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Anna Dengel

Ärztin und Ordensfrau







Anna Dengel wurde am 16. März 1892 in Steeg im Lechtal geboren. Als die Mutter verstarb war die kleine Anna gerade einmal neun Jahre alt. Sie half dem Vater nach Kräften mit ihren drei jüngeren Geschwistern, obwohl sie selbst sehr unter dem frühen Tod der Mutter litt. Schon bald schickte der Vater Anna auf eine Pensionatsschule der Schwestern der Heimsuchung Mariens bei Hall. 1914 schloss sie ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin mit der Matura ab und half zunächst als Lehrerin im Schulunterricht aus, begab sich bald darauf aber nach Lyon (Frankreich) um dort Deutsch zu unterrichten.

Anschließend studierte sie auf Empfehlung der schottischen Ärztin Dr. Agnes McLaren ab 1914 im irischen Cork Medizin. Sie war die einzige ausländische Studentin ihres Jahrganges. 1919 absolvierte sie die Medizinische Staatsprüfung und versuchte ein Visum für Indien zu erlangen. Sie war noch für ein Jahr in England als Assistenzärztin tätig, erlangte 1920 durch Promotion aber den akademischen Grad einer Doktorin. Bereits im Oktober des selben Jahres begann sie im von McLaren gegründeten St. Catherin’s Hospital im damals indischen Rawalpindi (heute Pakistan zugehörig) ihre Tätigkeit. Für Anna ging damit ein Traum in Erfüllung.

Die muslimischen Frauen durften aus religiösen Gründen keine medizinische Hilfe von Männern annehmen, weshalb schon McLaren bis zu ihrem Tod 1913 massiv für die Ausbildung weiblicher Ärzte eintrat. Ärztinnen waren eine Seltenheit und die medizinische Versorgung weiblicher Patientinnen dort desaströs. Tatsächlich begegnete Anna unsäglichem Leid und sie stürzte sich Tag für Tag in die Arbeit. Bereits nach etwas mehr als drei Jahren war Anna aber derart erschöpft, dass sie in eine tiefe Depression abglitt, welche sie selbst als "Nacht der Seele" bezeichnete.

Von der Gemütserkrankung gepeinigt, war sie deshalb schon 1924 gezwungen die ärztliche Leitung der Klinik an eine indische Ärztin abzugeben. Im Anschluss begab sie sich zur inneren Einkehr und zur Genesung zurück nach Innsbruck. Im Geist konnte sie sich von dem Leid, dem Sterben und der Not der Ärmsten der Armen jedoch nicht vollständig lösen und so reifte in ihr der Plan selbst einen Orden von Ärzte-Schwestern zu gründen, da sie in einem herkömmlichen Missionsorden die ärztliche Tätigkeit hätte aufgeben müssen.

Sie reiste mehrfach nach England und in die USA und gründete zusammen mit drei weiteren Frauen am 30. September 1925 in Washington ihren eigenen medizinisch orientierten Orden, die Society of Catholic Medical Missionaries (SCMMS) - die Missionsärztlichen Schwestern. Das Verbot medizinischer Tätigkeit für Ordensfrauen bestand aber weiterhin, weshalb sich Anna Dengel jahrelang um eine Änderung des Kirchenrechts bemühte. Erst 1936 konnte sie dies mit einem von Papst Pius XI. verabschiedeten Dekret erreichen. Erst ab diesem Zeitpunkt durften Ordensschwestern welche einer medizinischen Tätigkeit nachgingen auch öffentliche Gelübde ablegen.

Noch 1927 eröffnete sie das Holy Family Hospital in Rawalpindi. Von dort ausgehend breiteten die Missionsärztlichen Schwestern ihren Wirkungsbereich auf ganz Indien aus. In der Krankenschwesternschule von Patna beispielsweise wurde eine Schülerin mit Namen Gonxhe Bojaxhiu von den Missionsärztlichen Schwestern unterrichtet. Später wird man sie unter dem Namen Mutter Teresa auf der ganzen Welt kennen.

1939 wurde das neue Mutterhaus in Fox Chase bei Philadelphia eingeweiht. Der Orden breitete sich danach vor allem nach den Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs aus. Nach Indien wurden in Indonesien und auf den Philippinen Spitäler und Krankenschwesternschulen errichtet. Später gab es dann auch Krankenhäuser in Afrika und Südamerika.

1958 wurde der Hauptsitz des Ordens von den USA nach Rom verlegt. Anna beobachtete die Entwicklung der folgenden Jahre auch mit Sorge, änderten sich doch die äußeren Bedingungen und das soziale Umfeld häufig in rascher Folge. Letztlich blickte sie aber doch optimistisch in die Zukunft und übergab 1973 die Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern mit den Worten: "Die Zukunft gehört Euch, Ihr wisst um die Nöte Eurer Zeit ebenso wie ich um die Nöte meiner Zeit wusste."

1976 erlitt Anna einen Schlaganfall und trug eine Teillähmung davon. Am 17. April 1980 verstarb Anna nach einem bewegten Leben. Sie wurde auf dem Friedhof des Instituts Congregatio Jesu auf dem Campo Santo Teutonico in Rom bestattet.

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