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B179 - Fernpassstraße








Aktuell
Schlechte Verlierer mit lächerlichen Grenzkontrollen - (26. Juni 2019)
Fahrverbote: Deutschland ist empört - Ausdehnung der Maßnahmen für die Bezirke Kufstein und Reutte - (24. Juni 2019)
Demonstration gegen den Ausweichverkehr der B179 - (13. April 2019)



Seit 1999 dient der Grenztunnel Füssen als Basistunnel für den Anschluss des Tiroler Bezirkes Reutte (Außerfern) an das deutsche Straßennetz (Baukosten ca. 190 Millionen Euro). Von Norden leitet seit 2009 die längste Autobahn Deutschlands, die A7, an den Tunnel heran. Die vierspurige Autobahn wird dabei an ihrem Ende auf einen einröhrigen Tunnel mit zwei Fahrstreifen reduziert. Vor allem während der Urlaubszeit – vornehmlich an Wochenenden – ist die auf österreichischer Seite liegende Fernpassstraße dabei meist überlastet und es kommt regelmäßig zu Staus (Tagesdurchschnitt 16728 Fahrzeuge, Spitzentage mit bis zu 31300 Kfz). Die Stauzonen erstrecken sich auf das Endstück der A7 zwischen der Abfahrt Nesselwang bis an den Grenztunnel Füssen heran, wobei versucht wird den Tunnel und auch das südöstlich angrenzende Reuttener Talbecken mittels Blockabfertigung zu entlasten. Dies gelingt meist nur leidlich, da viele der gestauten Fahrzeuge abfahren und in Folge auch die Straßen niederen Ranges in den Orten entlang der B179 überlasten und verstopfen, was regelmäßig zum "Beinahe-Kollaps" oder tatsächlich zum Stillstand des öffentlichen Lebens in diesen Gemeinden führt.

Die bereits in den 1970er-Jahren geplante Autobahn von Ulm nach Mailand hätte einen zweiröhrigen Tunnel vorgesehen, die Pläne für die Transitautobahn wurden inzwischen aber verworfen. Eine Realisierung einer zweiten Röhre und ein Ausbau der Fernpassbundesstraße wird aber von Seite der Tiroler Landesregierung gesperrt, da man fürchtet mit dieser Maßnahme noch mehr Verkehr entlang dieser Route zu generieren. Zudem wurde im Staatsvertrag von 1987 zwischen Deutschland und Österreich "ausdrücklich" nur der Bau einer Röhre vereinbart. Die Verkehrsentwicklung entlang der B179 führt jedoch gegenwärtig immer wieder zu Diskussionen in der Bevölkerung die einerseits den Ausbau und eine "große Tunnellösung" (Gartnerwand-Tunnel) fordert. Andere halten nach wie vor einen ungeahnten Anstieg des Verkehrs - insbesondere des Schwerverkehrs - für die größte Gefahr einer solchen Erweiterung der Strecke, da die (noch) bestehende Tonnagebeschränkung damit durch die EU gekippt werden könnte.

Verkehrsentwicklung entlang der B179 (4 Zählstellen) von 2005 bis 2017

Verkehrsentwicklung B179 von 2005 bis 2017

Eine Entlastung des Bezirks soll eine "Politik der kleinen Schritte in der Fernpassstrategie" mit sich bringen. Die baulichen Maßnahmen der Vergangenheit konnte einen großen Teil der Bevölkerung bis dato aber nicht überzeugen. Die Heiterwang-Umfahrung (32,5 Mio. Euro) und der Ausbau der "Ewigkeitskurve" am Katzenberg (2,2 Millionen Euro) waren bislang nicht in der Lage zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation auf der B179 beizutragen und so wird auch der seit Ende 2015 forcierte Bau des 1360 Meter langen Fernpass-Scheitel-Tunnels von den meisten Anrainern als vermeintlich entlastendes straßenbauliches Element in der Mehrheit abgelehnt (vorveranschlagte Baukosten 100 Mio. Euro, geplanter Baubeginn 2021, geplante Bauzeit 4 Jahre). Einen weiteren Anstieg des Verkehrs innerhalb des Außerferns wird wohl auch der Tunnelbau der Umfahrung Garmisch-Partenkirchen nach sich ziehen, wenn da der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt von "großen Verkehrsströmen auf dieser zentralen Nord-Süd-Achse" spricht.

Die Sache mit dem Ausweichverkehr entlang der B179


Regelmäßig verstopfen 'Stauflüchtlinge' die Orte entlang der B179 Fernpassbundesstraße, womit zumeist auch das öffentliche Leben in den Gemeinden beeinträchtigt oder gar lahm gelegt wird. Neuerdings werden Fahrverbote auf das niederrangige Verkehrsnetz rund um Innsbruck verhängt, um den Durchzugsverkehr auf der Autobahn zu halten und die Anrainergemeinden vor dem Verkehrskollaps zu bewahren (22.06.2019). Diese Vorgangsweise soll dementsprechend auf die ebenfalls überlasteten Bezirke Kufstein und Reutte ausgeweitet werden. Von Seite der Medien - speziell von deutschen Zeitungen und Rundfunkanstalten - wurden die Kontrollen entlang der Tiroler Straßen mit regem Interesse beobachtet. Die Berichte fielen dann teils einseitig aus, der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder kündigte gar eine Klage gegen Tirol vor der EU an, da er das Vorgehen als "diskriminierend und europarechtswidrig" betrachtet.

Die Frage ist aber doch vielmehr jene, ob bei einer so gebirgigen und kleinteiligen Landschaft wie sie in Tirol gegeben ist die Landesregierung nicht das Recht hat seine Bewohner vor der beinahe wöchentlich wiederkehrenden Verkehrsflut und den daraus resultierenden Einschränkungen und Auswirkungen zu schützen.

Insgesamt wird der Anschein erweckt, dass jeglicher Urlaubsverkehr und jeder noch so fragwürdige Warentransport Vorrang vor den existenziellen Fragen und Bedürfnissen der Anwohner entlang dieser Strecken hat.
Schon allein deshalb wird sich der berechtigte Widerstand der Bevölkerung wohl kaum klein halten lassen.

Die Autobahn-Variante mit Gartnerwand- und Tschirgant-Tunnel


Eine umfassende, aber die insgesamt teuerste Variante wäre die "Tauern-Gartnerwand-Tschirgant-Tunnel-Lösung".

in Mrd. Euro
AB-Tunnel Füssen mit 2. Röhre0,180
AB-Strecke Lände-Planseebrücke (inkl. Brückenbau für 2. Fahrbahn)1,600
AB-Strecke Planseewerk-Plattenwald bei Lähn0,275
AB-Tunnel Tauern0,310
AB-Strecke Heiterwang-Bichlbach0,760
AB-Tunnel Gartnerwand-Fernsteinsee2,475
AB-Strecke Fernsteinsee-See-Eck (Nassereith)0,690
AB-Tunnel Tschirgant und Anschluss an Inntalautobahn1,200
Summe7,490


Als Berechnungsgrundlage wurden hier andere Autobahnbauten mit Tunnellösungen herangezogen. Dabei entstand etwa folgendes Bild:

für 1 m Autobahntunnel EUR 300.000,-
für 1 m Autobahn EUR 137.500,-

Ausbau Grenztunnel Füssen und KatzenbergAusbau Zwischentoren und Gartnerwand-TunnelAusbau Gurgltal und Tschirgant-Tunnel

Wenn kein großer Ausbau verwirklicht wird - Optionen


Nach wie vor scheint die Verwirklichung der Autobahn und auch der großen Tunnelvariante als äußerst unwahrscheinlich. Wohl deshalb, da damit tatsächlich das Tonnage-Limit gekippt und die Region Reutte und Umgebung sowie die Zugspitzarena vom einfallenden Schwerverkehr regelrecht überrollt würden. Eine Fortführung der "Politik der kleinen Schritte" sollte deshalb, um doch noch einen halbwegs flüssigen Ablauf entlang der Strecke für die Zukunft gewährleisten zu können, folgende Punkte zur Entschärfung der Situation an der B179 enthalten:



Als konkreter Hinweis: Es gibt eine etwas weniger waghalsige Möglichkeit von Bichlbach aus auf die Spur Richtung Reutte zu gelangen: dazu muss man bei bzw. hinter der OIL-Tankstelle geradeaus Richtung Talstation der Almkopfbahn weiterfahren, bei den Parkflächen über die Bahngeleise und dann erst rechts unter der Brücke der B179 hindurch um danach gleich links haltend auf die B179 aufzufahren. Die Auffahrt hat sogar einen zugegebenermaßen recht kurzen Beschleunigungsstreifen. Die Variante ist aber allemal sicherer als die eigentlich übliche Auffahrt bei Bichlbach-West.

Leider wird diese Variante nicht klar ausgeschildert. Jedenfalls hätte man hier gegenwärtig schon eine bestehende Unterführung mit Auffahrmöglichkeit welche die Gefahren einer Querung der stark befahrenen B179 zumindest in diesem Bereich ausblenden würde.



Quellen




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