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Ernberg

in der Zeit von der französischen Revolution bis zum Preßburger Frieden (1789-1806)



französische revolution
Die Freiheit führt die Menschen an - Eugène Delacroix (1830)


aus: Ausferner Bote vom 20. Dezember 1923 - Aus der Reihe: Beiträge zur Heimatkunde des polit. Bezirkes Reutte von Josef Knittel und Josef Ruepp
"Schon unter der Regierung Kaiser Josef II. war 1789 in Frankreich die große Revolution ausgebrochen, deren Folge nicht nur die Ermordung des Königs Ludwig XVI. und seiner Gemahlin, der österreichischen Prinzessin Maria Antoinette, nebst einer Anzahl von den Republikanern nicht genehme Personen, sondern auch ein fast 25jähriger Krieg Frankreichs mit ganz Europa war. Seine Greuel durchzogen sehr fühlbar auch Tirol und den Bezirk Ernberg und verwandelten den durch die längere Friedenszeit erzielten Wohlstand der Bevölkerung in bitterste Not und Elend.

Bevor jedoch die republikanischen Kriegstruppen an die Grenze unseres Vaterlandes kamen, erschien deren Vorboten. Schon 1793 kam die Gräfin Riskur, Gemahlin des Feldmarschalls und österreichischen Gesandten am neapolitanischen Hofe, nach Reutte und blieb ein ganzes Jahr hier. - Am 31. Dezember 1795 morgens früh erschien in Reutte, auf der Reise nach Oesterreich begriffen, die zu Basel gegen französische Staatsgefangene ausgewechselte Prinzessin Maria Theresia Charlotte von Frankreich. Es war ein herzzerreißender Anblick, die schöne, achtzehnjährige Prinzessin zu sehen, deren Eltern auf dem Schaffott geblutet und deren Bruder, den Dauphin Ludwig XVII., in seinem 10. Jahre Gram und Elend im Tempelturme verzehrten, - ein Anblick, der jedermann Tränen des Mitleids entlockte. -

Nicht lange dauerte es mehr und die Flammen der französischen Kriegsfackel schlugen an unsere Heimatgrenzen. Deutschland und Oesterreich hatten den Franzosen den Krieg erklärt, waren jedoch in der Kriegführung nicht glücklich. Die Erfolge der französischen Waffen bei Mantua und in Deutschland brachten die Feindesgefahr immer näher an unseren Bezirk. Da erschien hier k.k. Hofkommisär und Minister Ludwig Graf von und zu Lehrbach und leitete die Organisierung des Landsturmes. Ernbergs Verschanzungen wurden auf Kosten der Landschaft in brauchbaren Stand gesetzt und sollten vom Landvolke im Notfalle verteidigt werden.

Es war aber auch höchste Zeit, denn wie in Italien flohen im August 1796 auch in Deutschland die Oesterreicher von den Franzosen über die Grenze Tirols zurück, hart vom Feinde verfolgt.

Am 21. August zog der linke Flügel der Oesterreicher von Immenstadt und Sonthofen übers Joch und besetzte dieses. Die drei Tannheimer Schützenkompagnien unter den Hauptleuten Ferdinand Tauscher, Alois Tauscher und Lorenz Peintner verbanden sich mit dem k.k. kommandierenden Brigade-General St. Julien auf dem Jochberge und leisteten gute Dienste, besonders am 13. September, wo die Franzosen mit Tagesanbruch auf die kaiserlichen Truppen einen heftigen Angriff machten und durch Nebenfußsteige, dieselben im Rücken zu fassen sich bemühten. Allein durch die Wachsamkeit unserer Schützen sind die rückwärts ankletternden Franzosen entdeckt worden. Es wurde Alarm geschlagen, die Schützen feuerten von oben herab. Das Militär nahm die Feinde und im Rücken. Es wurden bei dieser Affäre 40 Mann zu Gefangenen gemacht. Auch hatte der Feind mehrere Tote und Verwundete. Vier Mitglieder der Schützenkompagnien, die durch ihre Wachsamkeit die feindliche List entdeckt hatten, wurden von der Landschaft mit zehngüldigen Bankzetteln belohnt. - Besonders zeichnete sich Franz Köck, Schneidermeister von Unterhöfen, aus, der sich durch sein Spionieren das Zutrauen des Kommandanten erwarb, so daß ihm am 17. September eine Kompagnie Militär anvertraut wurde, um sie auf Seitenwegen dem Feinde in den Rücken zu führen. Allein, da er bei Bühl unweit Immenstadt angekommen, waren die Franzosen schon auf der Flucht dort durchpassiert. Zur Belohnung seiner Treue und seines Mutes wurde obgenannter Köck von Erzherzogin Elisabeth mit einem silbernen Eßbesteck beschenkt und erheilt auch wie die Offiziere von der Landschaft die Ehrenmedaille.

Auch der Tannheimer Gerichtsamtmann Johann Georg Zobl von Unterhöfen wurde als Marschkommisär wegen seiner diesfalligen Amtstätigkeit mit einer goldenen Denkmünze belohnt. Noch heutzutage wird der 17. September zur Erinnerung an die Abwehr der damaligen Feindesgefahr in der Pfarrei Tannheim als Schützenfest gefeiert.

Auch im Lechtale standen damals zwei Schützenkompagnien unter den Hauptleuten Georg Ulseß und Georg Schneller im Dienst. Sie waren meistens auf Wache auf dem Tannberg, in Bockbach, Krabach, Bernhardstal und Jochbach. Von bedeutenden Vorfällen kann jedoch hier nichts berichtet werden, denn die Lechtaler haben in diesem Jahr keinen Feind gesehen.

Aber nicht nur im Tannheimertale drohte 1796 Feindesgefahr, sondern gleichzeitig drangen die Republikaner unter Tornau (?) bis Pfronten-Weißbach vor, um über Vils in Tirol einzufallen. Aber anders stand es im Buche des Schicksals. Die Mannschaft des k.k. Feldmarschalleuttnants Freiherrn von Fröhlich, angeführt von General Wolf, schlug sie gleichfalls am 17. September zu Pfronten-Weißbach, das in Flammen aufging, so tapfer zurück, daß sie in diesem Kriege unser Gebiet nicht betraten. In Pfronten werden noch Kanonenkugeln von diesem merkwürdigen Tage aufbewahrt.

Im Jahre 1797 war es hier ruhig, der Landsturm wurde entlassen, jeder Offizier erhielt eine goldene und jeder Unteroffizier und die Gemeinen silberne Denkmünzen. In diesem Jahre war der Krieg mehr in Italien. Napoleon Boneparte schlug den österreichischen General Wurmser und die französischen Truppen drangen ins südliche Tirol bis an den Brenner vor. Aus dem Lechtale rückte eine freiwillige Kompagnie unter Hauptmann Schneller nach Meran und Bozen.

Gemäß Verordnungen der Landesregierung vom 2. Juli und 2. November 1798 waren die Mannschaften der Grenzgerichte in Kompagnien von Landesschützen und Landesverteidigern zu organisieren. - Bereits am 14. Dezember 1798 stellte schon Feldmarschalleutnant von Spork das Ersuchen, schnellstens 44 Kompagnien zu stellen, wo von 8 zur Verteidigung der Grenzstrecke von Nauders bis Ernberg verwendet werden sollten.

Die Lechtaler stellten zwei Kompagnien unter den bewährten Hauptleuten Schneller und Ulseß. Dieselben wurden auf dem Tannberge, in Landeck und Paznaun postiert. Am 22. April 1799 überschritten sie die Grenze gegen Engadin und rückten gegen Ramüs vor. Hier bekamen sie nun Franzosen zu sehen, es wurde geschossen, aber kein Tiroler blieb auf dem Schlachtfelde. Nur Josef Kapeller von Grießau hat in Paznaun durch eine Schneelawine den Tod gefunden.

Vom Tannheimertale rückte damals eine Schützenkompagnie unter dem Hauptmann Ferdinand Tauscher an die Grenzen Engadins ab. - Während die Mannschaften im Felde standen, erfolge zur besseren Verteidigung des Landes am 22. März die kaiserliche Landwehrordnung nach den Grundsätzen des Entwurfes vom 2. Juli 1799, welche teilweise noch bis zum Zusammenbruche 1918 Geltung hatte und deren Ueberbleibsel im Landsturmschießen und in der Standschützenorganisation bestand.

Die geschlagenen Russen, welche mit den Oesterreichern verbündet waren, bezogen am 30. Oktober zwischen Lech und Iller Winterquartier und die Schweiz wurde von den Franzosen besetzt. Die Fürstäbte von St. Gallen und Maria Einsiedeln flüchteten nach Reutte und als am 30. Juni 1800 der französische General Moreau wieder in München einzog, kamen auch die Prälaten von Füssen und Schüssenried hieher. - Der französische General Gudin zog mit 18 Bataillons den Lech hinauf gegen Reutte. - Feldmarschalleutnant Fürst Reuß kam mit den Generälen Hohenlohe und Linken und einem beträchtlichen Korps und vielen Kanonen von Graubünden hieher. - Die befestigten Vorpässe wurden besetzt und der Feind mit Sehnsucht erwartet. Da er aber nicht sogleich erschien, verlangten die Landesverteidiger demselben entgegengeführt zu werden. Reuß verstärkte mit einigen Kompagnien seinen Vorposten zu Füssen und ließ den Galgenbühel, eine Viertelstunde außer der Stadt, stark besetzen. Mit mehrfach überlegener Macht rückten die Franzosen unter dem General Gudin am 11. Juli in drei Kolonnen auf den Kemptener-, Münchener- und Augsburger-Straßen heran, und so geschah es, daß die Kaiserlichen ihre vereinte Macht teilen und mehrere Posten verteidigen mußten, um nicht überflügelt zu werden. Die Kanonen spielten ohne Unterlaß; drei wütende Angriffe waren bereits abgewiesen. Als aber unsere Truppen sahen, daß Hohenschwangau verloren gehe, die Franzosen gegen Pinswang vorrückten, um ihnen den Rückzug abzuschneiden, zogen sie kämpfend, nicht ohne Verlust, aus dem blutigen Treffen über Füssen zurück, schlossen hinter sich die Stadttore und ließen die Schlüssel verschwinden.

Mit Ungestüm drangen die Franzosen nach und forderten die Eröffnung der Tore. Während die Bürger von Füssen die Tore sprengten, überstiegen bereits die Republikaner die Stadtmauern, bestraften Füssen nach ihrer Art und plünderten Vils und Pinswang.

An einem Hause zu Füssen in der Hauptstraße sieht man noch eine Kanonenkugel eingemauert, die an jenem Tage vor demselben niederfiel.
Die Oesterreicher zogen von dem übermächtigen Feinde verfolgt, zurück bis in die Pässe von Reutte und die Schanzen von Roßschläg und Kniepaß. Hier aber wurden die Franzosen von einem ununterbrochenen Gewehr- und Kanonenfeuer so heftig empfangen, daß sie ihr Vorhaben, die Schanzen zu erstürmen, bald aufgeben mußten. Das Lager der Oesterreicher stand in der Unterangerwiese, hart am Lähnbache. In derselben Nacht wurde der Bezirkssturm aufgeboten.

Von ihm und den Landesschützen kräftigst unterstützt, schlugen die Kaiserlichen auch am folgenden Tage die Angriffe der Franzosen zurück. Die Landesschützen nahmen ihnen in Pinswang sogar einige Beute ab, darunter auch eine Trommel, welche heutzutage noch im Gasthause des Josef Pohler in Lech-Aschau aufbewahrt wird.
Während dieser Vorgänge stand eine Lechtaler Kompagnie unter Hauptmann Scheidle wieder an den Grenzen am Tannberge auf Wacht, während drei andere Kompagnien von Lechtal den bedrohten Tannheimern zu Hilfe geschickt wurden. Die Tannheimer, von allem Militär verlassen, besetzten am 13. Juli abends, nachdem sie vorher in der Pfarrkirche um Gottes Segen und Beistand gebetet hatten, die Grenzposten. Sie verschanzten sich da mit Steinmauern und allen möglichen Dingen und erwarteten den Feind, welcher wirklich am 14. Juli anrückte und zu plänkeln anfing. Nachdem er aber gleich anfangs einige Mann verlor, hielt er es für ratsam, sich zurückzuziehen. Den 16. Juli stieg ein feindlicher Offizier den Hochberg herauf, winkte mit einem weißen Tuche und zeigte einen Brief vor, von den Tannheimern näherte sich ihm Hauptmann Peintner mit einigen Schützen, nahm im den Brief ab und versprach denselben sogleich nach Reutte zu schicken. Es war der Waffenstillstand. So wandte sich die Feindesgefahr hier abermals ab.

Infolge des zwischen dem Feldzeugmeister Kray und dem französischen Obergeneral Moreau zu Parsdorf gegen zwölftägige Aufkündigung geschlossenen Waffenstillstandes wurden dem Feinde die Schanzen Roßschläg und Aschau am linken, der Kniepaß und Pflach bis zum Achbache am rechten Lechufer eingeräumt, wovon er bereits am 19. Juli militärisch Besitz nahm. Die Oesterreicher lagerten sich bei Mühl usw. und unten am Schloßberge, wo sie eine Demarkationslinie zogen. Außerdem wurde aber auch noch Reutte und das ganze linke Lechufer nebst Vorarlberg an die Franzosen abgetreten, so daß der Lech bis zur Quelle die Grenze bildete, welche dann über den Arlberg ins Illtal sich weiter zog.

Am 21. Juli wurde der Landsturm entlassen. Man lohnte die Landesverteidiger, die sich beim ersten feindlichen Andrange auszeichneten, mit goldenen und silbernen Ehrenmedaillen.

Gemäß Vertrages besetzten die Franzosen am St. Magdalenentage, den 22. Juli morgens Reutte und abends desselben Tages erschienen sie auch bereits in Elbigenalp. Es war das Freikorps Nr. 10 der X. Brigade, Stabsoffizier, Unteroffizier und 109 Mann Gemeine mit 10 Pferden. Diese Nacht blieben dieselben in Elbigenalp und Obergiblen und marschierten am nächsten Tage nach Oberlechtal, während in Elbigenalp wieder andere französische Truppen eintrafen. Der Aufenthalt der Franzosen dauerte vom 22. Juli 1800 bis 24. Februar 1801, also über ein halbes Jahr. Die Oesterreicher hatten die Orte am rechten Lechufer besetzt. Alle Brücken erhielten doppelte Bewachung, links Franzosen, rechts Oesterreicher und mußten, sowie auch die Wege, verbessert werden. Bei jeder Brücke wurden auch Wachhüten errichtet.

Wie sich die Franzosen in Reutte und Umgebung verhielten, ist unbekannt aber im Lechtal müssen sie sich ganz erträglich benommen haben, denn der Chronist Falger kann sie nicht genug loben. Er sagt, daß sie gut waren und daß man sie ganz gern gehabt habe, da sie so fröhlich und vertraut waren, während die früher einquartierten Oesterreicher öfters gar unreinlich waren und 'lange Finger' hatten.

Immer waren die Franzosen beschäftigt mit fechten, spielen und exerzieren, immer frohen Mutes, wogegen am rechten Lechufer die Oesterreicher traurig waren, beschränkt an Freiheit und Patriotismus. Der Franzose aß weniger, aber nett und rein sollte es sein, und äußerst selten wurde etwas entwendet, wogegen die Oesterreicher , besonders die Ungarn und Russen ein Schrecken waren, sie aßen viel und wenn es auch unrein war, sie aßen alles mit Haut und Haaren.

Am 9. Februar 1801 wurde zu Luneville Frieden geschlossen, wonach die Feinde unser Land zu räumen hatten, da Tirol wieder bei Oesterreich blieb. Allerdings sollten die Ausferner von ihren französischen 'Freunden' nicht so bald befreit sein, denn sehr, sehr langsam rüsteten sie sich zum Aufbruche und verließen das Lechtal und das Gericht Aschau erst am 20. März 1801, die Pfarre Breitenwang sogar erst im April, den Bewohnern durch die unglaubliche Anzahl der Quartiere und des Vorspanns sowohl österreichisch-russischer als französischer Truppen eine ungeheure Schuldenlast zurücklassend. Die Not hatte viele gezwungen, alle Sparpfennige anzugreifen, Hausgeräte zu verkaufen und zu versetzen, um die einquartierten Soldaten zu nähren. Von 1791 bis 1801 waren im hiesigen Bezirke einquartiert 431434 Mann. Die Zahl der Vorspannpferde betrug in dieser Zeit 541434. In der Pfarre Breitenwang wurden weiters nachstehende französische Truppen vom 19. Juli 1800 bis 20. April 1801 einquartiert: Offiziere 3440, Unteroffiziere: 2477, Reiter, Bäcker und Fleischhacker: 1575, Gemeine: 32262, zusammen also 39754 Mann. Die Zahl der kaiserlich russischen Einquartierungen in den Monaten Oktober, November und Dezember 1799 betrugen in Reutte allein 16670 Mann und 14285 Pferde.

Nach Abzug der Feinde erhielten die Gerichte Ernberg und Aschau von der Landschaft nur 20000 Gulden, wobei jede weitere Unterstützung mit Hinweis auf das Beispiel der Vorzeit abgelehnt wurde. Erst 1804 entschloß sich die Landschaft, noch weitere 10000 Gulden auszuwerfen, während der Kaiser dem Bezirke 40000 Gulden schenkte.

Napoleons Uebergriffe in Deutschland und sein Kampf mit England brachte eine neue Koalition Oesterreichs mit Rußland zustande und im September 1805 zogen die Oesterreicher feindlich durch Bayern, das zuerst neutral blieb, später sich jedoch offen auf die Seite Napoleons schlug. Mit dem Ausbruch des Krieges wurde wieder Landmiliz organisiert zur Unterstützung der im Lande stehenden Truppen, welche 34000 Mann betrugen. Nach Reutte kam Prinz Rohan als Kommandant der hier als Grenzschütze gestellten Truppen. Die Leute wurden zu Schanzarbeiten am Kniepaß und Roßschläg herangezogen, wobei das Lechtal 700 Mann stellte.

Die Einteilung in Schützen und Miliz wurde vorgenommen und sogar Waffenübungen wurden vorgeschrieben. Alle Männer vom 18. bis 60. Jahre mußten wieder unter die Waffen treten. Diese Anstalten, sowie der Mangel an jeder Nachricht vom Kriegsschauplatze steigerten natürlich die Unruhe der Bevölkerung. Doch bald sollten die Ernberger bessere Nachricht von den Kriegsereignissen haben. In der Zeit von 8. bis 14. Oktober zerstreute Napoleon die österreichischen Truppen in Deutschland, besetzte Augsburg und München und trieb den linken Flügel in die Tiroler Berge. Reutte wurde von Fliehenden überladen, darunter waren die Generäle von Gottesheim, Graf Klenau, von Laudon Auersberg, Graf Erbach usw. Am 25. Oktober hat Erzherzog Johann einen Verteidigungsplan aufgestellt. Das Kommando von Reutte bis Scharnitz wurde dem tapfern General von Chasteller übertragen, unter dem 11 Bataillone und 8 Eskadronen standen, hievon waren 4 Bataillone unter Prinz Rohan bei Reutte und Füssen. Von den Milizen wurden sechs Kompagnien im Gerichte Ernberg, sechs in Scharnitz und Leutasch aufgestellt. Zur Unterstützung der Pässe in Ehrwald, Leutasch und Zirl wurden mehrere Kompagnien Miliz von Lermoos und Zirl aufgeboten.

Napoleon folge jedoch nicht den fliehenden Oesterreichern nach Tirol, sondern zog direkt nach Wien. Nach Süden sandte er nur einige Abteilungen, um die österreichischen Streitkräfte zu beschäftigen. Dieselben griffen jedoch nicht bei Reutte an, sondern zogen unter Marschall Ney nach Scharnitz, das er am 4. November trotz anfänglicher standhafter Verteidigung durch Umgehung der Leutasch-Schanz eroberte.

In Ausfern ging es mit verschiedenen Einquartierungen ab. Dieselben betrugen im Markte Reutte 29608, in Pinswang 3087, in Ehenbichl 1380, in Pflach 11526, auf der Klause 285, im ganzen also 45886 Mann. Zum Danke für die diesmalige glückliche Abwendung der Feindesgefahr gelobte man in Reutte alljährlich den Tag des hl. Florian zu feiern und eine öffentliche Prozession zu veranstalten.

Doch sollte dieser Krieg nicht ohne weitere Folgen für Außerfern vorübergehen. Nach der für Napoleon siegreichen Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 schloß Kaiser Franz am 26. Dezember 1805 den Preßburger Frieden, dessen 8. Artikel bestimmte, daß Oesterreich ganz Tirol an Bayern abtreten mußte. Die französische Interimsregierung dauerte noch bis zum 22. Jänner 1806, an welchem Tage das königlich bayerische Besitzergreifungspatent erschien und am 11. Februar wurde die Besitzergreifung vollzogen.

Ein gutes hatte die französische Besetzung den Lechtalern nach Falger doch gebracht: das ist die Abnahme des Aberglaubens. Ehe die Franzosen kamen, sahen die Lechtaler immer Gespenster; die fortwährenden Kriege machten jedoch diese Gespräche verstummen. Mann vergaß jetzt auch die Gespenstergeschichten und erzählte Kriegsgeschichten.

Der Sorgfalt der bayerischen Regierung verdankt Reutte das Aufblühen des Kornmarktes un den häufigen Absatz von Gips."





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