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Die Rote Wand


Die Rote Wand - Pfeiffer

Autor

Pfeiffer David
Verlag
Random House Audio
Erscheinungsjahr
2015



Kurzbeschreibung oder Klappentext


Wie eine Steinwand, die Gott als natürliche Grenze zwischen Nord- und Südeuropa in die Erde gerammt hat, ragen die Berge hinter Sexten in den Himmel. Hier verläuft 1915 die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Eine Front, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines erbitterten Stellungskriegs wird. Gekämpft wird auf Felsvorsprüngen, Gipfeln, auf Skiern, mit Stichmessern, Karabinern und Handgranaten. Mann gegen Mann versuchen kleine Einheiten die Höhe zu sichern. In all diesen Scharmützeln hält sich in der roten Wand ein Mädchen auf, das seinem Vater in den Gebirgskrieg gefolgt ist.



Meine Bewertung

Viele die heute in die Dolomiten fahren, erfreuen sich an einem touristisch erschlossenen Gebirgszug mit komfortablen Unterkunftshütten, sowie über gut ausgebaute Klettersteige die dann von mehr oder weniger geübten Bergtouristen absolviert werden.

Abends möchte man sich, nach einer langen und anstrengenden Tour, nicht nur an einem Glas "Roten", sondern auch an der beeindruckenden Landschaft mit ihren eindrucksvollen Gipfeln berauschen lassen. So, wie man sich Urlaub und Entspannung eben vorstellt.

Der Autor und Redakteur der Süddeutschen Zeitung, David Pfeifer, lässt mit seinem Buch "Die rote Wand" ein anderes Bild von dieser Landschaft, den schroffen Gipfelreihen, den Schluchten, Felswänden und Graten vor dem inneren Auge entstehen. Dargestellt als eine atemberaubende, aber doch lebensfeindliche Kulisse für einen absurden Kriegsschauplatz: die Gebirgsfront des 1. Weltkrieges in den Dolomiten.

Ein wild zusammengewürfelter Haufen von oft mehr schlecht als recht ausgebildeten Militärs und Standschützen, welche aus allen Ecken des österreich-ungarischen Vielvölkerstaates zusammengetrommelt wurden, stehen sich auf Gipfeln und Graten den italienischen Alpini gegenüber. Tagein, tagaus wird Dienst versehen in Felslöchern, Schneegräben, in Felswänden. Patroullien in diesem Gelände werden zur Herausforderung. Wilde Schufterei beim Aufstellen von Geschützen, immer die Angst im Nacken von einer Kugel der Gegenseite niedergestreckt zu werden.

Aber nicht von der Gegenseite geht die größte Gefahr aus, sondern letztlich nimmt sich die Natur die meisten Leben. Lawinen, Steinschlag, Kälte und Hunger sind die größte Bedrohung für die Kriegsteilnehmer jener Zeit. Auf beiden Seiten.

viktoria savs heldenmädchen von den drei zinnen
Viktoria Savs
Mitten in diesem Wahnsinn ein 15-jähriges Mädchen, welches auf der Suche nach seinem Vater einen extremen Schritt wagt. Sie schneidet sich die Haare ab, trägt Männerkleidung und gibt sich als einen 17-jährigen Jungen namens Richard aus. Ohne nahe stehende Verwandte in Meran hinter sich zu lassen, begibt sie sich ins Frontgebiet und gerät immer weiter in den Sog des Krieges. Meldet sich als Standschütze und wird, weil sie beim Vater einst das Schießen, Skifahren und Klettern gelernt hat, an der Gebirgsfront eingesetzt. Es wird jeder gebraucht, denn Österreich-Ungarn befindet sich schon lange im Krieg und hat schon eine gehörige Menge seiner menschlichen Ressourcen auf dem Feld gelassen.

Was so unwahrscheinlich klingt, hat aber einen realen Hintergrund. Die Hauptfigur des Romanes lehnt sich an das "Heldenmädchen von den Drei Zinnen", der ursprünglich aus Bad Reichenhall stammenden Viktoria Savs, an. Auch wenn die Person im Buch nicht biografisch nach seiner historischen "Vorlage" nachgezeichnet wurde.

Auf dieser Grundlage schildert der Autor aus Sicht des Mädchens den Alltag an der Dolomitenfront. Es werden nur wenige Personen genauer beleuchtet, somit fällt es dem Hörer leicht der Handlung zu folgen. Der Schreibstil ist klar und präzise, die unaufgeregte Art des Sprechers Philipp Schepmann angenehm und der Handlung in vollem Umfang angemessen. Die Tragik kommt so noch besser zur Geltung und das "Kopfkino" hat einen ordentlichen Spielraum für die eigene Interpretation.

Fazit: für mich ist David Pfeifers Roman "Die rote Wand" als Hörbuch rundum gelungen. Man kann sich gut in die Szenen hineinversetzen, auch wenn man wohl nicht im Stande ist sich die Tragweite der Gräuel des Krieges im Detail auszumalen, wenn man nicht selbst solche Situationen miterlebt hat. Trotzdem kann man sich dieser teils beklemmenden Atmosphäre annähern und gewinnt eine Vorstellung von dem, was sich dort oben abgespielt haben könnte.