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Armut

Das Außerfern in harten Zeiten




Immer wieder wird über den Landstrich am nördlichen Alpenrand von Hunger und Notzeiten berichtet. Die geographische Lage des Bezirks Reutte bringt eine mittlere Höhe des besiedelten Raums von etwas über 1100 Meter ü.N.N. mit sich, weshalb insgesamt ein recht raues Klima vorherrscht. Die Vegetation entwickelt sich aus diesem Grund nur spärlich und viele Kulturpflanzen und Getreidearten können durch die zu kalten Verhältnisse nicht ausreifen.

Noch dazu bildet sich durch die besondere Lage des Außerferns eine naturgemäß starke Bindung gegen Norden, in das Gebiet des Allgäus aus. Sämtliche Täler sind gegen Norden, also in Richtung Deutschland geöffnet und bieten somit auch wesentlich günstigere Verkehrsverbindungen. Im Gegensatz dazu gibt es nur eine halbwegs wintersichere Verbindung ins Inntal, den Fernpass.

In Zeiten politischer Querelen hat diese exponierte Lage des Tiroler Bezirks immer wieder zu Einbrüchen in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und damit zu Hunger und Tod geführt. Eine weitere Erschwernis stellt dabei die Grenzlage dar, da im Besonderen der Raum des Reuttener Beckens, generell aber die gesamte Region fast immer auch als erster Angriffspunkt der sich bekriegenden Parteien diente. Es kam zu Einquartierungen, oder aber zumindest zu der zwangsweisen Verköstigung der durchmarschierenden Truppen, welche mitunter auch schon einmal in Form von Plünderungen sämtlicher Vorräte und Viehbestände ausarten konnten.

Auszug aus einer Urkunde vom 24. Jan. 1794
"...durch den Pfleger Alois Aschauer folgende Vorschriften erlassen: Für die Armen sind wöchentliche Sammlungen am Sonntag vorzunehmen. Die Kranken und Armen sind mit Geld bzw. Naturalien zu versorgen und es ist ihnen ein Wundarzt oder Doktor samt Krankenwart unentgeltlich beizustellen. Sieche und Tolle müssen nach Innsbruck gebracht und vom Armenfond der Pfarre übernommen werden. Waisenkinder müssen gegen einen Gemeindebeitrag tugendhaften Pflegeeltern übergeben werden. Betteln ist verboten, doch können den armen Kranken übriggebliebene Speisen gebracht werden. Bettler aus anderen Gemeinden sind abzuschieben, und im Wiederholungsfall ist ihnen das Almosen zu entziehen. Auch das Neujahrswünschen der Kinder ist verboten. Wer Vaganten und Bettlern Almosen reicht oder sie beherbergt, wird mit genannten Strafen verfolgt. Auch das Hausieren mit unterschiedlichen Waren dient meist nur als Vorwand zum Betteln und ist daher verboten, außer bei Vorweisung eines Hausiererpatentes. Auch herrenlose und dienstlose ledige Leute sind vom Gemeindevorsteher genau zu überwachen und allenfalls der Obrigkeit anzuzeigen..."





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