieses nicht auf das künftige Jahr alles vollzogen wurde, so wolle es dem Grafen alle Schlößer verbrennen; die schon gebauten Bergwerke zusammen stürzen, und alles was den Grafen zugehörig seye vollkommen in Ruin setzen, auch ihnen sammt den seinigen, so lange selbe leben würden, aller Orthen verfolgen, woferne aber der Graf dieses vollziehen wollte, so würde von selber Stunde an, wo er selbst beschloßen, sein Versprechen zu halten, auf allen Herrschaften des Grafen alles beruhigt werden.

Der Graf um die Gräfin zu beruhigen, sagte Alles dieses zu auf das heiligste zu halten, und nach der Zeit wurde es auf denen Schlößern wieder stille; Man hat allzeit geglaubt daß der in der Gegend als Zauberer bekannte Fremde Böhme namens Rabiczek solches angestellet hätte, aber nunmehr zeigte es sich, daß der gewesene Herr dieser Schlößer, so schon bey seinen Lebzeyten in vor lang verfloßenen Jahren auch diese Unruhe angestellet, auch an diesen Dermahlen Ursache seye.
Znaimer Wochenblatt, 23. Februar 1907




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