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Berg- und Passstraßen im Außerfern




Planskizze - Gemstobelbrücke am Gaichtpass



Der aufkommende Automobilverkehr


fernpass fuhre frächter
Fernpass etwa 1910
noch dominieren die Fuhrwerke

lermoos kreuzung sonnenspitze
vielbefahrene Straße um 1920
aus: Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst; k.k. Bezirksingenieur Martin Gelbwachs in Reutte (1910)
"...eine der akutesten Fragen liegt im Problem der Anpassung der Gebirgsreichsstraßen an den Automobilverkehr. Seit dem Erscheinen des Kraftwagens auf der Straße [...] und im Hinblick auf die geringen Breiten der Gebirgsstraßen außerordentlich wichtigen Fragen der Sicherung des übrigen Verkehrs und des Automobilverkehrs selbst gegen die Gefahren der erhöhten Geschwindigkeit des neuen Vehikels, dem sich die 'trägen' Fuhrwerke und das Straßenleben als solches (Viehtriebe, Einbringung der Ökonomien etc.) nur schwer akkomodieren" [Anmerkung: akkomodieren = anpassen] lassen.

Da die Straßen im Bezirk oft mehrere Monate im Jahr verschneit waren, war man nicht gewillt, die Strecken 'staubfrei' und mit einer 'widerstandsfähigen Fahrbahn' auszugestalten. Die Nutzung "welche meist lediglich während einer kurzen Fremdensaison nennenswerten Verkehr aufweist", stand noch in keinem Verhältnis zu den horrenden Ausgaben, welche eine Investition von komplizierten Straßenaufbauten und "systematischen Walzungen" gerechtfertigt hätte.

Mit dem Aufkommen des Automobils explodierten die Straßenerhaltungskosten jener Zeit förmlich, da auch die nutzbaren Schotterentnahmestellen sich auf jene, welche ein härteres Gestein aufwiesen, reduzierten und damit längere Transportwege notwendig machte. Von den zuvor über 20 nutzbaren Schotterentnahmestellen entlang der Straße vom Fernpass bis nach Musau blieben aus diesem Grund lediglich noch sechs derselben übrig, bei welchen die Qualität des Schotters als 'sehr gut' bewertet wurde.

Wie 'rasch' der Verkehr in unserem Gebiet anwuchs, verraten die Verkehrszählungen jener Zeit, wie etwa die an der Reichsgrenze bei Füssen: 1904 - 18 Fahrzeuge, 1906 - 142 Fahrzeuge, 1908 - 254 Fahrzeuge, 1909 - 300 Fahrzeuge.


Der Fernpass

Winter am Fernpass


Aus: Innsbrucker Nachrichten vom 22. Januar 1910
"Der Verkehr über den Fern ist zur Zeit vollständig unterbrochen. Die am 19. Jänner nachts von hier nach Reutte abgegangene Eilpost kam nur mehr bis Nassereith, resp. bis zum Mayrschen Gipswerk und mußte dort umkehren, so daß die gesamte Außerferner Post vom 19., 20. und 21. Jänner noch beim Postamte Imst liegt. Ebenso kommt die Reuttener Post nicht herein. Am 20. Jänner sollte der Fern mittelst Schneepflug geöffnet werden und wurden deshalb 21 Pferde samt Fuhrknechten nach Fernstein entsendet, wo der Schneepflug untergebracht ist. Die Pferde kamen aber auch nur bis zum Gipswerk und mußten dort umkehren, weil sie bis zum Hals in den Schnee einsanken und die Schwere des nassen Schnees ein Vorwärtskommen vereitelte."

aus der Serie 'Österreichische Alpenbilder'


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Abschnitt - Lermooser Tunnel


Die Planung des Bauabschnitts im Raum Lermoos-Biberwier begann 1972 mit ersten Trassenstudien und mehreren diskutierten Varianten. Eine dieser Varianten wurde als Straße, quer durch das Moos, angedacht - beinahe gleich wie die antike Via Claudia Augusta. Eine weitere Variante sah einen 1,2km langen Tunnel bei Lermoos und eine dritte, einen 1,3 km langen Tunnel zur Umfahrung von Biberwier vor.

Die Planungsdebatten verliefen bis in das Jahr 1976 hinein und wurden in einer generellen Projektierung festgehalten. Geologische Studien und tunnelbautechnische Überlegungen führten zu weiteren Abänderungen der Linienführung und gipfelten in dem Vorschlag eines 3168 Meter langen Tunnels zwischen der Fernpass-Nordrampe und Lermoos.
Ende 1977 wurde das Vorhaben in Vorplanung und zur Begutachtung gegeben und am 5. November 1980 öffentlich ausgeschrieben.
Der Zuschlag erfolgte mit 12. Juni 1981 und die Bauarbeiten wurden am 20. Juli 1981 aufgenommen.

Die Taufe und der Anschlag des Lermooser Tunnels erfolgte am 2. Oktober 1981. Die Patin Frau Wanda Schneider taufte den Tunnel auf den Namen "Wanda-Tunnel" - der Name konnte sich offenbar aber nicht dauerhaft halten.
Das Anschlagen übernahmen von offizieller Seite der damalige Landeshauptmann Eduard Wallnöfer und Sektions-Chef Dipl.-Ing. Dr. techn. Otto Raschauer.

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Die 'neue' Gaichtpass-Straße

Der Bau der Gemstalbrücke 1911-1912


gemstobelbrücke gaichtpass lehrgerüst bremsberg
Lehrgerüst und Bremsberg

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das Lehrgerüst

gemstobelbrücke gaichtpass betonierung
nach erfolgter Betonierung

Zur Ausführung des Gemstal-Brückenbaus am Gaichtpass erhält die Firma Heimbach und Schneider in Hard bei Bregenz den Zuschlag. Baubeginn war der 3. August 1911. Für den Materialtransport wurde von der 'alten' Gaichtpass-Straße bis zu der Baustelle auf etwa 1075 m. ü. M. eigens ein 216 Meter langer Bremsberg angelegt, welcher einen Höhenunterschied von knapp 78 Metern zu überwinden hatte.

Zur Eingerüstung des Lehrgerüsts für den Rundbogen, mit dem man am 2. Oktober 1911 begann, wurden über 150 Kubikmeter Holz verbaut. Bereits am 14. November konnten die Arbeiten der Einschalung beendet werden.

Das Material für die Bogenbetonierung wurde von der Vilser Zementfabrik G. Schretter & Cie. angeliefert und das Armierungseisen im Hüttenwerk der Alpinen Montangesellschaft in Kindberg hergestellt. Die Betonierung des Bogens erfolgte in der Zeit vom 15. bis 21. November bei einer täglichen Arbeitszeit von rund 15 Stunden. Leider kam es bei der Ausbetonierung auch zu einem Betriebsunfall, bei welchem ein Arbeiter vom Aufzug in die Tiefe gestürzt war. Der Mann konnte geborgen werden, verstarb jedoch kurze Zeit an den Folgen des Sturzes. Am 27. November 1911 stellte man die Arbeit für die Winterpause ein.

Aus den Innsbrucker Nachrichten vom 21. November 1911
"...seit Beginn des Baues arbeiteten mit wenig Ausnahmen durchschnittlich 200 bis 300 Mann an der Straße und 50 bis 60 Mann an der Brücke. Unterhalb der neuen Gemstalbrücke neben der alten Gaichtstraße wurden Baracken errichtet und Benzinmotore aufgestellt, welche zum Betriebe der Dynamomaschinen dienen, die das Licht für die Nachtarbeiten an der Brücke, sowie die Kraft für den zirka 200 Meter hoch aufsteigenden Materialaufzug und weiter noch die Kraft zum Betriebe der Mischmaschinen für den Beton abgeben..."

Aus den Innsbrucker Nachrichten vom 23. November 1911
"Aus Reutte schreibt man uns: Am 19. ds. Mts. verunglückte der beim Gemstalbrückenbaue in Weißenbach am Lech beschäftigte 22jährige Taglöhner Johann Della Brida aus Vignola durch Herabfallen eines Holzstückes. Er wurde mit einem Schädelbruch ins hiesige Gemeindespital überführt, wo er am 21. ds. Mts. seiner Verletzung erlag."

Im Frühjahr des Jahres 1912 musste auf Grund der schlechten Witterung die Wiederaufnahme der Bauarbeiten immer wieder verschoben werden. Erst am 20. Mai gestattete das Wetter, mit dem Ausschalen des Rundbogens zu beginnen.

Die bauliche Tätigkeit setzte sich über den Sommer fort und konnte am 12. August 1912 abgeschlossen werden. Im Anschluss erfolgte der Rückbau des Bremsbergs und Aufräumarbeiten rund um die Baustelle.

Anfang September folgte die Erprobung des Brückenbaus mittels einer 13 Tonnen schweren Dampfwalze.

Quellen:


  • Allgemeine Bauzeitung 1914
  • Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst 1910
  • Fernpass-Schnellstrasse - Lermooser Tunnel - Taufe und Anschlag am 2. Oktober 1981; Landesbaudirektion Tirol, Johann Vilanek





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