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Beiträge zur ältesten Geschichte von Reutte

Aufsatz von Universitätsprofessor Dr. I. Ph. Dengel (1924)






Ausferner Bote vom 28. August 1924
"Die Geschichte des Ortes Reutte war bis jetzt in ziemliches Dunkel gehüllt. Angeregt durch den Ausferner Verein für Heimatkunde, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, die geschichtlichen und kulturellen Denkwürdigkeiten der Heimat zu erschließen und dadurch die Liebe zur Heimat und zum Volkstum, in der die stärksten Wurzeln unserer Kraft liegen, zu neuer Entfaltung zu bringen, habe ich mich bemüht, den Schleier zu lüften, und es ist durch eingehende Studien in den Archiven von Reutte und Innsbruck geglückt, einige Bausteine herbeizuschaffen, die geeignet sind, über die Entstehung und über die Anfänge des Marktes Reutte neues Licht zu verbreiten.
Fragen wir zunächst, woher stammt der Name "Reutte"?
Seine Deutung führt uns zurück in die Zeiten der ersten Besiedlung und läßt uns die Entstehungsweise des Ortes erkennen. Reutte kommt, wie die alten Schreibweisen: Reuti, Räuti andeuten, von dem Worte: reuten, roden, d.h. Ausrotten des Waldes, wobei an die Aushebung der Wurzelstöcke der Bäume zu denken ist, da es sich darum handelte, einen geeigneten Platz für eine Ansiedlung zu gewinnen. Die Stelle, wo Reutte liegt, war erfüllt mit Lechschutt und wildem Strauchwerk, wahrscheinlich auch mit einem Erlenwald, und es bedurfte der fleißigen Arbeit von Jahrhunderten, um die Gegend allmählich auszureuten und auf diese Weise besiedlungsfähig zu machen.

Der Lechfluß bildete in der Urzeit einen mächtigen Gletscher, der das ganze Becken des Lechtales ausfüllte. In viel tausendjähriger Arbeit bahnten sich die schmelzenden Eismassen einen Ausweg durch die Lechklamm bei Füssen und indem so der Lech allmählich ein Abflußgebiet erhielt, entstand das heutige Landschaftsbild mit seinen Schotterwällen und Hügelreihen, seinen Furchen und Niederungen. Das das Becken von Reutte ursprünglich ein großer Tal- und Stausee war, kann man noch heute auf Schritt und Tritt sehen. Der Untergrund von Reutte und Umgebung besteht aus Schutt und Gerölle, die von den Lechwassern abgelagert wurden, und über diesen Schuttmassen lagert nur eine verhältnismäßig dünne Schichte von Humus, ein Umstand, der Mitschuld trägt an der geringen Fruchtbarkeit dieser Gegend.

Die Frage, wann Ausfern zum erstenmal von Menschen betreten worden ist, läßt sich nicht beantworten. Menschen mit primitiver Kultur gab es in Süddeutschland schon lange vor Beginn der eigentlichen geschichtlichen Zeit. Die Ureinwohner von Tirol waren die mit den Etruskern stammverwandten Räter. Nördlich und westlich davon wohnten die keltischen Vindelicier; zu ihnen gehörten die Lycatier d.h. die Lechanwohner. Wir dürfen annehmen, daß die unnahbare und rauhe Wildnis unserer Gegend diesem Volke höchstens als Jagdgebiet, nicht aber als Siedlung gedient hat.

Geschichtlich beginnt es in Ausfern erst zu dämmern mit den Tagen der Römerherrschaft in Deutschland. Etwa seit Christi Geburt waren die Römer durch 4 Jahrhunderte hindurch bestrebt, die Donauländer, das alte Keltenland, zu erobern und zu romanisieren, d.h. mit römischer Sprache und Kultur zu durchdringen. Durch die Eroberung des Alpenlandes traten die Römer auch unserer Gegend näher. Partanum (Partenkirchen), Cambodunum (Kempten), Brigantium (Bregenz) waren römische Niederlassungen. Wahrscheinlich stand auch bei Ernberg, und zwar auf der Höhe des Falkenberges (Hochschanz) ein Wachturm, der den Zweck hatte, den Straßenzug zu schützen, der durch Zwischentoren über Heiterwang, den Falkenberg, Lähn und Breitenwang nach Bayern führte. Reste dieser römischen Nebenstraße, dieses "Heidenweges", wie man ihn später nannte, sind noch heute erkennbar. Einzelne romanische Namen im Lechtal, sowie Funde von Römermünzen lassen ebenfalls auf die Anwesenheit römischer Soldaten in dem Bezirke Ausfern schließen.

In der Zeit der Völkerwanderung konnten die Römer dem ungestümen Andrängen der vom Norden und Nordwesten heranflutenden germanischen Völkerschaften nicht Stand halten. Das jetzige schwäbische Flachland wurde von den kriegerischen Alamannen besetzt, die sich Schwaben nannten und bei zunehmender Bevölkerung auch längs der im Gebirge gelegenen Flußtäler vordrangen. Auf diese Weise bekam Ausfern seine schwäbisch-alamannische Bevölkerung und seine zum Teil mit Tiroler (Imster) Dialektteilen, zum Teil mit bajuwarischen Elementen vermischte schwäbisch-alamannische Mundart, durch die sich dieses Gebiet von dem übrigen Nordtirol so markant unterscheidet.

Der Besiedlung unserer Gegend durch die benachbarten Schwaben folgte die Ausbreitung des Christentums durch den hl. Magnus. Dieser Mönch aus St. Gallen hatte in Füssen eine Zelle u. ein Holzkirchlein errichtet, von wo aus er mit seinen Genossen das umliegende Land bekehrte und durch Waldrodung und Bodenbebauung den arbeitsscheuen Schwaben das Beispiel gab.

In der Gegend des Säuling, wo der heilige Magnus den Eisenbau eröffnete, traf er ganz verwilderte Menschen an. Nach seinem Tode i. J. 750 entstand aus der Zelle Füssen ein Kloster und das Werk der Christianisierung und Bodenkultivierung wurde fortgesetzt. Ueberall, wo eine bedeutende Ansiedlung stattfand, sorgten die Augsburger Bischöfe, denen unser Gau in kirchlicher Beziehung unterstand, für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse, und so entstanden allmählich die Seelsorgen.

Die erste Seelsorgestation in Ausfern war Aschau. An dieser Stelle befanden sich ausgedehnte Auen von Eschen (daher der Name Aschau). Grund und Boden gehörten dem Kloster Füssen. Die Mönche räuteten und bebauten den Boden und besiedelten ihn mit schwäbischer Bevölkerung. So entstand am linken Lechufer die bis hinauf nach Hornbach im Lechtale sich erstreckende "Provinz Aschau", mit der auch die niedere Gerichtsbarkeit (Niedergericht Aschau) verbunden war. Die Seelsorge neben der uralten Heiliggeistkirche wurde erst im 15. Jahrhundert wegen der häufigen Ueberschwemmungen durch den Lech nach dem höher gelegenen Wängle verlegt.

Die nächsten Gründungen des Füssener Magnusstiftes waren Elbigenalp, Breitenwang und Vils. Um diese 4 Seelsorgestationen konzentrierte sich im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung das geistige und materielle Leben der noch sehr spärlichen Bevölkerung von Ausfern. Wir müssen und die allmähliche Besiedlung des Gebietes in der folgenden Weise vorstellen. Als erste Besucher mögen Jäger in diese wildreichen Täler gekommen sein und hier ihre Jagdzüge unternommen haben. Bei öfterem Erscheinen zeigten sich Gegenden, die eine alpenmäßige Bewirtschaftung und eine Bodenbebauung lohnten. Draußen im vorgelagerten Flachland herrschte infolge der unaufhörlichen Kriege große Unsicherheit, und das mag manchen Schwaben veranlaßt haben, sich in die geschützten Gebirgswinkel des Lechtales zurückzuziehen. Auch von den südlichen Seitentälern, die noch heute zum Teil nach Imst und Landeck gehören, kamen Siedler.

Nach dem allgemeinen Volksglauben war das Lechtal zuerst eine Alpe. Darauf deutet auch der Name Elbigenalp, was so viel heißt wie Alpe des Albico oder Albo (Adalbert), der also der erste Grundbesitzer und Senner des Lechtales war. Am Rande der Weideplätze entstanden dann Einzelhöfe, die sich allmählich zu dauernden Wohnsitzen ausgestalteten und erst später sich zu Ortschaften zusammenschlossen. Darauf ist es zurückzuführen, daß die heutigen Gemeinden namentlich des Lechtales alle aus einer Anzahl größerer oder kleinerer, selbständig benannter Weiler und aus Einzelhöfen bestehen. Daß Elbigenalp lange Zeit der einzige Ort im oberen Lechtal war, dafür spricht auch der Umstand, daß man heute noch Elbigenalp schlichtweg als das "Dorf" bezeichnet.

Später als das Lechtal trat das Tannheimertal in den geschichtlichen Kreis. Aber auch hier spielte sich derselbe Vorgang bei der Besiedlung ab. Der Name Tannheim heißt soviel wie Heim im Tann, Niederlassung im Tannenwald. Das wildreiche Gebiet diente zuerst den Alamannen als Jagdrevier; dann entstanden in Grän (im Grünen), in Höfen (Rastplatz für weidendes Vieh) bei Tannheim und in Nesselwängle (mit Nesseln bewachsene Fläche) Alpen, bis schließlich einige den Versuch machten, mit dem Weidevieh zu überwintern und um die Weideplätze herum dauernde Einzel-Siedlungen anzulegen, aus denen allmählich die Dörfer entstanden.

Anders lagen die Verhältnisse bei Entstehung des Ortes Breitenwang. Hier führte die alte Römerstraße hindurch, die in der ersten Hälfte des Mittelalters sicher noch in der früher angedeuteten Richtung verlief und wohl erst beim Bau der Veste Ernberg statt über den Falkenberg durch die Klause hindurch verlegt wurde. An dieser wichtigen Heeres- und Verkehrsstraße von Augsburg über den Fern mußte im Talbecken von Reutte am rechten Lechufer notwendigerweise eine Siedlung entstehen. Die geographischen Verhältnisse wiesen auf die abseits vom Lech gelegene "breite Wang" d.h. auf die breite, geräumige Wiesenfläche nordöstlich von Reutte. So entstand der Ort Breitenwang, der urkundlich zuerst i. J. 1094 erwähnt wird und durch den sich mehrenden Durchzugsverkehr sowie durch den Schloßbau von Ernberg bald eine erhöhte Bedeutung erlangte.

Das Schloß Ernberg, dessen Bau nach der Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen wurde (1293 zuerst urkundlich erwähnt), war nicht eine von allerlei anmutigen Sagen umsponnene mittelalterliche Ritterburg, sondern gleich von Anfang an ein nüchternes, kasern- und festungsartiges Amtsgebäude, das einen zweifachen Zweck zu erfüllen hatte. Einmal diente es als Grenzwacht von Tirol zur Verteidigung des Landes und in Friedenszeiten war das Schloß die Gerichtsburg des umliegenden Bezirkes, der sich nach und nach zur sogenannten Herrschaft (Landgericht) Ernberg erweiterte.

Der Schloßhauptmann oder Pfleger von Ernberg war der unmittelbare Vertreter des Tiroler Landesfürsten; in seiner Hand lag der militärische Burgdienst, sowie die gesamte administrative u. Steuerverwaltung. Er hatte auch das Recht des Burgbannes, d. h. er konnte die Gerichtsinsassen zu Arbeiten an der Instandhaltung und Erweiterung der Befestigungsanlagen, zur Herstellung von Wegen, sowie zur Bewachung des Schlosses in Kriegszeiten heranziehen. Mit der eigentlichen Rechtssprechung in dem Herrschaftsgebiete von Ernberg wurde ein rechtskundiger Richter betraut, der in den verschiedenen Orten Gericht hielt. Solche Dingstühle treffen wir im 14. und 15. Jahrhundert in Breitenwang, Pflach, Bichlbach, Lermoos und Reutte. Die Gebiete von Aschau und Vils, die zu den Stiften Füssen und Kempten gehörten, bildeten eigene Pflegämter mit gesonderter Gerichtsbarkeit.

Die Einkünfte der Pflegschaft Ernberg bestanden aus den Zöllen, die an der Klause zu entrichten waren, aus den Giebigkeiten, Steuern, Gerichtsgebühren, Geldbußen und anderen Leistungen der Untertanen. Aus einem Verzeichnisse der Einnahmen vom Jahre 1412 erfahren wir, daß z.B. von Lorbeer, der von der Etsch durch Ernberg geführt wurde, von jedem Star eine Handvoll und von jedem Ries Papier ein Bogen als Zoll abgegeben werden mußte. Breitenwang war mit einer jährlichen Steuer von 39 Pfd. Berger und 115 Metzen Haber sowie mit Robotdiensten für das Schloß belastet. Der Hof in der Lähn steuerte im Jahre 1424 5 Metzen Haber und ein Huhn. Die Mühl bei Breitenwang zinste jährlich auf Ernberg 38 Metzen Habermehl, außerdem zu Ostern ein Lamm und 30 Eier, zu Weihnachten Weißbrot und Käse. Die Höfe in Zwischentoren waren u.a. verpflichtet, das Schloß mit Brenn- und Schindelholz zu versehen und den Pflegern den Wein vom Fern bis hinauf in die Festung zu führen. Heiterwang mußte 6 Pfund Berger und 14 Metzen Haber, Bichlbach 38 Pfund Berner und 70 Metzen Haber zinsen. Aschau gab 31 Pfund Haller (15 Mark) und 15 Schaffel Haber jedes zu 17 Metzen. Aus dem Lechtal flossen jährlich 45 Mark an Steuern ein.

Insgesamt betrugen die Steuereinnahmen von Ernberg im Jahre 1420 bei 92 Mark. Der Zoll an der Klause brachte im Jahre 1424 15 Rheinische Gulden ein. Im Jahre 1502 warf die Herrschaft ein Erträgnis von 670 Gulden ab. Solange die Landesfürsten von Tirol Ernberg in eigener Verwaltung behielten, waren die Steuern erträglich. Meist aber gaben sie die Pflegschaft in Pacht oder Pfand an Herren und Edle, welche die armen Untertanen mitunter hart bedrückten.

Die steigende Bedeutung von Ernberg als Sitz der militärischen und zivilen Behörden, sowie der aufblühenden Frachtenverkehr auf der durch die Klause hindurchführende Straßen blieben nicht ohne Wirkung auf die Besiedlung des Talkessels von Reutte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts bestanden rechtslechisch außer dem Hauptorte Breitenwang Siedlungen in Ehenbüchl (Ernbüchel, Erlenbüchel), Lähn, Mühl und Pflach. Breitenwang hatte im Jahre 1427 mit seinen "Umsessen" 80 Feuerstätten, Aschau 90 Feuerstätten. Reutte war damals noch nicht dorfmäßig besiedelt. Man hatte aber bereits begonnen, die Gegend auf der "Straße" (alte Straße zur Klause Ernberg) und auf der Kög (Khäge, Gehege) zu bebauen und hier mehrere Wohnstätten zu errichten, die zu den "Umsessen" von Breitenwang gehörten, d. h. einen Bestandteil dieser Gemeinde bildeten. Die Verkehrsverhältnisse führten dann dazu, daß diese Fraktion von Breitenwang sich rasch vergrößerte und zwischen 1427 und 1440 eine selbständige Dorfschaft bildete, die nach der Art ihrer Entstehung "Reutte" genannt wurde.

Reutte, das ich als Ort urkundlich zuerst in einem Kundschaftsbriefe des Ernbergischen Richters Rudolf Recher vom 19. Februar 1440 (im Gericht zu "Rüty") erwähnt finde, ist wie Breitenwang eine Verkehrssiedlung, entstanden durch die Bedürfnisse des Verkehrs. Die Muttergemeinde sank aber durch das Aufkommen ihrer Tochter bald zum Nebenschauplatz herab. Sie mußte ihren so lange behaupteten Rang als an der Landes- und Heeresstraße gelegener Ort zu Gunsten von Reutte abtreten, durch welches nunmehr die Straße von der Ernberger Klause herab in der Richtung nach Bayern hindurchführte.

Dieser neue Straßenzug wurde für Reutte nicht nur wirtschaftlich bedeutungsvoll, sondern er beeinflußte auch die Ortsanlage und gab der Entwicklung des Ortsbildes die charakteristische Richtung. Der Marktflecken ist sozusagen eine einzige von Süd nach Nord sich hinziehende Straße. In dieser Längenerstreckung, dieser Landstraße entlang vollzog sich die Ausdehnung und Vergrößerung des Dorfes, als dessen ältesten Teil wir, wie bereits angedeutet, die Gegend an der alten Straße und auf der Kög ansehen müssen. In diesem obersten Teil des heutigen Reutte stand das "Tanzhaus", ein Holzbau, der den Bewohnern als Gemeindehaus und Dingstätte diente, der also als der Vorläufer des späteren Rathauses angesehen werden kann. Von hier weg legten die Dorfinsassen ihre Häuser in einer Reihe zu beiden Seiten der Hauptverkehrsstraße an. Hinter jedes Haus wurde ein Garten, meist ein Krautgarten gelegt, und daran schloß sich in einem breiten Bande, von der Straße sich entfernend, Acker-, Wiesen- und Weideland das in unverdrossener, zäher Rodarbeit dem Anschwemmungsgebiete des Lechflusses nach und nach abgerungen wurde.

Im oberen südlichen Teil des Dorfes Reutte lag, wie aus verschiedenen Urkunden der Jahre 1455-1461 zu entnehmen ist, ein See, genannt der Grundsee, dessen Spuren noch heute verfolgt werden können. Um denselben herum breitete sich ein schilfbedeckter Sumpf aus, den man das Rohrach nannte. Burkart von Hausen, der Türhüter des Tirolischen Landesfürsten, Erzherzog Sigmund, erwarb im Jahre 1455 das Recht, aus diesem Rohrach einen Fischweiher zu machen. Dafür mußte er dem Erzherzog, der ein großer Freund der heimischen Seefische war, oder dessen Leibeserben gestatten, daß sie, so oft sie persönlich im Gerichte Ernberg weilten, daraus so viele Fische für sich fangen lassen durften, als zu einem Mahle notwendig ist. In den folgenden Jahren kaufte Hausen von verschiedenen Parteien ihre Anteile an dem erwähnten Rohrach zur Erweiterung des See´s.

Ein anderer Weiher entstand um diese Zeit in Krecklmoos (Kräkelmoos, Krähenmoos), einem der Gemeinde Reutte gehörigem Grunde. Am 24. Mai 1450 erlaubte die Gemeinde in dem Dingstuhl zu Breitenwang den Gebrüdern Klammer, dort einen Weiher anzulegen, der heute noch vorhanden ist.

Ob auch das Bad Krecklmoos schon bekannt war, läßt sich nicht sicher erweisen. Aber im folgenden Jahrhundert war es bereits im Betriebe und wurde von der Gemeinde Reutte in Pacht gegeben. Dem Pächter Hans Schnitzer, der im Jahre 1580 das "Tauernbad" auf ein Jahr übernahm, wurde auferlegt, "guten Fleiß zu brauchen und den Armen und Reichen in gleicher Weise zu warten."
Als Badlohn durfte er für jede Person, sei es am Tage oder nachts, 2 Kreuzer verlangen; wer eine eigene Kammer beanspruchte, hatte außerdem noch täglich 1 Kreuzer zu bezahlen. Von diesem Kammergeld mußte der Badmeister der "ehrsamen Gemeinde" 2 Gulden abliefern. Außerdem war er verpflichtet, die Dachung und anderes auszubessern, "was er von seiner Hand bessern kann," und die "Gemeindezüber" binden zu lassen, wofür er aber von jenen Gästen, welche einen "Gemeindezüber" benützten, für eine zweitägige Benützung 1 Kreuzer einheben durfte. Desgleichen wurde ihm eingeschärft, auf Holz und Wasser guten Fleiß anzuwenden, etwa kein Brunnenwasser zum Baden zu nehmen, sondern jeder Person das Bad sorgfältig mit "Schwefelwasser" anzumachen.

Das Bad Kreckelmoos war damals, wie die meisten übrigen Tiroler Bäder, noch ein echtes "Bauernbadl" mit primitiver Einrichtung, wo die beiden Geschlechter nur durch "Firhäng" oder hölzerne Zwischenwände von einander getrennt waren. Die Bauern pflegten, um die Wirkung zu erhöhen, die Wasserbäder stundenlang zu benützen und vielfach auch während des Badens zu trinken. Das Getränk stand in Krügen auf Brettern, die über die Badewanne gelegt waren, bereit. Es galt die Losung: Außen Wasser, innen Wein, laßt uns alle fröhlich sein! Natürlich wuchs bei einer solchen Prozedur auch der Appetit ins Unermeßliche und es wurde der reichhaltigen Speisenfolge, die uns vom Bade Kreckelmoos aus dem Jahre 1783 überliefert ist, tapfer zugesprochen.

Am 27. Oktober 1602 entschloß sich die Gemeinde Reutte, das Bad Kreckelmoos dem Bader und Wundarzt Jakob Riple statt eines Wartgeldes zinsfrei zu überlassen. Er gelobte dafür "mit Mund und Hand," in Lieb und Leid, wie es Gott schicken möchte, der Bevölkerung verbunden zu sein und "sich in allweg, wie es die Notdurft erheischen möchte, ohne alle Erwiderung gebrauchen zu lassen."

Für den Aufstieg von Reutte zu einem zentralen Verkehrsort, in dem immer zahlreichere Frachtfuhrwerke sich hin- und herbewegten, war es von großer Wichtigkeit, daß auch die Wegverhältnisse eine Besserung erfuhren. Der uralte Weg über den Kniepaß (die Brücke Unterletzen bestand noch nicht), der über Pinswang (ursprünglich mit Binsen bewachsene Fläche) und über die Stieglen den Verkehr mit Füssen vermittelte, bedurfte eines gänzlichen Neubaues, den die Stadt Füssen übernahm, wofür sie das Recht erhielt, solange einen "ehrbaren" Wegzoll zu erheben, bis die Kosten dieses Baues gedeckt waren. Im Herbst 1449 war die neue Straße samt Brückenbauten vollendet und es wurde am 22. September dieses Jahres im Einverständnis mit den Dorfgemeinden Reutte, Breitenwang, Heiterwang, Bichlbach und Lermoos, denen bisher die Erhaltung des Weges bis zu den Stieglen oblag, der folgende Weglohn festgesetzt:
  1. Ein geladener Terfiswagen (schwerer, von 4-8 Pferden gezogener Lastwagen), der von Füssen oder umgekehrt aus dem Gericht Ernberg kommt, zahlt 4 Kreuzer.
  2. Fremde Salz- und Weinfuhren oder andere von 4-6 Pferden gezogene Güter, die durch das Gebiet von Füssen und Ernberg durchziehen, zahlen 12 Vierer. Aehnliche von Einheimischen geführte Fuhrwerke zahlen 4 Pfennige oder 6 Vierer.
  3. Ein halber Wagen mit 2-3 Rossen gibt 2 Pfennige oder 3 Vierer, ein Saumroß 1 Vierer.
  4. Wer von Füssen nach Ernberg oder weiter nach Hall oder ins Etschland fährt oder Korn für den Eigenbedarf führt, gibt nichts. Wird aber das Korn oder eine sonstige Kaufmannschaft um Lohn gegen Imst geführt oder umgekehrt, so sind 4 Vierer zu erlegen. Ein fremder Fuhrmann zahlt in diesem Falle 12 Vierer.
  5. Ein Weglohn soll auch in Binswang erhoben werden von denen, die nach Vils fahren.

Die Gerichtsleute von Ernberg waren für die Dauer der Einnahme des Wegzolles durch die Stadt Füssen von der Entrichtung des Füssener Pflasterpfennigs befreit. Es wurde auch ausgemacht, daß nach Deckung der Wegkosten durch die Zolleinnahmen die obgenannten Ernberger Gemeinden den Weg über den Kniepaß bis auf die "Stieglach" wieder zu ihren Handen nehmen sollten, während Füssen der restliche Teil des Weges von ober den Stieglen bis zur Stadt zufiel.

Der Durchzugsverkehr auf der Ernberger Straße muß ein sehr großer gewesen sein. Im Jahre 1317, wo Reutte als Ort noch nicht bestand, wurden über den Fern nach Bayern 8317 Fuder Salz (das Fuder zu 290 Pfund) verfrachtet; im Jahre 1319 waren es 7378 Fuder. Das Haller Salz bildete die wichtigste Einnahmsquelle der Landesfürsten Tirols.

Besonders stark war der Salzverkehr auf der Straße, die über die Gacht (von gach, jähe) nach Tannheim, weiter nach Hindelang, Sonthofen über Immenstadt nach Lindau und Bregenz führte. Lindau war der eigentliche Stapelplatz des Tiroler Salzes für die Städte am Bodensee und für die Schweiz. Salz aus der Pfanne zu Hall fand dort viel mehr Absatz als Reichenhaller Salz, "weil in allweg besser und lustiger." Diese Straße vom Inntal über den Fern nach Ernberg und von da über Weißenbach und Tannheim nach Lindau hieß von der großen Salzfrächterei die "Hallstraße."

Das rechte Lechufer bei Reutte war mit dem linken Ufer bei Aschau bis zum Jahre 1464 noch mit keiner Brücke verbunden. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es war, den intensiven Frachtenverkehr auf das andere Ufer zu leiten. Die Reisenden und Waarenzüge mußten einfach den Lech durchwaten, wobei nicht selten Menschen, Vieh und Güter zugrundegingen. Der ursprüngliche Weg über den Lech führte, von der Landstraße, die durch die Klause ging, abzweigend, unterhalb des Schlosses Ernberg durch die Wiesen bei Ehenbüchel und von hier über den Fluß zur Platten und nach Weißenbach. Von der Platten ging auch ein linkslechischer Straßenzug über Aschau, Roßschläg (Stelle wo die Rosse beschlagen wurden) nach Pfronten und Kempten. Auf dieser Wegstrecke über den Lech, von Heiterwang bis Rottach hatten die Herren von Hoheneck und Vilseck das Geleitsrecht, d. h. sie sorgten für die Sicherheit der Reisenden und Transporte, wofür sie eine bestimmte Abgabe, einen Zoll verlangen konnten.

Um das Verkehrshindernis des Lechflusses zu beseitigen, entschloß sich Erzherzog Sigmund von Tirol zum Bau der Aschauer Brücke. Zur Erhaltung derselben setzte der Landesfürst zu Füssen am Freitag nach St. Franziscus 1464 einen Brückenzoll fest. Ein schwerer Lastwagen (Terfiswagen) zahlte 2 Kreuzer, ein Rodwagen (leichterer Frachtwagen) oder ein anderer geladener Wagen 1 Kreuzer, ein geladenes Saumroß 1 Vierer, eine reitende oder gehende Person, die nicht zum Erzherzoglichen Hof oder zu den Raisigen gehörte, 1 Vierer; zwei Rinder oder vier Schweine zahlten ebenfalls je einen Vierer. Ausdrücklich wurde in dieser Brückenurkunde bestimmt, daß jemand, dem es einfallen sollte, bei niedrigem Wasserstand mit Umgehung der Brücke über den Lech zu gehen, zu fahren oder zu treiben, das festgesetzte Brückengeld gerade so entrichten müsse, als wäre er über die Brücke gegangen.

Die Errichtung der Lechbrücke bei Aschau im Jahre 1464 hatte für das Aufblühen von Reutte eine ähnliche volkswirtschaftliche Bedeutung wie der Bau der Außferner Bahnen in unserer Zeit. Reutte wurde immer mehr der entschiedene wirtschaftliche Vorort des ganzen Bezirkes. Rasch wuchs das junge Dorf an. Bereits im Jahre 1471 wird in einem Brunnenbriefe die Unterscheidung gemacht zwischen Ober-Reutte auf der Kög und Unter-Reutte (dem heutigen Mittel-Reutte). Wir erfahren aus diesem am 29. Juni vereinbarten offenen Briefe, daß die Bewohner von Ober- und Unter-Reutte einen gemeinsamen Brunnen hatten, genannt "von dem heiligen Stein." Die Leute von Ober-Reutte standen von diesem Brunnen zu Gunsten der Nachbarschaft von Unter-Reutte ab. Letztere mußte für diesen Verzicht 8 Rheinische Gulden erlegen, erhielt aber das Recht, mit ihrem Brunnen nach aller ihrer Notdurft durch die Güter von Ober-Reutte zu fahren und zu graben.

Es fehlte auch nicht an Streit zwischen den Nachbarschaften von Ober- und Unterreutte. Jeder Teil wollte die sogenannte Niederlage und den Salzstadel auf seinem Gebiete haben. Es war ein ähnlicher wirtschaftlicher Streit wie der um die Bahnhofanlage zwischen Ober- und Untermarkt in neuester Zeit. Wo die "Niederleg" war, da hielten die Frachtfuhrwerke, lagerten ihre Waaren ein, luden um und wechselten die Gespanne. Hier wickelten die einheimischen und fremden Kaufleute ihre Geschäfte ab. Für Wirte, Handwerker, Schneller (Auf- und Ablader), Praxer (Leute mit Pferden zum Vorspannen auf der Ernberger-Straße), Schmirber (Leute, welche für die Frächter die Wagen frisch schmierten) und Wachter (Wächter in der Niederlage während der Nacht) gab es da viel zu verdienen. Erzherzog Sigmund entschied, nachdem er beide Parteien vernommen und sich sonst darüber erkundigt hatte, am Montag nach Lichtmeß 1471 zum Nutzen der Kaufleute den Streit dahin, daß jeder Kaufmann oder Wagenmann mit seinem Gute zu Ober- oder Unterreutte niederlegen möge, wo es ihnen am füglichsten dünke. Der Pfleger von Ernberg, Reimprecht von Graben, erhielt den Auftrag, über die Einhaltung dieser Entscheidung zu wachen.

Erzherzog Sigmund der "Münzreiche" war auch ein Förderer des Berbaues im Außfern. Dadurch konnten sich die armen Bewohner einen Nebenerwerb verschaffen. Das Eisenwerk am Säuling, dessen Entdeckung dem heiligen Magnus zugeschrieben wird, war während des Mittelalters im Betrieb, scheint aber dann in Verfall geraten zu sein. Neue Aussichten eröffnete der Bergwerksbau bei Biberwier und Vils sowie in Almajur und Alperschon im Lechtal.

Wie sehr dieser Landesfürst den Außfernern, in deren Gegend er als Freund der Jagd und des Fischfanges öfters weilte, gewogen war, zeigt die Schlichtung eines Streites zwischen Hans Goswein (den man nennt "Ruschen") und den Leuten von Breitenwang und Reutte um den Berg Harlander und Ligveist. Goswein berief sich auf einen ihm vom Erzherzog ausgestellten Lehensbrief, während der andere Teil behauptete, den Berg bisher innegehabt und genossen zu haben. Nach Verhörung der beiden Parteien bewirkte Erzherzog Sigmund, daß Goswein den Lehensbrief herausgab, worauf er am Erchtag nach St. Ulrich 1462 seinen Leuten zu Breitenwang und Reutte mit Rücksicht auf ihre geleisteten Dienste den genannten Berg mit Wunn und Waid (Wiesen- und Weidegerechtigkeit) als tirolisches Lehen verlieh, unter der Bedingung, daß sie jährlich auf sein Schloß Ernberg den gebührlichen Zins und Dienst davon geben.

Da Reutte bereits seit dem Jahre 1471 die Handelsfuhrniederlage hatte, lag es nahe, für dieses aufstrebende Dorf mit seinem lebhaften Transitverkehr auch die Marktgerechtigkeit, d. h. das Recht, Märkte abzuhalten, zu erwerben. Im Jahre 1488 brachte die Gemeinde die Bitte um Verleihung etlicher Wochen- und Jahrmärkte sowie anderer dazugehörigen Freiheiten vor. Erzherzog Sigmund zeigte sich umso mehr bereit, diesem Anbringen zur Hebung des Ortes Gehör zu schenken, als er wegen Streitigkeiten mit Bayern den Verkehr dahin an allen Grenzpässen hatte sperren lassen, wodurch den Grenzbewohnern infolge Unterbindung des Handels nicht geringer Schaden erwuchs. Auch Außfern war von Bayern abgeschlossen, so daß die Leute weder Holz noch Kalk auf dem Lech nach Füssen bringen konnten. Um den durch diese Sperre verursachten "Widerdrieß" (Verdruß) der Bewohner zu beheben, entschied der Erzherzog nach Anhörung der Landschaft und der Räte am 12. Oktober 1488, daß Reutte einen Wochenmarkt und 2 Jahrmärkte erhalten soll. Am Samstag nach dem Elftausend Mägdetag (25. Oktober) sollte mit den Wochenmärkten angefangen werden. An Pfleger und Rat zu Füssen, an die Herren von Schwangau, Hoheneck, Freyberg und Montfort sowie an die Orte Kempten, Nesselwang, Memmingen, Kaufbeuern u. a. erging die Weisung, zu diesen Märkten mit Getreide und sonstigen Marktwaaren zu erscheinen.

Die Urkunde, in der Erzherzog Sigmund den Leuten von Reutte in Ansehung ihrer treuen und fleißigen Dienste, die sie in Kriegsläufen und sonst dem Hause Österreich erzeigt haben, sowie zur Förderung ihres Wohles die erwähnten Wochen- und Jahrmarktsrechte und dazu noch andere Freiheiten feierlich verbriefte, wurde zu Innsbruck am Freitag vor dem heiligen Pfingsttag (5. Juni) 1489 ausgestellt. Ihr Inhalt läßt sich in den folgenden Punkten zusammenfassen:
  1. Der ewige Wochenmarkt soll jeden Samstag oder wenn auf diesen Tag ein gebotener Feiertag fällt, am Freitag zuvor abgehalten werden.
  2. Die zwei Jahrmärkte werden auf den St. Jörgentag (24. April) und St. Moritzentag (22. September) bewilligt; jeder soll 3 Tage nacheinander dauern und die fürstliche Freiheit (d. h. die Marktbesucher genossen ohne Rücksicht auf ihre Landeszugehörigkeit einen besonderen Schutz und erfreuten sich einer größeren Bewegungsfreiheit; dadurch sollte der Marktverkehr belebt werden) genießen. Jedermann, der zu den Wochen- und Jahrmärkten kommt, soll Waare und Phenwert (alles, was man um Pfennige d. h. um Geld verkaufen konnte, also Kaufmannsgut jeder Art, Marktwaare) öffentlich feil haben, kaufen und verkaufen.
  3. Es soll auch hinfür die "Niederleg und Rod" zu Reutte sein, auch auf dem Lech allerlei Waare zu solchen Märkten und zur Niederlage stetiglich geführt werden.
  4. Fremde Kauf- oder Handwerksleute dürfen ihre Waare unter der Woche nicht verkaufen, sondern allein nur auf den Jahr- und Wochenmärkten; die können aber ihre Waaren durch Reutte durchführen.
  5. Niemand soll zu Reutte ein Bäckerhaus, eine Metzg und gemeine Badstube ohne besondere Erlaubnis des Pflegers von Ernberg bauen.
  6. Reutte, das ein Dorf gewesen ist, sei von nun ab ein Markt genannt und geheißen.
  7. Georg Gossenbrot und alle künftigen Pfleger von Ernberg sollen Reutte in den genannten Freiheiten schützen und bei schwerer fürstlicher Ungnade niemandem gestatten, denselben Eintrag zu tun.

Dieser Freiheitsbrief, der für die weitere Entwicklung des Ortes Reutte von ausschlaggebender Bedeutung geworden ist, enthüllt uns die bisher unbekannt gebliebene Tatsache der Erhebung des Dorfes Reutte zum Markt am 5. Juni 1489. Unser Ort kann somit auf eine 435jährige Geschichte als Marktflecken und, wie sich aus unseren früheren Darlegungen ergibt, ungefähr auf einen 490jährigen Bestand als selbständige Ortschaft zurückblicken.

Als Folge des erworbenen Wochenmarkt-Privilegs stellte sich die Notwendigkeit der Errichtung eines Kornhauses heraus. Zur Vergrößerung dieses Baues, namentlich zur Schaffung eines offenen, geräumigen Marktplatzes kaufte die "ehrbare" Gemeinde Reutte im Jahre 1491 von Oswald Schmid und dessen ehelicher Hausfrau Magdalena die ihnen gehörige Hofstätte samt Zaun und Keller. Diese Hofstätte war "an vier Orten mit Marksteinen, ungefähr von jedem Eck der Mauer des Kornhauses 17 Schuh heran ausgesteckt" und reichte nach vorne bis an die freie Landstraße. Der Vater des Verkäufers, der Goldarbeiter Hans Schmid, der gegenüber dem Kornhause, ungefähr an der Stelle des heutigen Gasthofs zum Hirschen ein Haus mit Garten besaß, verpflichtete sich, "außerhalb und vor dem Markstein, so herfürwärts gegen die Landstraße neben dem Eck des Kornhauses vor seinem Hause übernächst steht, hinaus gegen die Landstrasse keinen Zaun oder sonst etwas zu machen noch zu bauen, was dem Kornhause zu seiner Einfahrt Schaden oder Irrung bringen könnte." Jedoch war es ihm und seinen Erben erlaubt, vom Eck seines Hauses, zwerchs hinüber gegen den vorbestimmten Markstein und darnach von demselben außerhalb der Länge hinab zu dem untersten Markstein an seinen Garten einen Zaun zu schlagen.

Mit dieser Veränderung erhielt das Bild des mittleren Teiles von Reutte ein neues, ein marktliches Gepräge, das bis zum heutigen Tage gewahrt geblieben ist. "Ober-Reutte auf der Kög," der älteste Teil Teil der Siedlung mit dem "Tanzhause," wo sich, solange Reutte ein Dorf war, das öffentliche Leben des Ortes abgespielt hatte, mußte nunmehr, seitdem Reutte Markt geworden, seinen Vorrang an Mittel-Reutte abtreten. Das Kornhaus wurde zugleich zum Rathause umgestaltet und der alte Dingstuhl in dem "Tanzhause" wurde hieher verlegt. Reutte hatte sich inzwischen immer mehr ausgedehnt, so daß das "Kornhaus" bald im Mittelpunkt des Marktfleckens stand. Im Jahre 1494 finden wir bereits die Unterscheidung zwischen Ober-, Mitter- u. Nieder-Reutte und im folgenden Jahrhundert tritt die "Au zu Unter-Reutte", auch "Neu-Reutte" genannt, auf die Bildfläche.

In diesem Rahmen müssen wir auch der historischen Linde im Mittel-Markt gedenken, von der Christian Schneller in seinem 1859 verfaßten Gedicht über Reutte singt:

Es ragt in deiner Mitte hoch die Linde
Die mehr als huntertmal sich neu belaubt:
Es rauscht und bebt ihr Wipfel in dem Winde
Gleich wie ein hochehrwürdig Greisenhaupt.


Der Volksmund läßt den "Lindenbaum", wie er gewöhnlich genannt wird, auf ein vierhundertjähriges Alter zurückschauen. Die Urkunden bestätigen diese Tradition. In einem Brunnenbriefe vom 6. April 1534 finde ich die Linde erwähnt; es wird von der "Nachbarschaft bei der Linde" und von dem "Brunnen an der Linde" gesprochen.

In einem in Reutte befindlichen Verzeichnisse der gesetzten Marksteine aus dem Jahre 1563 heißt es:
"Auf der Linde ist ein Gemaind und Landstraß in Hennenwinkel hinein, ist vor Jahren eine Metzg dagewest, desgleichen ein Brunnen."

Uralte Linden von bedeutendem Umfang findet man in vielen Ortschaften Nord- und Mitteldeutschlands. Auch in den Allgäuer Alpen fehlt es nicht an altehrwürdigen Dorflinden. Sie erinnern an hervorragende geschichtliche Ereignisse oder sie stehen zu Gerichtsverhandlungen (Gerichtslinden, unter welchen Gericht gehalten wurde), zu Gemeindeversammlungen, zu Volksfesten oder zu religiösen Feierlichkeiten in irgend einer Beziehung. Keine andere Art unserer deutschen Baumarten ist hiezu so häufig benützt worden wie die Linde, die mit dem Volksgeiste innig verwachsen ist.

Ob und in welcher Weise die Linde in Reutte zu einem Ereignisse der geschichtlichen Vergangenheit in Beziehung steht, läßt sich mangels an überlieferten Nachrichten mit Sicherheit nicht sagen. Gewagt scheint mir die Vermutung, als wäre die Linde ein Überbleibsel des Waldes der einst die Gegen von Reutte bedeckt hat. Große Bäume werden in ihrem Alter meist überschätzt. Im allgemeinen haben die auf deutschem Boden erhalten gebliebenen alten Linden ein Alter von 300-500 Jahren. Unsere Linde dürfte in die Zeit zurückreichen, wo der mittlere Teil des Marktes emporkam und sein Gepräge als Marktplatz erhielt, also in die Zeit, als Reutte zum Markt erhoben wurde 1489. Vielleicht läßt sich annehmen, daß die Bewohner aus Anlaß dieses so denkwürdigen Ereignisses die Linde gepflanzt haben.

Wie sehr die Bürgerschaft die Bedeutung der Markterhebung würdigte, erhellt aus der Geschichte der Privilegien-Bestätigungen für Reutte. Aengstlich wurden die alten Freiheiten gehütet. Zu Ende des 18. Jahrhunderts war die Gemeinde einmal nahe daran, das Recht, sich "Markt" nennen zu dürfen, zu verlieren. Es war nämlich infolge der Kriegsläufe die Urkunde Erzherzogs Sigmund vom 5. Juni 1489 verloren gegangen, was der Regierung im Jahre 1791 die Handhabe bot, zu erklären, daß "der Ausdruck eines Marktes in den älteren Freiheitsbriefen nicht vorkomme." Schließlich wurde mit Rücksicht auf die Tradition und im Hinblick auf die "ausnehmende Treue," die von der Bürgerschaft im Kriege des Jahres 1703 und bei den vielfachen militärischen Durchmärschen bezeigt worden war, das alte Recht im Gnadenwege anerkannt. In dem Privilegienbriefe Kaiser Franz II. vom 13. Juni 1795 heißt es wörtlich: "Wir wollen gestatten, daß der Flecken Reutti in der Eigenschaft und anderen Rechten eines unter unserer Landeshoheit stehenden Marktfleckens von männiglich angesehen u. erkennet werden solle, weil dieser Flecken schon seit Jahrhunderten in dem Besitze jener Vorzüge ist, die sonst einem Markte in der gefürsteten Grafschaft Tirol zugestanden werden.

Die historische Bedeutung der altehrwürdigen Linde trat im Jahre 1814 in Erinnerung, als Tirol nach der bayerischen Herrschaft mit Österreich wieder vereinigt wurde. Die Bürgerschaft setzte zum Andenken an dieses Ereignis unter die Linde ein von dem Doppeladler und dem Tiroler Adler umranktes Denkmal mit der Aufschrift: "Dem allgeliebten Kaiser Franz schenken Ernbergs Kinder ihr treues Herz.

Weitere Fortschritte der Entwicklung von Reutte knüpfen sich an den Namen des Kaisers Maximilian I, der als Landesfürst Tirols wiederholt in dieser Gegend weilte, um sich an der Bären-, Schweine-, Hirsch- und Gemsenjagd in den Planseebergen zu ergötzen. Mit ganz besonderer Vorliebe betrieb der kaiserliche Jagdherr die Falkenbeize auf dem Falkenberg (Hochschanz) bei Ernberg. Ober er beobachteten von dem "Mäuerle" aus, wie die Gemsen und Hirsche ihre Flucht in den Heiterwanger See nahmen, wo sie von den Jagdgästen von den Kähnen aus in roher Weise abgestochen wurden. Bei solcher Gelegenheit mag der Kaiser die schwache Seite der Veste Ernberg erspäht haben, nämlich, daß das Schloß von dem damals noch unbefestigten Falkenberg aus vom Feinde so leicht mit Erfolg beschossen oder auch jenseits des Tauern um den Plansee herum umgangen werden könnte. Um diesen Mißstand zu beheben, ordnete er die Erbauung von zwei starken Türmen am Falkenberg und am See an, jedoch scheint es zur Ausführung nicht gekommen zu sein.

Für den Aufschwung des Marktes Reutte war es sehr wertvoll, daß Kaiser Maximilian am Erchtag nach dem Sonntag Judica des Jahres 1491 der Gemeinde die Gnade gewährte, daß sie jeden, der zu ihr ziehen will und ihr angenehm ist, um ein benanntes Geld aufnehmen darf. Dieses Recht der Aufnahme von Fremden als Bürger sollte, wie es in der Urkunde heißt, den Wochen- und Jahrmärkten besseren Bestand geben und ihre Abhaltung in Würde ermöglichen.

In einer weiteren Urkunde vom gleichen Datum verlieh Maximilian den Leuten von Reutte den Weglohn (Zoll) am Katzenberg und am Krannz-Rayd (Rid, Krümmung; heißt in den Urkunden auch "Kantzenrad" oder "Canzrait" bei Heiterwang gelegen) mit seiner Zugehörung auf 12 Jahre und darnach noch weiter bis auf Widerruf. Diesen Straßenzoll hatte Reutte schon früher innegehabt, jedoch hatte ihn Erzherzog Sigmund an sich genommen und Wege und Stege verbessert. Sein Nachfolger Kaiser Maximilian fand, daß schon wegen der Märkte die Gemeinde Reutte an dieser Straße ein Interesse haben müsse, und deshalb gab er ihr den Zoll zurück, mit der Verpflichtung, daß sie den Weg am Katzenberg, soweit er noch nicht gemacht sei, ausbauen und in Ehren und Würde halten soll, damit dem Lande Tirol an seinen Zöllen und Mauten kein Abbruch und dem Gewerbsmann an seiner Hantierung keine Verhinderung geschehe. Der jetzt bestehende Weglohn, von jedem Roß oder Haupt (Stück Vieh), so geladen zieht oder trägt, ein Vierer, sollte ohne besondere Erlaubnis nicht erhöht werden.

Die Strasse am Katzenberg und an der Klause und durch Zwischentoren über den Fern nach Nassereit erfuhr in den Jahren 1542 und 1543 zur Förderung des Verkehrs neuerdings eine wesentliche Verbesserung, indem einzelne Strecken umgelegt, die übrigen ausgebessert wurden. An der Klause Ernberg stand damals auch ein Wirtshaus und unterhalb derselben, wo sich heute die Katzenmühle befindet, wurde eine Mahlmühle, eine Schmitte und Säge sowie eine Bleimühle (zum Abrunden der Bleikugeln) errichtet.

Auf Kaiser Maximilian I. geht auch die Vergebung des Ammerwaldes an Reutte und Breitenwang zurück. Mittelst Urkunde, ausgestellt zu Innsbruck am Freitag nach dem Sonntag Letare 1493, verlieh Maximilian den Leuten zu Reutte und Breitenwang, "so Dienst und Erbgüter haben und zu dem Markt Reutte gehören", auf ihre Bitte hin den Ammerwald unter dem Plansee, "der ein Tannenwald gewesen, aber gar abgedorrt und erfaulet ist". Sie erhielten die Erlaubnis, diesen Wald zu reuten, zu räumen und Wißmähder daraus zu machen sowie solche Wiesen für immer zu haben, zu nutzen und zu nießen.

Reutte war bereits beim Ausgang des 15. Jahrhunderts infolge der erworbenen Rechte und Freiheiten zum Sammel- und Brennpunkt des Verkehrs in Außfern geworden. Noch aber fehlte eine genauere lokale Regelung dieser neuen Verhältnisse, wodurch des den einzelnen Marktteilen ermöglicht wurde, an den wirtschaftlichen Errungenschaften gleichmäßigen Anteil zu nehmen. Mittel-Reutte hatte das Konrhaus und die offene Marktstätte und in Unter-Reutte stand bereits vor dem Jahre 1494 der Salzstadel, in welchem die durchlaufenden Salzgüter eingelagert und umgeladen wurden. Damit die Bürger von "Ober-Reutte auf der Kög" nicht zu kurz kamen, verfügte Kaiser Maximilian I. am Freitag nach Fronleichnam (6. Juni) 1494, daß im oberen Markt auf ewige Zeiten die Niederlage und Rod (Frächterei) aller Güter sein soll, die von Venedig kommen oder dorthin oder in andere Länder gehen; jedoch müsse solcher Rod und solches Kaufmannsgut, wie es sich gebührt, versehen und verfertigt werden, und an der Stelle, wo jetzt das "Tanzhaus" stehe, soll, auf Kosten der Bürgerschaft ein "Pallhaus" (Umladeplatz für die Waarenballen) gebaut werden. Georg Gossenbrot und seine Nachfolger in der Pflegschaft Ernberg erhielten den Auftrag, die Untertanen von Ober-Reutte bei solcher Rod und Niederlage zu schützen.

Die Beförderung der Frachten erfolgte durch die sogenannten Rodleute, d. h. durch Fuhrwerksbesitzer, die in Tirol gemeinde- oder gerichtsweise organisiert waren und nach einer bestimmten, vom Landesfürsten genehmigten Ordnung (Rodordnung) und um festgesetzte Preise den Transport der Kaufmannsgüter von einer Rodstätte zur anderen, von einem Umladeplatz zum anderen, z. B. von Innsbruck - Telfs - Nassereit - Lermoos - Reutte übernahmen.

Am meisten beschäftigt waren die Salzroder, welche, wie wir bereits hervorgehoben haben, riesige Mengen Salz aus der Haller Saline nach den westlich gelegenen Ländern transportierten. In Reutte als einem "Haupt-Confin-Ort" des Landes Tirol war eine "Haupt-Salz-Niederlage," so daß der Salzstadel im unteren Markte bald nicht mehr genügte und ein zweiter im oberen Teil des Marktes errichtet werden mußte.

Die nächste "Ordinari-Rodstatt" befand sich in Nesselwängle an der in den Jahren 1540-1550 neuangelegten Tannheimerstraße, auf welcher die meisten Salzfrachten nach Lindau weitergeleitet wurden. Hier stand ein dreistöckiger Salzstadel, der eigene Einfahrten für jedes Stockwerk hatte. Der Tannheimerstraße entlang lagen Weidegehege für die Lastpferde. Ein "Wetterstadel" in Weißenbach hatte den Zweck, bei Wasser- und Schneegefahr, wenn der Weg über die Gacht bedroht war, die Salzfässer aufzunehmen. Vielfach mußten die Weißenbacher mit ihrem Zugvieh und mit "angelegten Fußeisen" ausrücken, um die auf der Straße steckengebliebenen Transporte über den Gachtpaß zu bringen. Die Gemeinde Weißenbach betrachtete ihren "Not-Salzstadel" wie eine wirkliche Niederlage. Gegen diesen Mißbrauch traten die Salzfuhrleute von Reutte auf. Überhaupt gab es wegen der Salzrod manchen Streit, so daß schließlich die Gerichtsobrigkeit von Ernberg einschreiten mußte, die am Freitag vor St. Pauli Bekehrung 1541 im Einvernehmen mit dem Bürgermeister und Rat zu Reutte und den Leuten von Aschau die folgende Salzrodordnung aufrichtete:
  1. Die Leute von Reutte und Aschau samt ihren Mitverwohnten haben das Vorrecht, die in Reutte ankommenden Salzfässer zu laden und weiterzuführen, und zwar trifft es von je 3 Fässern auf die Rodleute von Reutte und Breitenwang 2 Fässer, auf die von Aschau, Wängle, Höfen und Weißenbach 1 Faß.
  2. Wenn soviel Salz in Reutte lagert, daß die Fuhrleute von Reutte und Aschau samt ihren Mitverwohnten nicht alles führen können oder wollen, können auch die anderen Gerichtsleute von Ernberg sich an der Frächterei beteiligen.
  3. Ausländer dürfen in den Pfarren Reutte und Aschau vor 10 Uhr Vormittag kein Salz aufladen und wegführen, nach dieser Stunde nur dann, wenn niemand von Reutte oder Aschau oder sonst aus dem Gerichte Salzfässer führen will.
  4. Zuwiderhandelnde zahlen von jedem Salzfaß 1 Gulden Strafgeld, das zu gleichen Teilen der Gerichtsobrigkeit und der Gemeinde Reutte zufällt.

Aus einer Zusammenstellung vom Jahre 1664 ergibt sich, daß vom Oktober 1661 bis Oktober 1662 15850 Salzfässer von Reutte nach Nesselwängle transportiert worden sind. Davon führten nach dem Schlüssel der vorhin erwähnten Salzrodordnung die Rodleute v. Reutte und Breitenwang 10567, die von Aschau, Wängle, Höfen und Weißenbach 5283 Fässer. Am Fuhrlohn wurden für das Faß 23-24 Kreuzer verdient. Das verschaffte in Verbindung mit dem immer mehr aufblühenden Handel und Gewerbe diesen Gemeinden, vor allem Reutte als dem Hauptstapelplatz einen gewissen Wohlstand, der sich in dem Bau stattlicher Bürgerhäuser ausdrückte.

Die lebhaft betriebene Frächterei, nicht nur an Salz, sondern auch an sonstigem Kaufmannsgut, das durch Reutte hindurchgeführt wurde und die Vorspanndienste brachten es mit sich, daß im Bezirk Außfern sehr viel Zugvieh, Ochsen und hauptsächlich Pferde gehalten wurden. In Zeiten der Futternot, wie im Jahre 1482, erging an die Pfleger von Ernberg die Weisung, den von auswärts hereinfahrenden Fuhrleuten einzuschärfen, das Futter selbst mitzuführen, oder der Auftrag, statt der Pferdewägen Ochsengespanne zu benutzen und die Pferde wenigstens teilweise abzutun. In Nesselwängle allein hielt man zum Zwecke der Vorspannleistungen 80 Pferde. Noch im Jahre 1802 zählte das Gericht Ernberg 805, das Gericht Aschau 157 und das Pflegamt Vils 97 Pferde. Zusammen waren es 1059 Pferde, währen der Viehkataster vom Jahre 1920 im ganzen nur 363 Pferde aufzählt. Im Gericht Ernberg allein ohne die Ämter Aschau und Vils gab es 310 Fuhrleute, dazu eine große Zahl von Wirtshäusern und Branntweinschenken, deutliche Beweise des sehr regen Verkehrslebens.

Zum weiteren Aufschwung des Marktes Reutte trug das seit 1509 wiedereröffnete Berg- und Hüttenwerk am Säuling bei. Den Brüdern Georg, Ambros und Hans Hochstetter aus Augsburg, die sich mit der Absicht trugen, in Tirol eine Schmelzhütte und Schmitte zur Gewinnung von Kupfer und Messing zu errichten, verlieh der ihnen verschuldete Kaiser Maximilian I. durch Brie vom 13. Dezember 1509 in Pflach bei dem Achwasser den Platz und die Hofstätte, "da vormalen die Blechhütten oder Eisenschmitten gestanden, so ergangen und abgebrochen ist.
Dieser Platz umfaßte "von oben herab nach der Ach die Ebene unten am Steinenberg am Rain ringweise herum bis wiederum an die Ach, mitsamt dem Wasserfall und der Wurstatt (Stauwehr) von einem Gestade zu dem anderen, quer durch das Wasser." Dazu kam, was von besonderer Wichtigkeit war, das Recht des Holzhaues in dem Walde am Zwieselbach für den Schmelzbetrieb. Durch die Wur sollte aber die Durchfahrt für die Flößer nicht behindert werden und auch der Viehtrieb der Untertanen der Pfarre Breitenwang bei dem Rain auf der Ebene des Steinenberges durfte nicht beeinträchtigt werden. Ebenso blieb ihnen der Holzhau im Zwieselbacher Walde zur Notdurft ihrer Häuser gewahrt. Das Hochstetter´sche Unternehmen sollte bei Anstellung von Holzknechten, Köhlern, Fuhrleuten und anderen Arbeitern in erster Linie die einheimischen Arbeitskräfte berücksichtigen.

Kaum war das Eisenwerk an der sogenannten Hüttenmühle in Gang, gab es Streit zwischen den Hochstettern und den Pfarrsleuten von Reutte und Breitenwang wegen des von ersteren auf der linken Seite der Ach am Steinenberg aufgerichteten neuen "Fachwerkes" (Rechen). Eine Kommission aus Innsbruck, die an Ort und Stelle die Verhandlungen führte, brachte am 18. Mai 1517 in Reutte den folgenden Vergleich zustande.
  1. Die Hochstetter behalten den durch sie ausgehauenen Platz oberhalb des Hüttenwerkes zwischen Ach und Steinenberg bis an den "schrofigen Büchel", müssen jedoch jedesmal nach der jährl. Triftung das Fangwerk für die Beflößung aufheben und eine guten Fahrweg über den Rain anlegen. Als Ersatz für den Entgang der Nutzung auf den genannten Platze stellen die Hochstetter den Pfarrsleuten eine Schuldbrief auf 40 Rheinische Gulden aus.
  2. Wenn die Hochstetter künftig auf der Ebene zwischen Ach und Steinenberg mehr Platz brauchen zum Lenden, Holzlegen und für Kohlstätten und darüber neuer Streit entstehen sollte, so soll in Innsbruck um Auslegung des Lehensbriefes Kaiser Maximilians I. angesucht werden.
  3. Das Fangwerk wird für die Durchfahrt der Floßleute mit einem Durchlasse versehen.
  4. Die Ölmühle oben an der Ach (in der Nähe des heutigen Elekrizitätswerkes) muß vor Beschädigung durch die Holztriftung geschützt und der durch das Klauswasser entstandene Schaden nach Billigkeit vergütet werden.
  5. Die von den Hochstettern jüngst bei ihren Hütten an der Ach aufgerichteten 2 neuen Hammerlegen bleiben stehen, jedoch muß die Wur so eingerichtet werden, daß man sie jederzeit befloßen kann.
  6. Die Hochstetter sind ermächtigt, auf dem Büchel oberhalb der Drahtmühle und des darunter befindlichen neuen Messinghammers noch 2 Behausungen aufzuführen.
  7. Die Pfarrsleute von Reutte und Breitenwang sind berechtigt, aus ihrem für den Eigenbedarf gefällten Holz Hammerstiele oder Keile zu machen und diese Gegenstände für die Notdurft des Hüttenwerkes zu verkaufen. Die Dachschindeln aber müssen die Hochstetter aus ihrem eigenen Holz anfertigen lassen.
  8. Die Pfarrsleute sollen die für das Hüttenwerk benötigten Arbeiter und Taglöhner, die soweit sie tauglich sind, aus dem Gericht Ernberg genommen werden, um ein ziemliches Geld bei sich aufnehmen oder sonst gegen Entgeld beherbergen.
  9. Zum Zwecke des Abtransportes der Hochstetter´schen Erzeugnisse durch einheimische Fuhrleute soll bei der Regierung die Aufrichtung einer Rod (Frächterei) in Reutte erwirkt werden.
  10. Wein darf beim Hüttenwerk nur für die Arbeiter ausgeschenkt, damit aber nicht offene Wirtschaft gehalten werden.
  11. Fleisch soll bei den Metzgern in Reutte eingekauft werden; nur wenn Reutte den Bedarf nicht decken kann oder die Preise hier höher sind, dürfen die Arbeiter ihr Fleisch aus Füssen oder anderen Ortes beziehen. Die Errichtung einer offenen Fleischbank beim Hüttenwerk ist unzulässig.

Die genannten Urkunden gewähren nicht nur Einblick in den Umfang der Schmelzwerke an der sogenannten Hüttenmühle, sondern lassen auch deutlich erkennen, wie sehr die Maximilianische Regierung darauf bedacht war, den armen Gerichtsleuten von Ernberg aus dem Unternehmen der Hochstetter Erwerbs- und Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Die Privilegien Kaiser Maximilians I. wurden durch Kaiser Karl V. am 9. Oktober 1521 bestätigt, und zwar mit dem Zusatze, daß die Plätze, worauf "die Schmelzhütten, Schmitten, Behausung, Hofstätten, Holzlegen, Gassen, Wege und Garten" mit allem anderen Zubehör stehen, die landesfürstliche Freiung genießen sollen. Niemand durfte bei schwerer Strafe an diesem Orte einen anderen vergewaltigen, beschädigen und beleidigen. Wer zu einer Manns- oder Frauensperson, die hier wohnhaft waren, Spruch oder Forderung zu haben vermeinte, sollte solche Forderung mit gebührender Rechtfertigung suchen, wie es in Tirol Brauch, Recht und Gewohnheit ist.

Die Industrieanlage der Hochstetter, deren Rechte auch durch König Ferdinand I. am 13. Juni 1523 erneuert wurden, hat sich anfangs gut gelohnt. Dafür spricht auch der Bau der schönen, geräumigen gotischen Hüttenkapelle im Jahre 1515 für die Knappen und Schmelzer.

Allmählich gerieten aber die Hochstetter in Schulden und infolge langwieriger Streitigkeiten mit den Gläubigern kam das Hüttenwerk ins Stocken und schließlich zum Stillstand. Durch einen Vertrag mit den Hochstetter´schen Gläubigern brachte Georg Hag die Schmelzhütten in seinen Besitz und erhielt durch König Ferdinand I. am 6. Oktober 1533 die Privilegien Maximilians I. und Karl V. bestätigt. Von Georg Hag übernahm das Eisenwerk sein Sohn David Hag, Hofstallmeister Kaiser Maximilians II. und unter Kaiser Rudolf II. Hofkammerrat und oberster Kammergraf der ungarischen Bergstädte. Erzherzog Ferdinand II. und Kaiser Rudolf II. erneuerten ihm am 28. August 1568 resp. 18. Mai 1598 alle früheren Privilegien.

Von der Familie Hag ging das Hüttenwerk mit "Behausungen, Hof, Hofstätte, Schmelz-, Guß- und Brennhütten, Schmitten, Mühlen, Stadl, Stallungen, Gärten, Plätzen, Kohlstätten, Holzlegen und Wasserfällen samt der Kirche" am 14. Jänner 1606 an den Ernberger Pfleger Burkardt Laymann zu Liebenau und Ernhaim über. Der Kaufpreis, in den auch ein Wißmahd am Säuling, das "Kriegsschwendtle" genannt, ein Mahd, das "Breitele" genannt, sowie Äcker und Mühl und im Neuruter Feld und ein Wald in Wängle inbegriffen waren, betrug 3150 Gulden. Die nun folgenden Pestzeiten und der 30jährige Krieg bewirkten, daß die Hüttenwerke am Säuling gänzlich verlassen wurden.

In kirchlicher Beziehung verblieb Reutte, auch nachdem es zwischen 1427-1440 zu einem selbständigen Orte geworden war, im Pfarrverbande der Muttergemeinde Breitenwang. Es entstand aber bei dem raschen Aufblühen der Ortschaft schon im 15. Jahrhundert das Bedürfnis nach einer Filialkirche, und dem wurde in der Weise Rechnung getragen, daß man angeblich auf Anregung des seligen Nikolaus von der Flüe (gestorben 1487), der hier eines Tages vorüberpilgerte, eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Anna errichtete, welche die Vorhalle zur heutigen Franziskanerkirche einnahm. Im Jahre 1500 baute dann der reiche Pfleger von Ernberg, Jörg Gossenbrot, an diese Kapelle die größere St. Annakirche an, und im Jahre 1518 wurde, wahrscheinlich mit Unterstützung Kaiser Maximilians I., eine Frühmesse (Kaplanei) gestiftet, für die das Präsentationsrecht dem Landesfürsten von Tirol zustand.

Der Frühmesser oder Kaplan von St. Anna erhielt von dem Augsburger Bischof, dem die Pfarre Breitenwang unterstand, die Bewilligung, an Sonn- und Feiertagen in dem Gotteshause Messe zu lesen und das Evangelium zu verkünden; er mußte jedoch hernach jedesmal sich nach Breitenwang begeben, um hier beim Gottesdienste auszuhelfen. Da letzter Bedingung nicht gehalten wurde, entstand eine Streit zwischen dem Pfarrer von Breitenwang als dem Ferfechter der alten Pfarr-Rechte und der Bürgerschaft von Reutte, die sich die Sonntagsmesse in St. Anna nicht nehmen lassen wollte, in dem sie sich darauf berief, daß Reutte an der Landstraße gelegen und sehr bevölkert sei, wogegen Breitenwang nur 20 Häuser zähle. Schließlich kam eine Vereinbarung dahin zustande, daß der Pfarrer von Breitenwang jeden dritten Sonntag den Gottesdienst in Reutte halten sollte. Die urkundlich bekannten Kapläne von St. Anna waren Oswald Keller (gestorben 1557), Johann Kunter (seit 1569), Hans Ammann (ca. seit 1578), Konrad Sturm (seit 1591), Georg Plank (1623) und als letzter wie es scheint, Andreas von Höchst.

Der Einfall des Kurfürsten Moritz von Sachsen in Tirol i. J. 1552 hatte den an der Strasse gelegenen Gotteshäusern des Gerichtes Ernberg unermäßlichen Schaden zugefügt. Alle Ornate, Kelche, Meßgewänder, Privilegien und Urbare wurden geraubt, so daß das St. Anna-Benefiz einige Zeit nicht vergeben werden konnte. Zur Ordnung des Kircheneinkommens und der Stiftungen ließ der Pflegsverwalter Georg von Kanz, unterstützt von dem Richter Georg Franck und dem Pfarrer Christian Heß, von Breitenwang, in Gegenwart der Heiligenpfleger (Kirchpröpste) Oswald Kleinhans und Georg Oberreiter im Jahre 1556 für St. Anna ein neues Urbar anfertigen, das nach einigen Aenderungen auf Befehl des Pflegers Hans von Winkelhofen am 5. Febr. 1558 endgiltig aufgerichtet wurde. Die Kirchenpfleger von St. Anna mußten jährlich zur Weihnachtszeit gewissenhaft Raitung (Abrechnung) tun und jedem Bürger in die Rechnungslegung Einsicht gewähren.

In den Jahren 1605 und 1606 ließen Burkardt von Laymann, Pfleger zu Ernberg und Inhaber des Hüttenwerkes in Pflach, und die Bürgerschaft von Reutte die St. Annakirche restaurieren. Die künstlerische Ausschmückung besorgte Jakob Hiebler aus Füssen, der in der dortigen Annakapelle neben dem Kloster den Totentanz nach Holbein gemalt hatte. Erzherzog Leopold V. bewilligte am 2. Mai 1625 zuer Erhaltung des ewigen Lichtes in dem St. Anna-Gotteshause aus den Pflegsamtsgefällen von Ernberg jährlich 3 Gölten Öl.

Zur Filialkirche St. Anna gehörte nach dem erwähnten Urbar ein Häuschen und ein hinter der Kirche gelegener Anger, auf dessen Fläche später das Franziskanerkloster erbaut wurde. Der von der Marktgemeinde bestellte Meßner mußte den Anger zäunen und konnte ihn mit zwei der Kirche gehörigen Lußgütern nutzen. Außerdem hatte er eine Besoldung von 8-12 Gulden jährlich. Bei seiner Anstellung wurde ihm eingeschärft, insbesondere der Uhr fleißig abzuwarten, dieselbe mit "Ölen und Salben" nicht zu verderben und auch in allweg fleißig zu sein mit dem Läuten des Ave Maria und mit dem Wetterläuten. Der Kaplan der St. Annakirche verfügte, wenigstens zu Ende des 16. Jahrhunderts, über ein jährliches Einkommen von 150 Gulden, hatte aber keine eigene Behausung noch Holz. Er mußte auch die Orgel versehen und pro choro singen. Im Jahre 1628 wurde die Obhut über die St. Annakirche durch das von Erzherzog Leopold V. gegründete Franziskanerkloster übernommen.

Die Verwaltung des Marktes Reutte lag in den Händen des gewählten Bürgermeisters, dem 11 Ratsfreunde und 4 Viertelmeister für die Kög, für Ober-, Mittel- und Unterreutte beigeordnet waren. Wie sehr Reutte über die Muttergemeinde Breitenwang das Übergewicht erlangt hatte, ersieht man am besten daraus, daß am St. Felixtag 1506 die ganze Gemeinde von Reutte, Pflach und Ehenbüchel sich verschrieb und dem Bürgermeister und Rat zu Reutte die Vollmacht erteilte, in allen ihren Sachen zu betrachten, vorzunehmen und zu fördern. Es bildete also die heutige kirchliche Pfarrgemeinde Breitenwang in früherer Zeit zugleich eine politische Einheit zur gemeinsamen Besorgung der Gemeindeangelegenheiten unter dem Vorsitz von Reutte. Die umliegenden Orte (Breitenwang, Pflach und Ehenbüchel) nominierten zu den Beratungen je einen "Gewalthaber." Die Gemeinsamkeit kam in den Bezeichnungen wie "Bürgermeister und Rat zu Reutte für sich selbst und anstatt einer ganzen Gemain der Pfarre Breitenwang" oder "Bürgermeister und Rat des Marktes Reutte und die Nachbarschaft der Pfarre Breitenwang" oder "Bürgermeister, Rat und die gesamte Bürgerschaft des Marktes Reutte und die Gemeindeleute der mitverbundenen Pfarre Breitenwang" zum Ausdruck.

Die bürgerlichen Ämter (Schulmeister, Meßmer, Hebamme, Totengräber, Alpmeister, Rauschmeister, Kornmesser, Wagmeister, "Pfentner und Liener", Wegmacher, Brunnenmacher, bürgerlicher Diener) wurden jährlich durch die Wahl des Rates im Beisein der Pflegsgerichtsobrigkeit von Ernberg neu besetzt. Der Bürgermeister wurde auf 2 Jahre gewählt, und zwar war es Brauch, daß der im Amte stehende Rat und Ausschuß in geheimer Abstimmung 4 "Subjekte" nahmhaft machte, deren Namen man dann an den 4 Säulen des Rathauses anschrieb; die gesamte Bürgerschaft konnte einen von den Vieren in freier Wahl als Bürgermeister auswählen, der nach erfolgter Wahl dem Pfleger von Ernberg das Handgelöbnis zu leisten hatte. Nach altem Herkommen durfte der Pfleger nur dreimal im Jahr in der Ratsversammlung erscheinen: am 1. Mai bei der Erneuerung des Bürgermeisteramtes, wobei er auch seine Stimme abgeben konnte, am Sonntag darauf zur Beeidigung des Erwählten und am Dreikönigstag bei Neubesetzung der Gemeindeämter.

Wiederholt versuchte die Regierung in die Gemeinde- und Bürgerrechte einzugreifen, indem sie verlangte, daß ohne Bewilligung der Pflegsgerichtsobrigkeit kein Rat gehalten werden soll, oder dem Pfleger oder seinem Stellvertreter das Recht zusprach, sich zu den Sitzungen anzusagen. Auch nahm der Pfleger bei dem Akte der Bürgermeisterwahl Stimmen für sich in Anspruch. Sowohl im Jahre 1525 als im Jahre 1716 erhoben Bürgermeister und Rat von Reutte gegen derartige, den alten Privilegien zuwiderlaufende Neuerungen den schärfsten Widerspruch. In der Eingabe vom 15. August 1716 wurde darauf hingewiesen, daß jede andere Gemeinde oder Baurschaft besser daran sei, denn sie können in ihren Gemeindeangelegenheiten jederzeit ohne Befragen der Obrigkeit zusammentreten und freie Beschlüsse fassen; die Bürgerschaft von Reutte habe sich bei der Rückeroberung der Veste Ernberg im Jahre 1703 derartige Verdienste erworben, daß sie eine solche Ungnade um so weniger verdiene, als sie in ihrer treuen Anhänglichkeit an das Haus Österreich "bis zum Abgang der Welt" beharren werde. Die Folge davon war, daß Kaiser Karl VI. am 17. März 1717 anordnete, daß alles beim alten Brauch bleiben soll.

Zu den Vorzügen eines landesfürstlichen Marktfleckens gehörte auch die Führung eines eigenen Wappens. Das im dreißigjährigen Kriege verloren gegangene Wappenprivileg für Reutte wurde durch Erzherzog Sigmund Franz am 1. Februar 1664 erneuert. Das Wappen besteht wie es in der Originalsprache der Urkunde heißt: "aus einem roth- oder rubinfarben Schildt, dessen Mitte ain weiß oder silberfarbe Zwerchstraße abthailet, im Grundt desselben drei grüne Püchelen, auf deren jedem ain aufrecht stehender Täx- oder Tannenbauml erscheint."

Der nächste Schritt vom Marktflecken ist der zur Stadt. Die "Gefahr" der Stadterhebung drohte Reutte bereits im Jahre 1743. Als der damalige Bürgermeister Franz Egidi Zeiller in Innsbruck weilte, wurde ihm von dem Regimentsrat Fröhlich und dem Hofkammerrat v. Schullern eröffnet, daß, wenn die Bürgerschaft bei der Kaiserin Maria Theresia ansuchen würde, den Markt Reutte in eine Stadt verändern zu dürfen, man solches mit den gewöhnlichen Stadtfreiheiten unzweifelhaft erlangen würde. Der überraschte Bürgermeister berief gleich nach seiner Rückkehr nach Reutte eine Ratssitzung ein, die am 6. September 1743 mit Stimmenmehrheit den nach Innsbruck mitgeteilten Beschluß faßte, "daß es zwar eine große und höchsten Dankes würdige Gnade wäre, eine Stadt und deren Freiheiten zu bekommen, jedoch sei Reutte ein gemeiner und zugleich ziemlich armer Ort, folglich auch die Bürgerschaft nicht imstande, die damit verbundenen erheblichen Spesen und Unkosten aufzubringen; man halte es für die allerhöchste Gnade, wenn die Kaiserin die alten Marktprivilegien bestätige und diesen einige neue Freiheiten hinzufüge."

Die nächste Gelegenheit, Stadt zu werden, winkte für Reutte unter dem langjährigen Bürgermeisteramte des Ehrenbürgers Alois Bauer. Dieser kluge Mann, dem der Markt die Anfänge seines modernen Aufschwunges verdankt, hat ebenfalls abgewinkt, und zwar mit der Begründung, daß Reutte zu den schönsten Marktflecken Tirols und über die heimatlichen Pfähle hinaus zähle, daß es aber als Städtchen unansehnlich wäre und keinen Eindruck machen würde.

Wollen wir hoffen, daß die Gemeindegewaltigen von Reutte in Gegenwart und Zukunft in dieser Beziehung ebenso konservativ denken wie ihre Vorgänger und weder durch das so erfreuliche wirtschaftliche und industrielle Aufblühen des Ortes, das auch ohne Stadtcharakter seinen Fortgang nehmen kann, noch aus Eitelkeitsgründen sich verleiten lassen, dem historisch gewordenen Marktflecken ein Modekleid umzuhängen, das ihm schlecht anstehen würde.
Reutte ist nach seiner ganzen Anlage, Bauweise und Geschichte der "wahre Normaltypus eines Marktfleckens."
Dieser Typ, diese Eigenart des Marktes Reutte soll erhalten bleiben. Darüber zu wachen, das ist eine der vornehmsten Aufgaben des Vereines für Heimatkunde und Heimatschutz von Außfern."





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